Garagenverordnung und Baugenehmigung in Nordrhein-Westfalen
Da NRW keine eigene Garagenverordnung mehr besitzt, richtet sich der Garagenbau maßgeblich nach der Landesbauordnung. Demnach sind Garagen bis 50 m² Grundfläche und 3 m mittlerer Wandhöhe außerhalb des Außenbereichs in der Regel genehmigungsfrei. Erfahren Sie alles Weitere zu Abstandsflächen, Brandschutzauflagen und den Kosten für Ihren Bauantrag.
Das Wichtigste zur Garagenverordnung in NRW
Besonderheit: NRW hat keine eigene Garagenverordnung. Die Vorschriften für Garagen stehen unter anderem in Teil 5 der Sonderbauverordnung NRW und in der Landesbauordnung.
Genehmigungsfreie Garagen: Garagen können in NRW bis zu 50 m² Grundfläche und bis zu 3 m mittlerer Wandhöhe verfahrensfrei sein, wenn sie nicht im Außenbereich liegen.
Grenzbebauung: Eine Garage darf unter bestimmten Voraussetzungen ohne eigene Abstandsfläche an der Grundstücksgrenze stehen; je Nachbargrenze sind höchstens 9 m, insgesamt höchstens 18 m zulässig.
Stellplatzmaße: Ein notwendiger Einstellplatz muss mindestens 5 m lang sein; die vorgeschriebene Breite beträgt je nach seitlicher Begrenzung 2,45 m bis 2,65 m.
Nutzung und Brandschutz: Eine Garage dient dem Abstellen von Kraftfahrzeugen und/oder Fahrrädern. Bei geschlossenen Kleingaragen gelten besondere Anforderungen an Wände und Decken.
Welche Vorschriften für Garagen gelten in Nordrhein-Westfalen?
Beim Garagenbau müssen Sie eigentlich die Garagenverordnung des Bundeslandes beachten. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit 2009 jedoch keine eigene Garagenverordnung mehr. Stattdessen beinhalten folgende Gesetzestexte Regeln für den Garagenbau in NRW:
Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW)
Verordnung über bautechnische Prüfungen (BauPrüfVO)
Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten (Sonderbauverordnung – SBauVO)
Alle hier genannten Vorschriften gelten für private Bauvorhaben, genauer gesagt für Kleingaragen mit einer Nutzfläche von bis zu 100 m². Solche Garagen sind typischerweise ausreichend groß für Eigenheime. Die teils strengeren Regelungen für Mittel- oder Großgaragen beziehen sich z. B. auf gewerbliche Parkhäuser und werden im Folgenden nicht thematisiert.
Welche Garagen sind in NRW genehmigungsfrei?
Gemäß § 62 BauO NRW können Garagen unter folgenden Voraussetzungen genehmigungsfrei sein:
Die mittlere Wandhöhe beträgt höchstens 3 m.
Die Grundfläche beträgt insgesamt höchstens 50 m².
Die Garage liegt nicht im Außenbereich.
Die mittlere Wandhöhe ist die durchschnittliche Höhe einer Wand. Gemessen wird von der Geländeoberfläche bis zum oberen Wandabschluss oder Dachansatz. Bei unebenem Gelände ist dieser errechnete Mittelwert der Wand maßgeblich.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist für die Garage kein Baugenehmigungsverfahren erforderlich. Das entbindet Sie aber nicht davon, die übrigen öffentlich-rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Dazu können insbesondere Festsetzungen des Bebauungsplans und örtliche Bauvorschriften gehören.
Überschreitet Ihre Garage eine dieser Grenzen oder liegt sie im Außenbereich, sollten Sie vor Baubeginn mit der unteren Bauaufsichtsbehörde klären, welches Verfahren erforderlich ist. Ob Sie eine gemauerte Garage oder eine Fertiggarage planen, spielt für die Genehmigungsfreiheit keine Rolle. Entscheidend sind die Garagenmaße und der Standort.
Welche Regelungen zur Grenzbebauung und zu Abstandsflächen für Garagen gibt es in NRW?
In NRW ist grundsätzlich eine Abstandsfläche von 3 m zum Nachbargrundstück vorgesehen. Für Garagen ist die Grenzbebauung allerdings unter gewissen Auflagen erlaubt. Gemäß § 6 BauO NRW dürfen Garagen in den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen gebaut werden, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:
Die mittlere Wandhöhe beträgt höchstens 3 m.
Die Gesamtlänge der Garage beträgt höchstens 9 m je Nachbargrenze.
Die Grenzbebauung auf dem Grundstück beträgt insgesamt höchstens 18 m.
Ist die schriftliche Zustimmung der Nachbar:innen für den Bau einer Garage in NRW zwingend nötig?
Nein, eine schriftliche Zustimmung der Nachbar:innen ist keine generelle Voraussetzung für den Garagenbau in NRW. Das Bauamt benachrichtigt die Nachbarschaft gemäß § 72 BauO NRW nur, wenn für die Garage bestimmte Abweichungen oder Befreiungen genehmigt werden müssen, die nachbarliche Belange berühren. Liegt der Behörde bereits das schriftliche Einverständnis der Nachbar:innen vor, kann das den Ablauf beschleunigen. Die Zustimmung ersetzt aber kein Genehmigungsverfahren.
Welche Brandschutz- und Bauvorschriften gelten für Garagen in NRW?
Wenn Sie eine Garage planen, müssen Sie bestimmte Auflagen für den Brandschutz und die Sicherheit beachten. Unter anderem in § 131 SBauVO NRW sind die baulichen Anforderungen an Kleingaragen geregelt:
Wände und Decken: Bei Kleingaragen sind tragende Wände und Decken ohne Feuerwiderstand zulässig. Allerdings müssen die Wände und Decken zwischen geschlossenen Kleingaragen und anderen Räumen feuerhemmend sein.
Gebäudeabschlusswände: Sie müssen ebenfalls feuerhemmend sein oder aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen. Bei offenen Kleingaragen sind Gebäudeabschlusswände nicht erforderlich.
Dach: Bei Kleingaragen sollten die Dächer aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen.
Abschlüsse und Türen: Öffnungen in Wänden zwischen geschlossenen Kleingaragen und anderen Gebäuden, wie etwa bei einem Durchgang von der Garage ins Wohnhaus, müssen mit feuerhemmenden, dicht- und selbstschließenden Türen versehen werden.
Zufahrt: Zwischen der Garage und den öffentlichen Verkehrsflächen muss eine Zu- und Abfahrt von mind. 3 Meter Länge gegeben sein. Ausnahmen sind möglich, wenn die Sicht auf die öffentliche Verkehrsfläche unbedenklich ist.
Rampen: Bei Kleingaragen dürfen Rampen bis zu 20 % geneigt sein, wenn die besonderen Grundstücksverhältnisse das erfordern.
Einstellplatz: Ein notwendiger Einstellplatz muss mindestens 5 m lang sein. Die erforderliche Breite liegt zwischen 2,45 m (freistehend) und 2,65 m (beidseitig begrenzt), je nachdem, ob Wände das Aussteigen erschweren. Für barrierefreie Plätze gilt eine Mindestbreite von 3,50 m.
Welche Lagerung und Nutzung einer Garage sind in NRW erlaubt?
In § 2 BauO NRW werden Garagen als Gebäude oder Gebäudeteile zum Abstellen von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern definiert. In der Regel darf auch Autozubehör in der Garage gelagert werden und Sie dürfen Regale anbringen. Wichtig ist, dass die Garage stets ihre Hauptfunktion als Stellplatz behält. Das Fahrzeug sollte also hineinpassen, ohne dass Sie vorher Gegenstände umräumen müssen.
Für brennbare Flüssigkeiten nennt § 139 SBauVO NRW die Regelung, dass in Kleingaragen bis zu 200 l Dieselkraftstoff und bis zu 20 l Benzin in dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern aufbewahrt werden dürfen.
Darf man eine genehmigte Garage als Hobbywerkstatt oder Partyraum nutzen?
In NRW deckt eine Genehmigung für eine Garage nicht ohne Weiteres eine anderweitige Nutzung als Hobbywerkstatt oder Partyraum ab. Da eine Garage baurechtlich als Stellplatz für Fahrzeuge gilt, stellt jede andere dauerhafte Verwendung eine Nutzungsänderung dar, die in der Regel genehmigungspflichtig ist. Klären Sie deshalb vorab mit dem zuständigen Bauamt, ob Sie eine Erlaubnis für Ihr Vorhaben benötigen. Wenn Sie die Garage beispielsweise als Aufenthaltsraum nutzen möchten, gelten dafür strengere bauliche Anforderungen, etwa an Belüftung, Brandschutz oder Fluchtwege.
Was gilt für Elektroautos und Ladestationen in Garagen in Nordrhein-Westfalen?
Der Einbau einer Ladestation für Elektroautos, einer sogenannten Wallbox, ist in Nordrhein-Westfalen gemäß § 62 BauO nicht genehmigungspflichtig. Denken Sie bereits vor dem Bau der Garage daran, die Stromleitungen einzuplanen. Auch eine Solaranlage auf dem Garagendach ist in der Regel genehmigungsfrei. Mit dieser Kombination können Sie Ihr Elektroauto bequem mit eigenem Solarstrom laden und Stromkosten sparen.
So stellen Sie den Bauantrag für eine Garage in NRW
Wenn Ihre private Garage genehmigungspflichtig ist, fällt sie in NRW grundsätzlich in das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren. Der Bauantrag ist bei der unteren Bauaufsichtsbehörde einzureichen. Die Behörde prüft die entsprechenden Anforderungen. Sie als Bauherr:in sind dafür verantwortlich, dass alle Vorschriften eingehalten werden.
Auf dem Bauportal NRW finden Sie Informationen zum Ablauf des Verfahrens. Wurde Ihnen die Genehmigung erteilt, haben Sie drei Jahre Zeit, mit dem Bauvorhaben zu beginnen.
Bei einem genehmigungsfreien Garagenbau in NRW sollten Sie bei Ihrer Baubehörde nachfragen, ob Sie eine Bauanzeige stellen müssen.
Laut § 10 BauPrüfVO sind beim vereinfachten Baugenehmigungsverfahren folgende Unterlagen einzureichen:
Bauantrag für die Errichtung oder Änderung baulicher Anlagen
Auszug aus dem Liegenschaftskataster
Lageplan
Bauzeichnungen
Baubeschreibung
Berechnungen oder Angaben zur Kostenermittlung
Welche Unterlagen im Einzelfall erforderlich sind, hängt vom Vorhaben ab. Die Bauaufsichtsbehörde kann weitere Unterlagen verlangen. Die Bauvorlagen müssen von einem oder einer Entwurfsverfasser:in unterzeichnet sein. Dazu gehören zum Beispiel Architekt:innen.
Was kostet eine Baugenehmigung für eine Garage in Nordrhein-Westfalen?
Für eine genehmigungspflichtige Garage, über die im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren entschieden wird, müssen Sie in NRW mindestens 50 € Verwaltungsgebühren zahlen. Die Genehmigungsgebühr berechnet sich nach der AVwGebO NRW und beträgt 6 ‰ der Rohbausumme. Das bedeutet: Pro 1.000 € Rohbausumme fallen 6 € Genehmigungsgebühr an.
Die Rohbausumme ist nicht automatisch der Kaufpreis der Garage. Es ist ein fiktiver Wert, den das Bauamt anhand des Rauminhalts berechnet. Dieser Betrag wird immer auf die nächsten vollen 500 € aufgerundet.
Beispielrechnung: Eine große Doppelgarage
Vom Amt zunächst errechneter Wert: 14.200 €
Das Amt rundet auf nächste volle 500 Euro auf: 14.500 €
Die Rechnung: 14.500 € × 0,006 = 87 €
Ihre Gebühr: 87 €
Diese Rechnungen zeigen rein die Verwaltungsgebühr für den Bauantrag an sich. Je nach Einzelfall können später noch Gebühren für amtliche Bauüberwachungen oder Bauzustandsbesichtigungen hinzukommen.
Welche Strafen drohen, wenn man in NRW eine Garage einfach ohne Baugenehmigung baut?
Wer eine genehmigungspflichtige Garage ohne die nötige Erlaubnis oder abweichend von den genehmigten Plänen baut, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Gemäß § 86 BauO NRW kann dafür ein Bußgeld von bis zu 500.000 € fällig werden. Das ist der Maximalbetrag im Gesetz und nicht die Standardstrafe, die bei einem privaten Bauvorhaben fällig wird.
Zusätzlich zur Geldstrafe kann die Bauaufsichtsbehörde folgende Maßnahmen ergreifen:
Verbot der Nutzung der rechtswidrig errichteten Anlage.
Anordnung zur Beseitigung (Abriss) der Garage.
Garagenverordnungen anderer Bundesländer
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Häufig gestellte Fragen
Wie weit muss eine Garage von der Grundstücksgrenze in NRW entfernt sein?
Eine private Kleingarage darf in NRW unter den Voraussetzungen des § 6 BauO NRW auf der Grundstücksgrenze errichtet werden, wenn die mittlere Wandhöhe nicht höher als 3 m ist, sie auf einer Nachbarsseite nicht länger als 9 m verläuft und die Grenzbebauung auf dem Grundstück insgesamt nicht mehr als 18 m beträgt.
Was besagt die Garagenverordnung in Nordrhein-Westfalen?
In NRW gibt es keine eigene Garagenverordnung mehr. Die baulichen, sicherheitstechnischen und nutzungsbezogenen Anforderungen an Garagen werden z. B. in der Landesbauordnung des Landes geregelt.
Was bedeutet „verfahrensfrei“ bei Garagen laut der Bauordnung in NRW genau?
In der Bauordnung von NRW heißt es nicht „genehmigungsfrei“, sondern „verfahrensfrei“. „Verfahrensfrei“ bedeutet, dass für die Garage kein Baugenehmigungsverfahren erforderlich ist. Die übrigen baurechtlichen Anforderungen und örtlichen Vorgaben gelten trotzdem weiter. Für Garagen sind die Grenzen höchstens 3 m mittlere Wandhöhe, insgesamt höchstens 50 m² Brutto-Grundfläche und kein Standort im Außenbereich.
Wer kontrolliert die Garagenvorschriften in NRW?
Zuständig für Garagen- und Bauvorschriften ist die untere Bauaufsichtsbehörde. Je nach Wohnort ist das die kreisfreie, große oder mittlere kreisangehörige Stadt oder der Kreis. Die Behörde überwacht die Einhaltung der öffentlich-rechtlichen Vorschriften und kann die erforderlichen Maßnahmen treffen.
Wie lange muss man die erteilte Baugenehmigung für eine Garage in NRW aufbewahren?
Als Bauherr:in und Eigentümer:in müssen Sie die Baugenehmigung einschließlich der Bauvorlagen sowie die bautechnischen Nachweise und Bescheinigungen am besten dauerhaft aufbewahren. Bei einem Eigentumswechsel müssen Sie diese Unterlagen an die neuen Eigentümer:innen weitergeben.