Effektive Planung:

So erfüllen Sie alle Anforderungen an ein barrierefreies Bad

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Anika Wegner
1. Oktober 2019

Bei einem barrierefreien Bad sehen die meisten Menschen wahrscheinlich nur den Nutzen für Senioren oder Rollstuhlfahrer. Dabei bedeutet der Begriff, dass alle Menschen, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigungen, das Bad ohne fremde Hilfe nutzen können. Dies gilt auch für z. B. Kinder und Sehbehinderte. Bei der Planung eines Mehrgenerationenhauses lohnt es sich dementsprechend, von vornherein ein barrierefreies Bad zu installieren oder entsprechende Umbaumaßnahmen vorzunehmen. Auch wenn Sie derzeit kein barrierefreies Bad benötigen, ist es sinnvoll, bereits an die Zukunft zu denken.

Anforderungen an ein barrierefreies Bad

Bei der Planung eines barrierefreien Bades gilt es mehr zu beachten, als alles nur ebenerdig zu gestalten und ein paar Stützgriffe zu montieren. Wenn Sie auf Fördermittel vom Staat hoffen, müssen Sie die Vorschriften nach DIN 18040-2 für ein barrierefreies Bad einhalten.

  Allgemeine Anforderungen

  • Sämtliche Bedien- und Ausstattungselemente dürfen keine scharfen Kanten haben. Zudem sollen sie sich visuell kontrastierend von der Umgebung abheben, um Sehbehinderten eine bessere Orientierung zu ermöglichen (z. B. heller Waschtisch vor einem dunklen Hintergrund). 
  • Bodenbeläge müssen fest verlegt und rutschhemmend sein. Eine Benutzung durch Rollstühle, Rollatoren und anderen Gehhilfen sollte jederzeit möglich sein. Im Duschbereich dürfen nur Bodenbeläge nach Bewertungsgruppe B verlegt werden.
  • Die Thermostatventile der Heizung sollte man aus einer sitzenden Position bedienen können und dürfen nicht in den Raum ragen. Zudem ist eine Fußbodenheizung zu empfehlen, um auf Badvorleger als potentielle Stolperfalle verzichten zu können.
  • Die Beleuchtung des Bades sollte hell und ohne Schlagschatten, Spiegelungen oder Blendungen sein.
  • Wenn es mehr als einen Sanitärraum in Ihrem Eigenheim gibt, muss mindestens einer davon barrierefrei sein.
  • Fenster sollten sich leicht öffnen und schließen lassen.
  • Die Wände benötigen eine sichere Stabilität, um die Belastung durch die benötigten Stütz- bzw. Haltegriffe stand halten zu können.
  • Ablageflächen und Stauraum sollten Sie in greifbarer Nähe einplanen.
  Was sind Bewertungsgruppen?

Die Bewertungsgruppen A, B und C geben die Rutschsicherheit für den Barfuss-Nassbereich an:

  • A: trockene Böden
  • B: nasse Böden
  • C: Schwimmbäder

So ist eine Fließe der Bewertungsgruppe B für den Barfuss-Laufbereich auf nassen Böden, z. B. in der Dusche, geeignet.

  Anforderungen nach DIN 18040-2

Generell unterscheidet man bei den Anforderungen nach DIN 18040-2 zwischen den Mindestanforderungen, die ein Bad haben muss, um barrierefrei zu gelten und dem erweiterten R-Standard, der auch Rollstuhlfahrern eine ungehinderte Nutzung ermöglicht. 

Bewegungsfläche vor Sanitärobjekten

Mindeststandard R-Standard
120 x 120 cm 
(darf sich mit weiteren Bewegungsflächen überlagern)
150 x 150 cm

Duschwanne/Duschplatz

Mindeststandard R-Standard
Maße: 120 x 120 cm Maße: 150 x 150 cm
max. 2 cm Höhenunterschied zum angrenzenden Bodenbereich Duschklappsitz und beidseitige, hochklappbare Stützgriffe sollten nachrüstbar sein
abgeschrägter Übergang ohne Kante Höhe Duschklappsitz: 46 - 48 cm
  Einhebel-Duscharmatur mit Handbrause muss aus der Sitzposition erreichbar sein

Badewanne

Mindeststandard R-Standard
Maße: 160-170 x 75 cm muss mit einem Lift ausgestattet sein
nachträgliches Aufstellen (z. B. als Ersatz für die Dusche) sollte machbar sein  
empfehlenswert sind Sitzbadewannen oder Badewannen mit Tür  

Türen

Mindeststandard R-Standard
Lichte Breite: mind. 80 cm Lichte Breite: mind. 90 cm
Lichte Höhe: mind. 205 cm Tiefe (Türzarge): max. 26 cm
möglichst keine unteren Türanschläge oder Schwellen (max. 2 cm Höhenunterschied)  
müssen sich von außen öffnen und entriegeln lassen  

Waschplatz

Mindeststandard R-Standard
muss man im Stehen und im Sitzen nutzen können Höhe: max. 80 cm (Vorderkante)
Beinfreiraum unter dem Waschtisch für die Nutzung im Sitzen Tiefe Unterfahrbarkeit: mind. 55 cm
Spiegel muss mind. 100 cm hoch und über dem Waschbecken montiert werden Abstand Armatur zum vorderen Waschtischrand: max. 40 cm
vorzugsweise Einhebelarmaturen Breite des Beinfreiraums unter dem Waschtisch: mind. 90 cm
berührungslose Armaturen sind nur mit einer Temperaturbegrenzung (max. 45 °C) erlaubt  

WC

Mindeststandard R-Standard
Abstand zur Wand und anderen Sanitärobjekten: mind. 20 cm Höhe: 46 - 48 cm (einschließlich Sitz)
  Tiefe: mind. 70 cm (Beckenvorderkante bis Wand)
  Breite an Zugangsseite: mind. 90 cm
  Breite an der anderen Seite: mind. 30 cm
  Spülung und Toilettenpapier muss mit Hand erreichbar sein, ohne Sitzposition ändern zu müssen
  Rückenstütze erforderlich (55 cm Abstand zur Beckenvorderkante)
 

beidseitige, hochklappbare Stützgriffe erforderlich:

- Höhe: 28 cm (Abstand Oberkante der Griffe zur Sitzhöhe)

- Punktlast: mind. 100 kg

- Abstand zwischen den Griffen: 65 - 70 cm

- muss 15 cm über Vorderkante des WCs hinausragen

  Montagehöhe:
Für sämtliche Griffe und Bedienelemente gilt grundsätzlich eine Montagehöhe von 85 Zentimeter. Diese wird immer ab der Oberkante des Fertigfußbodens (OKFFB) gemessen. Ausgenommen sind Fenstergriffe, die auch 85 - 105 cm hoch montiert werden können.
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Die Planung gut vorbereiten

Bei einem barrierefreien Bad muss viel beachtet werden. Auch aufgrund des höheren Kostenfaktors im Vergleich zu einem normalen Bad sollte möglichst vorausschauend geplant werden. Damit Sie bei der Planung nichts vergessen, können Sie sich an unserer Checkliste orientieren:

Schritt 1: Zielgruppe definieren

  • Für welche Menschen bauen Sie um?
  • Welche Art der Einschränkung haben sie?
  • Denken Sie dabei auch an Ihre Zukunft und was Sie im Alter benötigen könnten.

Schritt 2: Voraussetzungen überprüfen

  • Bietet Ihr Bad genügend Platz, um barrierefrei werden zu können?
  • Ist die Badezimmertür breit genug?
  • Planen Sie benötigte Umbaumaßnahmen mit ein.

Schritt 3: Konkrete Raumaufteilung planen

  • Erstellen Sie einen maßgetreuen Grundriss Ihres Bades.
  • Planen Sie alle benötigten Sanitäranlagen und Ausstattungen ein und tragen Sie diese zusätzlich in eine Liste ein.
  • Denken Sie dabei auch an die erforderliche Bewegungsfläche.

Schritt 4: Fördermittel beantragen

  • Prüfen Sie, welche Fördermittel oder Zuschüsse für Sie infrage kommen. 
  • Beachten Sie, dass diese vor dem Beginn des Umbaus beantragt und genehmigt werden müssen!

Schritt 5: Fachfirma beauftragen

  • Lassen Sie sich mehrere Angebote von verschiedenen Fachfirmen geben und prüfen Sie diese nach Ihren Kriterien.

Schritt 6: Neue Ausstattung besorgen

  • Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Ausstattung den DIN-Normen entspricht.
  • Diesen Schritt kann Ihnen auch die beauftragte Fachfirma abnehmen.

Schritt 7: Baumaßnahmen und Installationen durchführen

  Unser Tipp:
Aroundhome kann Sie bei der Planung Ihres barrierefreien Bades unterstützen. Bei einem persönlichen Gespräch, oder mithilfe des Online-Fragebogens, nehmen wir Ihre Wünsche an das neue Bad auf und empfehlen Ihnen kostenlos bis zu drei geprüfte Fachfirmen aus Ihrer Region. Lassen Sie sich unverbindliche Angebote für die Badsanierung erstellen, die Sie in Ruhe zu Hause prüfen können. So sparen Sie sich viel Zeit und Nerven bei der Suche nach einer passenden Fachfirma!

Ästhetikeinbüßen bei einem barrierefreien Bad?

Bei einem barrierefreien Bad denken Sie wahrscheinlich als erstes an eine sterile Ausstattung wie im Krankenhaus. Da Sie aber nach DIN 18040-2 alles recht offen und die Sanitärobjekte kontrastierend zum Hintergrund gestalten müssen, bieten sich hier auch gewisse Designmöglichkeiten. Unsere Bildergalerie gibt Ihnen einen Überblick:

Förderungen und Zuschüsse 

Wenn Sie auf die Unterstützung von Fördermitteln bauen, ist die Planung eines barrierefreien Bades nach DIN 18040-2 die sichere Wahl. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet einen attraktiven Kredit und Investitionszuschuss für die Barrierereduzierung an. Zudem können Sie Zuschüsse für den Umbau und Kostenerstattungen für bestimmte Hilfsmittel von der Krankenkasse und der Pflegeversicherung erhalten.  Eine ausführliche Auflistung der förderfähigen Maßnahmen und Hilfsmittel finden Sie in unserem Ratgeber "Barrierefreies Bad: Kosten & Preise".

Förderung durch Art Was wird gefördert? Fördermittel
KfW-Programm 159: Altersgerecht Umbauen Kredit Badumbau zur Barrierereduzierung bis zu 50.000 Euro
(0,78 % effektiver Jahreszins)
KfW-Programm 455-B: Barrierereduzierung Investitionszuschuss Badumbau zur Barrierereduzierung bis zu 6.250 Euro
(10 - 12,5 % der Kosten)
Pflegeversicherung Investitionszuschuss Badumbau zur Barrierereduzierung (bei Pflegestufe / Pflegegrad) bis zu 4.000 Euro
Krankenkasse Kostenerstattung bestimmte Hilfsmittel Kostenübernahme bei ärztlicher Verordnung
  Erst auf die Genehmigung warten!
Wenn Sie Fördermittel für sich beanspruchen möchten, müssen diese vor dem Umbau bzw. vor dem Kauf der Hilfsmittel von dem entsprechenden Institut beantragt und genehmigt worden sein.

Was kostet ein barrierefreies Bad?

Generell kann man sagen, dass der Badumbau kein billiges Unterfangen ist. Das liegt zum einen daran, dass die barrierefreien Sanitärobjekte mehr als die Standardmodelle kosten. Zum anderen kommen noch Kosten für benötigte Umbaumaßnahmen hinzu. 

Bei einem circa sechs Quadratmeter großen Bad liegen die Komplettkosten bei ungefähr 8.000 Euro.

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