Aroundhome Logo
Themenwelt
Energieeffizientes Wohnen
NEU
Alle Hausprojekte
Fokus

Barrierefreier Badumbau für Senioren und Menschen mit Behinderung

Claudia Mühlbauer
7. Dezember 2022

Ein Badumbau wird nicht immer nur aus ästhetischen Gründen durchgeführt. Für die meisten Personen ist die Sanierung zum seniorengerechten Badezimmer im fortgeschrittenen Alter nötig. Empfehlenswert ist es, sich schon früh Gedanken um die Gestaltung zu machen. Wir informieren Sie darüber, welche Punkte bei einem barrierefreien Badumbau besonders zu beachten sind.

Benötigen Sie direkt Empfehlungen für Fachfirmen?

Jetzt Fachfirmen in der Nähe finden

Wer braucht einen Badumbau?

Möchten Sie neuen Glanz in Ihr altes Badezimmer bringen, können Sie jederzeit eine Badsanierung durchführen. Wie umfangreich sich diese gestaltet, ist Ihnen selbst überlassen: Möglicherweise wollen Sie Ihr Stand-WC durch eine wandhängende Toilette ersetzen oder Ihnen steht der Sinn nach neuen Wand- oder Bodenfliesen?

In vielen Fällen ist ein Umbau im Bad aber aus anderen Gründen nötig. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Sie sich altersbedingt nicht mehr so frei und flexibel bewegen können. Ebenso ist das Auftreten von Krankheiten oder anderweitiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen ein nicht zu unterschätzender Faktor. Sind Sie etwa nach einem Schlaganfall plötzlich pflegebedürftig, müssen Ihre Angehörigen das Badezimmer häufig umbauen lassen, damit Sie es weiterhin möglichst selbständig benutzen können. Auch ein Familienmitglied mit einer körperlichen Behinderung hat besondere Bedürfnisse, die beachtet werden müssen.

Altersgerecht vs. barrierefrei vs. behindertengerecht

Die Bezeichnungen barrierefreies Bad und altersgerechtes Bad werden häufig synonym verwendet. Dabei sind die Anforderungen an ein barrierefreies Badezimmer in der DIN-Norm 18040-2 konkret festgelegt. Dabei ist sogar separat ein Standard für Rollstuhlfahrer:innen definiert. Das Wort „altersgerecht“ hingegen bringt keine Vorschriften mit sich. Somit muss ein seniorengerechtes Bad nicht behindertengerecht oder rollstuhlgerecht sein. Vielmehr ist es wichtig, für Sicherheit im Badezimmer zu sorgen, das Risiko für Stürze zu minimieren und die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohner:innen zu berücksichtigen. Deshalb sind altersgerechte Badezimmer meist barrierearm / barrierereduziert, aber nicht zwangsläufig barrierefrei.

Was müssen Sie bei der Planung beachten?

Damit Sie Ihr barrierefreies Bad optimal nutzen können, müssen Sie mehrere Punkte beachten. Die Größe des Raums spielt dabei nur bedingt eine Rolle. Zu vernachlässigen ist dieser Faktor zwar nicht, aber durch gezielte Maßnahmen können Sie auch ein kleineres Bad alters- bzw. behindertengerecht umbauen.

Badtür

Die Badtür sollte breit genug für einen Rollstuhl sein. Normalerweise ist das bei einer Breite von 90 cm der Fall. Andernfalls ist der Durchgang nur mit einem schmaleren Dusch- und Toilettenrollstuhl möglich. Weiterhin darf die Tür nicht nach innen aufschlagen, damit sie auch dann noch geöffnet werden kann, wenn eine Person im Badezimmer gestürzt ist und vor der Badezimmertür liegt. Darauf sollten Sie insbesondere achten, wenn Sie ein kleines Bad behindertengerecht umbauen. Die Tür sollte darüber hinaus von außen zu entriegeln sein. Eventuell bietet sich die Installation einer Schiebetür an.

Unter Umständen bietet es sich zur besseren Raumnutzung an, die Badtür zu versetzen. Hierfür muss zuvor unbedingt das Gutachten eines Statikers eingeholt werden – auch bei nicht tragenden Wänden.

Rutschfeste Bodenbeläge

Um schwere Stürze und Verletzungen zu verhindern, sollten Sie auch auf fest verlegte Bodenbeläge bzw. auf rutschhemmende Fliesen achten. Fliesenleger:innen können Ihnen bei der Wahl des für Sie optimalen Modells behilflich sein. Wie sicher Sie sich auf nassen Fliesen bewegen können, lässt sich anhand der Rutschsicherheitswerte beurteilen.

Eine durchschnittliche Rutschhemmung haben Sie bereits bei den Werten R 9 und R 10, eine sehr hohe Sicherheit bieten die Klassen R 12 und R 13. Für privat genutzte Räume sind lediglich die unteren Klassen relevant. Fliesen mit höherer Rutschhemmung werden in der Regel nur im öffentlichen Bereich verlegt.

Vorgaben aus DIN 18040-2 einhalten

Damit ein Badezimmer offiziell als barrierefrei gilt, muss es bestimmte Anforderungen erfüllen, die in der DIN 18040-2 ausgeführt sind. Hier werden beispielsweise die nötige Bewegungsfläche vor Sanitärobjekten, die Maße des Duschplatzes und der Abstand der Toilette zur Wand reguliert. Spezielle Anforderungen gelten für den sogenannten R-Standard, der die Mindestanforderungen für Rollstuhlfahrer regelt.

Ausreichende Bewegungsflächen ohne Stolperfallen

Damit Sie sich mit einem Rollator oder Rollstuhl in ausreichendem Maße bewegen können, brauchen Sie genügend Raum. Entscheidend ist aber nicht nur die Raumgröße, sondern auch, wie die sanitären Anlagen angeordnet sind. Achten Sie bei Ihrem Badumbau auch darauf, dass Sie die Toilette seitlich mit einem Rollstuhl anfahren können.

Achten Sie zusätzlich darauf, dass es keine Schwellen über zwei Zentimeter gibt. Im Idealfall sorgen Sie für eine Nullbarriere, also gestalten das Badezimmer ebenerdig. Auch kleinere Stolperfallen wie Badteppiche sollten Sie vermeiden.

Badewanne oder Dusche?

Die vorhandene Fläche des Raumes können Sie deutlich besser nutzen, wenn Sie Ihre bereits vorhandene Badewanne zur Dusche umbauen. Diese sollte ebenerdig sein und sich bestenfalls in einer Ecke des Badezimmers befinden. Ein Duschklappsitz an der Wand sorgt für ausreichenden Sitzkomfort beim Duschen. Achten Sie hierbei auf die maximale Belastbarkeit, die er bietet.

Alternativ kann Ihre Badewanne auch nachträglich mit einer Badewannentür versehen werden. Das bietet sich möglicherweise an, wenn Sie einen großen Raum zur Verfügung haben. Welche der beiden Varianten Sie wählen, hängt letztlich aber von Ihren persönlichen Präferenzen und Ansprüchen ab.

Badewanne mit Tür
Badewannen mit Tür sind eine gute Alternative zu barrierefreien Duschen.

Höhe der sanitären Anlagen

Als bewegungseingeschränkte Person stehen Sie häufig vor der Herausforderung, dass Toilette und Bidet zu niedrig angebracht sind. Eine Dusch-WC-Komplettanlage, bestenfalls mit einer Sitzhöhe von 48 cm, kann die Lösung sein.

Bei einem Waschtisch bietet sich für Rollstuhlfahrer oft das umgekehrte Problem: Unter ihm gibt es zu wenig Platz für die Beine, der Beckenrand ist zu hoch und der Spiegel ist in Sitzposition nicht einsehbar. Bei Ihrem Badumbau sollten Sie daher auf einen unterfahrbaren Waschtisch achten, über dem ein Kippspiegel montiert wird.

Die Waschtischarmatur sollte ein Einhebelmischer sein, der bequem zu erreichen ist. Es empfiehlt sich, ein Modell mit Verbrühschutz zu wählen, um die Wassertemperatur begrenzen zu können.

Was kostet ein barrierefreier Badumbau?

Ob ein Badumbau hohe Kosten mit sich bringt oder relativ günstig ist, hängt in erster Linie davon ab, wie umfangreich die Maßnahmen sind. So ist etwa der Umbau einer Badewanne zur Dusche kostenintensiver als der Einbau von Haltegriffen. Können die Wasseranschlüsse und -abflüsse beibehalten werden, wirkt sich das positiv auf die Kosten des Badumbaus aus.

Grundsätzlich lässt sich nicht sagen, dass ein Badumbau, der behindertengerecht erfolgt, teurer ist als ein anderer Umbau. Maßgeblich ist beispielsweise, ob neue Rohre verlegt und elektrische Leitungen installiert werden müssen, welche sanitären Anlagen Sie erneuern wollen und wie viel Zeit die Handwerker:innen hierfür benötigen. Nach Einschätzung unserer Fachfirmen sollten mit Kosten in Höhe von 3.500 bis 4.000 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Wie lange dauert der Badumbau?

Laut der Erfahrung unserer Fachfirmen dauert der barrierefreie Badumbau ungefähr 25 bis 30 Werktage. Somit müssen Sie fünf bis sechs Wochen auf Ihr Badezimmer verzichten. Sollten Sie über kein zweites Badezimmer zum Ausweichen verfügen, können Sie eine Dusche für den Übergang installieren lassen. Die Toilette wird in der Regel als letztes getauscht, sodass Sie bis zum Schluss noch angeschlossen und nutzbar bleibt.

Welche Förderungen gibt es und wann zahlt die Pflegekasse?

Damit Sie mit den Kosten nicht allein dastehen, gibt es einige Fördermöglichkeiten für die Reduzierung von Barrieren im Bad. Beispielsweise unterstützt Sie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit dem Kreditprogramm 159. Sie erhalten bis zu 50.000 Euro, unabhängig von Ihrem Alter. Neben dem Einbau von bodentiefen Duschplätzen werden auch Modernisierungsarbeiten von weiteren Sanitätsobjekten wie WCs, Bidets, Waschbecken und Badewannen gefördert. Mit dem Investitionszuschuss 455-B, könnten Sie zusätzlich bis zu 6.250 Euro für alle Umbaumaßnahmen zur Barrierereduzierung erhalten. Aktuell sind die Fördermittel für diesen Zuschuss jedoch ausgeschöpft.

Einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro können Sie von der Pflegekasse erhalten, wenn Sie über einen Pflegegrad verfügen und die Pflege zu Hause stattfindet. Die Krankenkasse kann die Kosten für einzelne Hilfsmittel übernehmen, wenn eine Verordnung vom Arzt vorliegt.

Fachfirmen für barrierefreie Bäder finden

Aroundhome kann Sie bei der Planung Ihres barrierefreien Bades unterstützen. Mithilfe des Online-Fragebogens nehmen wir Ihre Wünsche an das neue Bad auf und empfehlen Ihnen bis zu drei Anbieter aus Ihrer Region.

Häufig gestellte Fragen

Wie groß sollte ein altersgerechtes Bad sein?

Um ein Badezimmer barrierefrei umzubauen, ist eine Mindestgröße von fünf Quadratmetern erforderlich. Andernfalls können die nötigen Abstände zwischen den Sanitärobjekten zum Rangieren mit einem Rollstuhl oder Rollator nicht eingehalten werden.

Ab welchem Pflegegrad gibt es einen Zuschuss zum Badumbau?

Um den Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.000 Euro zu erhalten, ist wichtig, dass ein Pflegegrad besteht und die Pflege zu Hause stattfindet. Welcher Pflegegrad genau besteht, ist unerheblich. Pflegebedürftige Personen mit Pflegegrad 1 können den Zuschuss genauso in vollem Umfang erhalten wie Personen mit Pflegegrad 5.