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Für mehr Freiheit im Eigenheim

Barrierefrei Wohnen: Was Sie beachten sollten

Redaktionsbild von der Autorin
Undine Tackmann
29. August 2021

Um sich unfallfrei drinnen sowie draußen bewegen zu können, sollten Sie beim Bau oder der Sanierung eines barrierefreien Eigenheims einige Dinge beachten. Denn Barrierefreiheit bedeutet mehr als nur einen Treppenlift oder eine ebenerdige Dusche zu installieren. Vom Badezimmer über die Küche bis hin zum Gartenzugang – erfahren Sie, welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Barrierefreies Wohnen

Nicht nur für Senior:innen, auch Gehbehinderte oder anderweitig eingeschränkte Menschen können durch ein barrierefreies Eigenheim eigenständig ihr Leben gestalten. Dabei erfordern unterschiedliche Räume verschiedene Maßnahmen. So können Sie ein harmonisches Zusammenleben von gesunden und eingeschränkten Personen bewerkstelligen.

Grafik Barrierefrei Wohnen

Barrierefreies Badezimmer

Auch Personen mit Behinderungen oder ältere Menschen möchten sich eigenständig und unfallfrei in ihrem Badezimmer bewegen können. Um dies zu gewährleisten, gibt es einige Maßnahmen, die Sie für ein barrierefreies Badezimmer umsetzen können:

Ebenerdige Dusche

Eine ebenerdige Dusche lässt sich in entsprechender Größe auch mit einer Gehhilfe wie einem Rollstuhl gut befahren. Ältere Personen müssen zudem keine Stufe mehr überwinden, um in die Dusche ein- oder auszusteigen, wodurch das Unfallrisiko stark minimiert wird. Mittlerweile gehören ebenerdige Duschen zum modernen Baustandard dazu und können problemfrei von anderen Personen im Haushalt mitgenutzt werden.

Walk-in-Dusche im Badezimmer
Ebenerdige Duschen sind mittlerweile modern.

Wanne mit Badewannenlift

Alternativ dazu gibt es auch Badewannen, die sich mit einem sogenannten Badewannenlift nachrüsten lassen. Müssen Sie eine pflegebedürftige Person zu Hause betreuen, kann so ein einfacher Wannenlift für Sie vorteilhaft sein. Dabei haben Sie die Wahl zwischen einem Luftkissen, Tuchlift oder Sitzlift.

Haltegriffe

Zusätzliche Haltegriffe in der Duschkabine sowie an der Badewanne erleichtern das Ein- und Aussteigen aus dem Waschbereich erheblich.

Grafik Barrierefreies Badezimmer
Raumplanung eines barrierefreies Bads

Niedriger Waschtresen

Beim Waschplatz sollten Sie darauf achten, dass dieser sowohl im Sitzen als auch im Stehen benutzt werden kann. Das erfordert eine maximale Höhe von 80 Zentimetern.

Rutschfester Boden

Nicht nur im Nassbereich, auch sonst sollten Sie im Badezimmer darauf achten, einen rutschfesten Untergrund zu schaffen. Dazu können Sie in die Dusche sowie Badewanne weiche Gummimatten legen. Als Bodenbelag eignen sich rutschfeste Fliesen. Dabei handelt es sich um spezielle Fliesen mit einer angerauten oder profilierten Oberfläche.

Rollstuhl unter Waschbecken
Es gibt unterfahrbare Waschtische für barrierefreie Badezimmer.

Barrierefreiheit in der Küche

Ob für Senior:innen, Rollstuhfahrer:innen oder blindengerecht – eine barrierefreie Küche können Sie auf unterschiedlichste Weise an die jeweiligen Anforderungen anpassen:

Küchentresen, Schränke und Elektrogeräte anpassen

Bringen Sie Elektrogeräte in einer angenehmen Arbeitshöhe an, damit sich die betroffenen Personen nicht so stark bücken müssen. Gleichzeitig sollten Hängeschränke etwas niedriger montiert werden. So muss kein Hocker oder Stuhl für die obersten Fächer genommen werden.

Unterfahrbarer Küchentresen

Wird die barrierefreie Küche von einer Person mit einem Rollstuhl benutzt, planen Sie den Küchentresen unterfahrbar. Optimal ergänzt wird die Küche durch Hängeschränke, die sich auf Knopfdruck in der Höhe verstellen lassen.

Rollstuhlfahrer an der Spüle
Unterfahrbare Küchentresen sind perfekt für Rollstühle.

Elektrogeräte mit selbst ausschaltender Funktion

Moderne Herdplatten oder Backöfen schalten sich nach einer Weile selbst ab. Diese Funktion kann vor allem für ältere Menschen, die schnell mal etwas vergessen, vorteilhaft sein. So besteht nicht die Gefahr, dass etwas auf dem Herd oder im Backofen anbrennt.

Ausreichend Platz

Menschen mit Gehbehinderungen benötigen meist etwas mehr Platz, um sich uneingeschränkt in einer Küche bewegen zu können. Laut DIN 18040-2 sollte die Bewegungsfläche in der Küche mindestens 120 x 120 cm groß sein.

Grafik barrierefreie Küche
Maßnahmen in einer barrierefreien Küche

Behindertengerechte Küche nach DIN 18040-2

In Deutschland wird die Barrierefreiheit von Küchen in verschiedenen Normen und Richtlinien geregelt, unter anderem in der Norm DIN 18040-2. Die Norm definiert eine Reihe von Merkmalen, die eine behindertengerechte Küche erfüllen sollte.

Barrierefreies Wohn- und Schlafzimmer

Je nach Einschränkung können Sie auch Ihr Wohnzimmer sowie Schlafzimmer komfortabel und barrierefrei gestalten. Hier kommt es vor allem auf eine angepasste Einrichtung mit entsprechenden Funktionen sowie ausreichend Bewegungsfreiraum für eventuelle Gehhilfen an.

Sessel mit elektrischer Aufstehhilfe

Vor allem für Senior:innen, bei denen die Glieder nach langem Sitzen steif werden, ist ein Sessel mit Aufstehhilfe ein wahrer Segen. Dabei kann der Sessel elektrisch etwas nach vorn gekippt werden, sodass die betroffene Person es wieder leichter aus dem gemütlichen Sessel herausschafft.

Frau in Rollstuhl im Wohnzimmer
Auch im Wohnzimmer können Sie einiges tun, um Barrierefreiheit zu schaffen.

Modernes Pflegebett

Bei einem Pflegebett denken viele gleich an ein klobiges Krankenbett. Mittlerweile gibt es jedoch auch moderne Pflegebetten für zu Hause, die sich optisch von herkömmlichen Betten kaum unterscheiden. Für ältere Menschen sowie pflegebedürftige Personen kann ein solches Bett eine enorme Komfortsteigerung bedeuten.

Die Betten lassen sich in der Höhe verstellen, sodass eine individuelle Ein- und Ausstiegshöhe möglich ist. Zudem lassen sich Kopf- und Fußteil elektrisch hochfahren. Manche Pflegebetten haben zusätzlich auch noch Rollen an den Füßen, um das Bett flexibel zu bewegen.

Grafik barrierefreies Schlafzimmer Wohnzimmer
Maßnahmen für ein barrierefreies Wohn- und Schlafzimmer

Keine Schwellen und Übergänge

Achten Sie bei der Einrichtung eines barrierefreien Wohn- und Schlafzimmers darauf, dass der Boden ebenerdig ist. Das bedeutet auch, dass Türschwellen einfach zu passieren sein sollten und die Personen nicht über Teppichkanten oder Kabel stolpern können.

Viel Licht

Tageslicht sowie helle Lampen sind für die betroffenen Personen ein wahrer Segen. Ältere Menschen sehen meist nicht mehr so gut. In hellen Räumen können Sie sich besser zurechtfinden und Unfallgefahren rechtzeitig erkennen. Gleiches gilt für Personen mit einer Behinderung: Räume mit viel Tageslicht erleichtern den Betroffenen ein unfallfreies Bewegen in ihrem Zuhause.

Balkon und Terrasse barrierefrei gestalten

Jeder möchte gern uneingeschränkt auf den Balkon oder die Terrasse gehen können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Schon mit ein paar Handgriffen können Sie Ihren Außenbereich barrierefrei gestalten.

Zugang zum Außenbereich ohne Schwelle

Ein schwellenfreier Zugang zum Balkon oder zur Terrasse ist sehr wichtig, denn hier lauert für ältere Menschen eine potenzielle Stolperfalle. Personen im Rollstuhl hingegen können eine hohe Türschwelle gar nicht allein überqueren. Sie können den Zugang ebenerdig gestalten oder eine kleine Rampe bauen.

Breite Türen

Die Türen sollten etwas breiter als das Mindestmaß sein. Egal ob zum Balkon oder vom Wohnzimmer in den nächsten Wohnraum – für ein barrierefreies Wohnen wird eine Türbreite von 80 Zentimetern empfohlen, für Rollstühle sind mindestens 90 Zentimetern einzuplanen.

Rampe Terrasse
Mit einer einfachen Rampe wird vielen ein barrierefreier Zugang in den Garten ermöglicht.

Hohes Geländer

Ein hohes Geländer, an dem sich die betroffenen Personen ggf. abstützen können, kann ebenso hilfreich sein. Achten Sie jedoch darauf, dass das Geländer nicht durch Blumentöpfe oder andere Gegenstände zugestellt wird.

Ebenerdiger Boden

Der Untergrund sollte ebenerdig und auch mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe gut begehbar sein. Empfehlenswert ist eine Terrasse oder ein Balkonboden aus Beton ohne Fugen. Wählen Sie alternativ eine bündig liegende Verlegung von großen Pflastersteinen. So bilden sich keine breiten Rillen im Boden.

Grafik barrierefreier Balkon
Aufbau einer barrierefreien Terrasse oder eines Balkons

Barrierefreier Garten

Das barrierefreie Wohnen zieht sich bis in den Garten. Auch hier gibt es einige Hindernisse, die dank der richtigen Planung von jedem überwunden werden können.

Geeignete Gartenwege

Ähnlich wie bei der Terrasse sollten Sie auch für den Gartenweg ein Material verwenden, das keine großen Fugen oder Rillen bildet sowie rutschfest und stabil ist. Dazu eignen sich große Pflastersteine, bündig verlegt, oder ein einfacher Gartenweg, aus Beton gegossen. So kann auch eine Person im Rollstuhl problemlos über den Gartenweg fahren.

Außerdem empfiehlt es sich, eine Breite ab 1,20 Metern zu wählen, bei Kurven oder rechtwinkeligen Abzweigungen sogar 1,60 Meter. Nur so garantieren Sie auch ein bequemes Wenden für Rollstuhlfahrer:innen.

Gartenweg durch Rasen
Gartenweg und Rasenfläche sollten mündig ineinander übergehen.

Handläufe und Rampen bei Höhenunterschieden

Der Zugang zu den Gartenwegen sollte zudem immer ebenerdig, abgeflacht oder durch eine Rampe zugänglich gemacht werden. Befestigen Sie bestenfalls an kleinen Treppen oder Stufen Handläufe oder Griffe, damit sich ältere Personen abstützen können. Zudem gibt es auch Liftsysteme für den Außenbereich, die sich auch noch nachträglich installieren lassen.

Helle Wegebeleuchtung

Eine Wegebeleuchtung ist essenziell. Die Leuchten sollten so platziert werden, dass sie den Weg optimal ausleuchten. Wählen Sie dafür Lampen, die keinen Schatten werfen und nicht blenden.

Möchten Sie die Lampen nicht über einen Bewegungsmelder programmieren, platzieren Sie die dazugehörigen Lichtschalter in einer Höhe von 85 bis 105 Zentimetern, um die Erreichbarkeit auch aus dem Sitzen zu garantieren. Alternativ gibt es auch Fernbedienungen oder Zeitschaltuhren.

Automatisches Bewässerungssystem

Eine weitere enorme Hilfe ist ein automatisches Bewässerungssystem für Pflanzen und Beete im Garten. Ist für die Betroffenen die Gießkanne zu schwer oder das Gießen mit dem Schlauch zu anstrengend, müssen sie deswegen nicht auf einen tollen Garten verzichten. Beliebte Bewässerungssysteme sind einfache Sprinkler und verlegte Schlauchsysteme, die Beete und Rasenflächen auf Knopfdruck oder per Zeitschaltuhr bewässern.

Hochbeete

Dank Hochbeete können ältere Personen rückenschonend in ihren Beeten arbeiten. Es gibt sogar unterfahrbare Hochbeete für Rollstuhlfahrer:innen. Zudem erleichtern Einbuchtungen in der Konstruktion das Arbeiten in allen Ecken.

Grafik barrierefreier Garten
Maßnahmen fü einen barrierefreien Garten

Rampen oder Liftsysteme

In nahezu jedem Haushalt gibt es die ein oder andere Stufe, die überwunden werden muss. Doch für einen Rollstuhlfahrer kann eine einzige Stufe schon zum unüberwindbaren Hindernis werden. Mit Rampen oder verschiedenen Liftsystemen können Sie mehr Bewegungsfreiheit für betroffene Personen garantieren.

Rampen

Normale Rollstuhlrampen sind für eine bis fünf Stufen geeignet. Sie ermöglichen den Rollstuhlfahrer:innen ein alleiniges Überwinden von kleinen Barrieren beispielsweise am Eingangsbereich.

Grafik Treppenlifte Überblick
Übersicht der Rampen- und Liftsysteme

Treppenlifte

Egal, ob nur ein paar Stufen oder eine komplette Treppe, die zur nächsten Etage führt – ein Treppenlift befördert Gehbehinderte sowie Senior:innen bequem im Sitzen oder Stehen über die Stufen. Je nach Anforderungen und Treppenhöhe haben Sie die Wahl zwischen Stehliften, Sitzliften, Hebeliften bzw. Hebebühnen und Plattformliften sowie Plattformaufzügen.

Treppensteiger und Treppenraupen

Wenn keine baulichen Veränderungen am Eigenheim vorgenommen werden können, ist eine Treppenraupe oder ein Treppensteiger eine Alternative. Mit einem sogenannten selbsthemmenden Schneckengetriebe, rutschfesten Gummiketten und elektrischen Magnetbremsen transportieren diese Geräte die Betroffenen Stufe für Stufe sicher in die nächste Etage.

Rundtreppe mit einem Treppenlift
Treppenlifte lassen sich auch nachträglich noch installieren.

Smart Home und Notrufsysteme

Moderne Smart-Home-Funktionen ermöglichen es, alltägliche Handgriffe wie elektrische Rollläden oder ein automatisches Gartentor zu automatisieren. Sie vereinfachen somit den Alltag für eingeschränkte Personen erheblich. Außerdem sollten Sie auch über ein automatisches Notrufsystem für die betroffene Person nachdenken.

Smart Home im Alltag

Smart Home bedeutet nichts anderes, als Haushaltsgeräte in ein Funk-Netzwerk einzubinden, damit diese aus der Nähe und Ferne gesteuert werden können. Unter anderem können Sie mittels verschiedener Smart-Home-Funktionen die Heizung, Beleuchtung, Steckdosen, Rollläden, Waschmaschine oder Unterhaltungselektronik steuern.

Lassen Sie sich für Ihr Smart-Home-System im Idealfall von einer Fachfirma beraten, die die Geräte und Steuerungsprozesse gleich einrichten kann. Neben den Geräten, die fest in Ihrem Zuhause integriert sind, gibt es übrigens noch viele kleine und mobile Helfer auf dem Markt, die Ihnen den Alltag erleichtern. Hierzu zählen unter anderem Smart Watches, Blutdruckmesser, Tracker oder smarte Waagen.

Notrufsysteme für mehr Sicherheit

Dank automatischer Notrufsysteme können Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall schnell und zuverlässig Hilfe rufen. Auch wenn der Hausnotruf primär als Hilfsmittel für Senior:innen gilt: Jede Person, die allein daheim ist und beispielsweise in der Dusche ausrutscht, ist über schnelle Hilfe froh. Dabei unterscheiden sich die Systeme zwischen mobilen und stationären Geräten.

Grafik Funktionsweise Notrufsysteme Hausnotruf

Wichtig: Förderungen für barrierefreies Wohnen

Möchten Sie Ihr Eigenheim barrierefrei errichten oder renovieren, stehen Ihnen je nach Maßnahme und Pflegegrad Fördergelder vom Staat zur Verfügung. Wichtig ist, dass Sie die Förderungen vor dem Umbau beantragen und zugesichert bekommen. In der Regel werden nachträglich keine Fördergelder mehr ausgezahlt. Informieren Sie sich zudem bei Ihrer Gemeinde oder oder Ihrer Stadt über Zuschüsse und Fördergelder für barrierefreies Wohnen.

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