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Gaspreisbremse statt Gasumlage: Was folgt daraus?

Claudia Mühlbauer
5. Oktober 2022

Die Bundesregierung hat sich von ihren Plänen zur Einführung der Gasumlage verabschiedet. An ihre Stelle tritt die Gaspreisbremse. Woher kommt der Kurswechsel und was bedeutet der Abwehrschirm gegen die hohen Gaspreise für Verbraucher:innen?

Warum ersetzt die Gaspreisbremse die Gasumlage?

Mit der Gaspreisbremse schlägt die Bundesregierung gewissermaßen den entgegengesetzten Weg ein wie mit der Gasumlage. Deren Ziel war es, die Energieversorgung sicherzustellen. Die großen Gasversorger konnten ihre erschwinglichen Verträge während der letzten Jahre leicht mit günstigem russischem Gas bedienen, spätestens mit dem Komplettstopp der Gaslieferungen aus Russland hat sich die Situation aber dramatisch verändert. Ohne staatliche Hilfe wären die Energieunternehmen wegen der Vertragsbindung früher oder später kollabiert.

Ein weiterer Grund für die Senkung der Energiepreise durch eine Gaspreisbremse ist, dass die Verbraucherpreise dadurch ebenfalls gesenkt werden sollen.

Die Gasumlage stand schon in der Kritik, seitdem ihre Einführung bekannt gegeben wurde. Einer der maßgeblichsten Punkte dabei war, dass die Umlage den Gaspreis noch weiter erhöht, obwohl die Politik diesen eigentlich senken will. Zudem würden auch Energieunternehmen, die insgesamt Gewinne machen, von der Umlage profitieren.

Ursprünglich sollte sie außerdem eingeführt werden, um angeschlagene Energieunternehmen zu unterstützen. Deutschlands wichtigster Gasimporteuer Uniper soll nun allerdings verstaatlicht werden. Während der letzten Wochen wurde offensichtlich, dass die Gasumlage nicht mehr rechtlich sicher ist.

Wie wird die Gaspreisbremse konkret aussehen?

Die genaue Ausgestaltung der Gaspreisbremse soll etwa Mitte Oktober von einer von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission vorgeschlagen werden. Bekannt ist aktuell allerdings, dass es einen subventionierten Grundbedarf geben soll, innerhalb dessen es vergünstigte Gaspreise gibt. Das wird aus technischen Gründen für jeden Haushalt – unabhängig vom Einkommen – gelten. So soll auch eine schnelle Auszahlung ermöglicht werden. Bei welchem Prozentsatz des Vorjahresbedarf das Grundkontingent aufhört und wie hoch die Preise konkret sein werden, wurde noch nicht beschlossen.

Finanziert wird die Gaspreisbremse mit 200 Milliarden Euro. Dafür nimmt die Bundesregierung neue Kredite auf, die dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zufließen.

Welche zusätzlichen Umlagen gibt es ab Oktober?

Auch wenn die Gasbeschaffungsumlage nun Geschichte ist, kommen ab dem 01. Oktober 2022 drei andere Umlagen zum Tragen, die zuvor nicht erhoben wurden. Sie erhöhen den Gaspreis allerdings deutlich weniger als das bei der Gasumlage der Fall gewesen wäre.

Gasspeicherumlage

Die Bundesregierung gibt vor, wie hoch der Füllstand der deutschen Gasspeicher sein soll. Die Kosten für die Gasspeicherung sollen ebenfalls auf die Verbraucher:innen umgelegt werden. Die Höhe der Umlage beträgt 0,059 Cent/kWh. Sie wird für drei Monate festgelegt.

Bilanzierungsumlage

Die Bilanzierungsumlage gab es schon, bisher wurden dafür aber keine Kosten erhoben. Ihr Zweck ist es, den kurzfristigen Gaszukauf zu erleichtern. Für Privathaushalte beträgt sie 0,57 Cent/kWh, Gewerbe- und Industriekunden zahlen 0,39 Cent/kWh. Sie wird für 12 Monate festgesetzt.

Konvertierungsumlage

Die Konvertierungsumlage wird für die technische Umwandlung verschiedener Gassorten erhoben. Es handelt sich nicht um eine neue Umlage, bisher hatten Gaskund:innen dafür aber keine Extrakosten. Ab Oktober werden 0,038 Cent/kWh fällig. Die Höhe der Umlage gilt jeweils für ein Jahr.

Beispielrechnung ohne Gaspreisbremse

Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh und einem Gaspreis von 20 Cent/kWh zahlt bisher jährlich 4.000 Euro. Durch die drei Umlagen werden Mehrkosten von etwa 134 Euro fällig.

Da die Mehrwertsteuer befristet bis April 2024 auf 7 Prozent gesenkt wurde, fallen hierfür statt 785 Euro nur noch zusätzliche Kosten von etwa 289 Euro an. Insgesamt ergeben sich so jährlich Mehrkosten von ungefähr 423 Euro.

Auch mit Einführung der Gaspreisbremse sind die Umlagen relevant, da nur ein gewisser Prozentsatz des Gasverbrauchs gedeckelt werden soll. Für die oberen Prozente des normalen Verbrauchs soll hingegen der normale Marktpreis gelten, der sich durch die Erhebung der drei Gasumlagen ab Oktober erhöht.

Wie entwickeln sich die Energiepreise?

Die Energiepreisentwicklung ist aktuell der größte Treiber der Inflation. So lagen die Preise für Energieprodukte im August 2022 insgesamt 35,6 Prozent über dem Niveau vom August 2021. Allein Erdgas ist 83,8 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Grund dafür sind vor allem die stark gestiegenen Einkaufspreise und die Unsicherheit auf den Märkten.

Im Schnitt kostet eine Kilowattstunde Gas aktuell etwa 21,9 Cent. Bei diesem Durchschnitt werden Preise für Bestands- und Neukund:innen berücksichtigt. Wer einen neuen Gasliefervertrag abschließt, muss allerdings mit deutlich höheren Preisen rechnen: Hier liegt der Durchschnitt gerade bei 35,2 Cent/kWh.

Das kostet 1 kWh Gas für Neukund:innen 2021 und 2022

Was hätte die Gasumlage beinhaltet?

Die Gasbeschaffungsumlage sollte befristet vom 01. Oktober 2022 bis zum 01. April 2024 gelten und zunächst bei 2,419 Cent/kWh liegen.

Grund ihrer geplanten Einführung war die starke Reduzierung der Gasliefermengen aus Russland. Die Ersatzmengen, die Importeure beschaffen müssen, gehen mit deutlich höheren Preisen einher, die bisher nicht an die Verbraucher:innen weitergegeben werden können. Die Beschaffungsumlage sollte sicherstellen, dass die Wärmeversorgung gesichert und der Gasmarkt stabil bleibt.

Die Gasumlage erklärt

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Häufig gestellte Fragen

Entfällt mit der Gaspreisbremse der Anreiz zum Sparen?

Nein. Es wird ein Grundkontingent beim Gasverbrauch geben, das subventioniert wird. Dafür wird der Preis zwar sinken, für den Verbrauch, der darüber hinaus geht, aber nicht. Daher gibt es weiterhin einen Anreiz zum Sparen, um nicht über das Grundkontingent hinauszukommen.

Gibt es genug Gas für den Winter?

Die Gasspeicher sind aktuell zu etwa 92 Prozent gefüllt. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Temperaturen ist der Energieverbrauch der Haushalte für das Heizen aber bereits jetzt angestiegen. Laut Bundesnetzagentur muss nach wie vor ein Sparziel von etwa 20 Prozent erreicht werden, um die Gasversorgung aller Haushalte über den gesamten Winter gewährleisten zu können.

Bleibt die Mehrwertsteuer auf Gas gesenkt?

Auch mit dem Wegfall der Gasumlage bleibt die Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent bestehen. Das soll nach aktuellem Stand bis April 2024 gelten.

Wird es einen EU-weiten Preisdeckel für Gas geben?

Mehr als die Hälfte der Staaten in der Europäischen Union fordern einen Gaspreisdeckel. Laut EU-Kommissionspräsidentin könnte dieser eine Übergangslösung auf dem Weg zu einem neuen EU-Preisindex sein.