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Entwicklung der Energiepreise: Immer weiter nach oben?

Claudia Mühlbauer
22. November 2022

Öl und Gas sind fossile Brennstoffe und stehen daher nicht unbegrenzt zur Verfügung. Dass die Verknappung zu einer Verteuerung führt, ist zwangsläufig. Während der letzten Monate sorgte aber vor allem die angespannte Marktlage aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine für rasant steigende Energiepreise. Auch die Strompreise sind betroffen.

Wie stark haben sich die Energiepreise erhöht?

Auf den Energiemärkten herrscht Unsicherheit. Die Versorgungslage ist aktuell zwar gesichert, aber dennoch angespannt. Das macht sich in den Zahlen bemerkbar: Insgesamt haben sich Energieprodukte von Oktober 2021 bis Oktober 2022 laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts um 43,0 Prozent verteuert. Im September war der Anstieg zum Vorjahresmonat mit 43,9 Prozent nur leicht höher.

Die konkreten Zahlen für Heizöl, Gas und auch Strom sind allerdings noch eindrucksvoller. Im Oktober sah die Teuerungsrate der Energieprodukte jeweils so aus:

  • Heizöl: +82,8 Prozent
  • Erdgas: +109,8 Prozent
  • Strom: +26,0 Prozent

Die Preisindizes für Öl, Gas und Strom haben sich im Verlauf der letzten Monate bis zum Oktober 2022 folgendermaßen entwickelt:

Grafik zur Entwicklung der Preisindizes für Energieprodukte in Deutschland bis Oktober 2022

Ein weiteres Problem: Die Stromerzeugung ist stark abhängig von Erdgas. Steigende Gaspreise führen damit auch zu höheren Erzeugerpreisen. Im Oktober 2022 mussten Kraftwerke für Erdgas 110,2 Prozent mehr zahlen als im Vorjahresmonat. Für Verbraucher:innen mit neuen Verträgen liegt der Strompreis aktuell bei durchschnittlich 48,16 Cent pro Kilowattstunde.

Inflation auf dem Höchststand

Im vereinten Deutschland gab es nie zuvor höhere Inflationsraten als in den vergangenen Monaten. Gemessen wird die Rate als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat. Im Oktober 2022 lag sie bei +10,4 Prozent. Ursache für die hohen Werte war neben den anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie in erster Linie die Energiepreisentwicklung. Ohne die Energie miteinzurechnen, hätte die Inflation im Oktober bei +6,5 Prozent gelegen.

CO2-Steuer auf Öl und Gas

Neben den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen wirkt sich auch die CO2-Besteuerung auf die Preise für Öl und Gas aus. Seit ihrer Einführung im Jahr 2021 sollte sich die Abgabe jährlich um zunächst fünf und ab 2024 um zehn Euro je Tonne CO2 erhöhen. Wegen der hohen Energiepreise hat die Bundesregierung im September 2022 allerdings als Teil des dritten Entlastungspakets beschlossen, die Erhöhung der CO2-Steuer im Jahr 2023 auszusetzen. Erst ab Januar 2024 soll der Steuersatz wieder steigen.

Anschließend soll es keinen Festpreis für die Emissionsrechte mehr geben. Stattdessen soll sich ein Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro durch die Versteigerung der Emissionszertifikate bilden. Auch wenn sich die Marktlage rund um Öl und Gas entspannen sollte und die Rohstoffpreise wieder auf das Niveau vor dem Angriff auf die Ukraine sinken, wird es in den kommenden Jahren weitere Preissteigerungen geben.

Wie reagiert die Politik?

Die Ampelkoalition hat sich bisher auf drei Entlastungspakete verständigt, um die Belastungen durch die steigenden Energiekosten im Zuhause zu mildern. Während einige Punkte aus den ersten beiden Paketen - die Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe und das 9-Euro-Ticket im Nahverkehr - schon wieder der Vergangenheit angehören, bleiben zum Beispiel die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags, des steuerlichen Grundfreibetrags und des gesetzlichen Mindestlohns. Zu den wichtigsten Maßnahmen der Entlastungspakete zählen außerdem folgende:

  • Zum 01. Juli 2022 ist die EEG-Umlage auf den Strompreis in Höhe von 3,723 Cent je Kilowattstunde entfallen.

  • Einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige in den Steuerklassen I-V bekommen im September 2022 als Zuschuss zum Gehalt eine Energiepreispauschale über 300 Euro (brutto) ausgezahlt. Selbstständige erhalten entsprechend eine Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlung.

  • Wer Wohngeld bezieht, erhält einmalig einen Heizkostenzuschuss über 270 Euro für Einpersonenhaushalte und 350 Euro für Zweipersonenhaushalte. Für jedes weitere Haushaltsmitglied werden 70 Euro gezahlt. Studierende und Auszubildende, die BAföG oder andere staatliche Hilfen beziehen, bekommen 230 Euro. Der Auszahlungszeitpunkt soll in den meisten Fällen spätestens im Oktober liegen. Für die kommende Heizperiode gibt es einen zweiten Heizkostenzuschuss über 415 Euro für Einzelpersonen und 540 Euro für Zweipersonenhaushalte. Jede weitere Person im Haushalt erhält 100 Euro.

  • Mit der Wohngeldreform sollen ab Januar 2023 etwa zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger bezugsberechtigt sein. Das Wohngeld wird eine Klima- und eine Heizkostenkomponente enthalten.

  • Beziehende von Arbeitslosengeld I bekommen eine Einmalzahlung über 100 Euro.

  • Empfänger:innen von Arbeitslosengeld II oder der Grundsicherung im Alter bzw. bei Erwerbsminderung sowie Asylbewerber:innen erhalten einmalig 200 Euro. Zusätzlich gibt es für Familien, die von Armut betroffen sind, pro Kind einen Sofortzuschlag von 20 Euro im Monat. Er wird ebenfalls an Familien, die den Kinderzuschlag erhalten, ausgezahlt.

  • Der Höchstbetrag des Kinderzuschlages wird ab dem 1. Januar. 2023 auf 250 Euro monatlich angehoben.

  • Für jedes Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht, wird ein einmaliger Kinderbonus über 100 Euro ausgezahlt.

  • Das Kindergeld wird zum 1. Januar 2023 für die ersten drei Kinder um 18 Euro auf 237 Euro monatlich erhöht. Die Erhöhung gilt für die Jahre 2023 und 2024.

  • Rentnerinnen und Rentner erhalten im Dezember eine Energiepreispauschale von 300 Euro über die Rentenversicherung.

  • Studentinnen und Studenten sowie Fachschülerinnen und Fachschüler bekommen eine Einmalzahlung von 200 Euro.

  • Die Mehrwertsteuer auf Gas wird befristet bis April 2024 auf 7 Prozent gesenkt.

  • Eine Strompreisbremse soll eine Basisversorgung zu niedrigeren Preisen gewährleisten. Der Verbrauch, der darüber hinaus geht, wird planmäßig den Marktpreis kosten. Um dieses Instrument zu finanzieren, sollen Zufallsgewinne von Stromproduzenten teilweise abgeschöpft werden.

Die Entlastungspakete enthalten darüber hinaus verschiedene andere Maßnahmen zur Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger. Dazu zählt der Abbau der kalten Progression, von dem ab Januar 2023 etwa 48 Millionen steuerpflichtige Bürgerinnen und Bürger profitieren werden. Das 9-Euro-Ticket soll mit einem bundesweiten Nahverkehrsticket für 49 Euro je Monat einen Nachfolger finden.

Wie wird sich die Energielage entwickeln?

Unabhängigkeit von Rohstoffen aus Russland

Neben der finanziellen Entlastung der Bürger:innen strebt die Bundesregierung vor allem mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern an. Besondere Bedeutung kommt hier dem russischen Gas zu, das zunächst anteilig durch Flüssiggas (LNG) ersetzt werden soll. Das erhöht zwar die Versorgungssicherheit, die Preise hierfür liegen aber über denen für Erdgas. Der Vorteil: Flüssiggas kann mit Schiffen transportiert werden, wodurch keine Gas-Pipeline nötig ist.

Die von der Bundesregierung geplanten LNG-Terminals könnten laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in Zukunft bis zu 20 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland decken.

Aktuell besteht die nötige Infrastruktur für die Umwandlung von Flüssig- in Erdgas noch nicht. Die Bundesregierung hat daher den Bau von vier schwimmenden LNG-Anlagen an der Nordseeküste in Auftrag gegeben, von denen zwei bis zum Winter 2022 ans Netz gehen sollen. Ab 2025 sollen die provisorischen, schwimmenden Anlagen durch zwei stationäre LNG-Terminals ersetzt werden.

Gasumlagen und Gaspreisbremse

Weil Russland seine Gaslieferungen an Deutschland stark eingeschränkt hat, müssen die Gasimporteure teuren Ersatz beschaffen, um die Versorgung weiter gewährleisten zu können.

Zur Stabilisierung des Gasmarkts und eine sichere Wärmeversorgung im Herbst und im Winter hat die Bundesregierung ursprünglich eine neue Gasumlage über 2,419 Cent/kWh beschlossen, die vom 1. Oktober 2022 bis 1. April 2024 gelten sollte. Zwei Tage vor ihrer Einführung wurde beschlossen, diese Gasbeschaffungsumlage nicht umzusetzen.

Ersetzt werden soll sie durch eine Gaspreisbremse, die über den Wirtschafts- und Stabilisierungsfond der Bundesregierung finanziert wird. Ähnlich wie bei der Strompreisbremse könnte es dann ein bestimmtes Grundkontingent zu einem gedeckelten Preis geben.

Dennoch kommen ab Oktober drei andere Umlagen zum Tragen:

  • Gasspeicherumlage: Sie beträgt 0,059 Cent/kWh und wird für drei Monate festgelegt.

  • Bilanzierungsumlage: Für Privathaushalte beträgt sie 0,57 Cent/kWh, für Gewerbe- und Industriekunden 0,39 Cent/kWh. Sie wird für 12 Monate festgesetzt.

  • Konvertierungsumlage: Hierfür werden 0,038 Cent/kWh fällig. Die Höhe der Umlage kann nach einem Jahr angepasst werden.

Statt ursprünglich inklusive Gasbeschaffungsumlage geplanter 3,086 Cent/kWh werden nun lediglich 0,667 Cent/kWh für Umlagen erhoben. In einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 25 000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von etwa 167 Euro zzgl. Mehrwertsteuer.

Ausbau erneuerbarer Energien

Auch der Ausbau erneuerbarer Energien und eine Erhöhung der Energieeffizienz stehen auf der Prioritätenliste weit oben. Beides zielt darauf ab, den Druck durch die hohen Preise fossiler Energien abzumildern. Bis zum Jahr 2030 soll der Endenergieverbrauch um 24 Prozent gesenkt werden. Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ausgearbeitete „Arbeitsplan Energieeffizienz“ sieht dafür unter anderem folgende Punkte vor:

  • gezieltere Sanierungsförderungen

  • mehr Anreize für Heizungsoptimierungen und den Einbau von Wärmepumpen

  • verpflichtende Einbindung von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei neu eingebauten Heizungen

  • Einführung einer bundesweit geltenden Solarpflicht auf Neubauten

  • stärkere Vermieterbeteiligung bei der CO2-Abgabe für Wohngebäude mit schlechter Energiebilanz

  • Erhöhung des gesetzlichen Mindesteffizienzstandards im Neubau auf die Effizienzklasse EH 55

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Häufig gestellte Fragen

Wie wird die Gaspreisbremse umgesetzt?

Aktuell diskutiert die Koalition noch über die konkrete Umsetzung. Eine Möglichkeit ist, dass es ein Grundkontingent geben wird, innerhalb dessen ein gedeckelter Gaspreis gilt. Eine Alternative wäre, dass Haushalte 80 Prozent ihres Vorjahresbedarfs zu einem gedeckelten Preis erhalten, wobei eine Obergrenze bei der Subventionierung gelten könnte.

Wird die Mehrwertsteuer auf Gas dauerhaft gesenkt?

Die auf 7 Prozent gesenkte Mehrwertsteuer auf Gas wird zum jetzigen Stand bis April 2024 gelten.

Wann wird die Energiepreispauschale ausgezahlt?

Angestellte sollen die Pauschale mit der Lohnauszahlung im September erhalten. Da der konkrete Zeitpunkt von der Lohnsteueranmeldung des Arbeitgebers abhängt, ist die Auszahlung in manchen Fällen auch erst im Oktober möglich.