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Preise & Prognosen

Entwicklung der Energiepreise: Immer weiter nach oben?

Claudia Mühlbauer
31. Mai 2022

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben sich die Heizölpreise fast verdoppelt.

  • Erdgas ist annähernd 50 Prozent teurer geworden, Strom fast 20 Prozent.

  • Die Bundesregierung hat umfangreiche Maßnahmen beschlossen, um die Belastungen durch die steigenden Energiepreise abzufangen.

Öl und Gas sind fossile Brennstoffe und stehen daher nicht unbegrenzt zur Verfügung. Dass die Verknappung zu einer Verteuerung führt, ist zwangsläufig. Zuletzt sorgte aber vor allem die angespannte Marktlage aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine für rasant steigende Energiepreise. Auch die Strompreise sind betroffen.

Wie stark haben sich die Energiepreise erhöht?

Auf den Energiemärkten herrscht Unsicherheit. Die Versorgungslage ist aktuell zwar gesichert, aber dennoch angespannt. Das macht sich in den Zahlen bemerkbar: Insgesamt haben sich Energieprodukte von April 2021 bis April 2022 um 35,3 Prozent verteuert. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber März 2022. Hier lag der Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat noch bei +39,5 Prozent. Die konkreten Zahlen für Heizöl, Gas und auch Strom sind allerdings noch eindrucksvoller. Im April sah die Teuerung jeweils so aus:

  • Heizöl: +98,6 Prozent
  • Erdgas: +47,5 Prozent
  • Strom: +19,3 Prozent

Die Preisindizes für Öl, Gas und Strom haben sich von Januar 2018 bis April 2022 folgendermaßen entwickelt:

Magazin Preisentwicklung Energie

Ein weiteres Problem: Die Stromerzeugung ist stark abhängig von Erdgas. Erhöhen sich hierfür die Preise, führt das auch zu höheren Stromerzeugerkosten. Kraftwerke mussten im April 2022 für Gas 307 Prozent mehr zahlen als im letzten April. Für Privathaushalte liegt der Strompreis aktuell bei durchschnittlich 37,14 Cent pro Kilowattstunde.

Inflation auf dem Höchststand

Im vereinten Deutschland gab es nie zuvor eine höhere Inflationsrate als heute. Gemessen wird sie als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat. Im April 2022 lag sie bei +7,4 Prozent und löste damit den bisherigen Höchststand von +7,3 Prozent im März ab. Ursache dafür war neben den anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie in erster Linie die Energiepreisentwicklung. Würde die Verteuerung von Energieprodukten herausgerechnet, bliebe eine Inflationsrate von +4,3 Prozent.

CO2-Steuer auf Öl und Gas

Neben den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen wirkt sich auch die CO2-Besteuerung auf die Preise für Öl und Gas aus. Seit ihrer Einführung im Jahr 2021 erhöht sich die Abgabe jährlich um zunächst fünf und ab 2024 um zehn Euro je Tonne CO2:

Im Jahr 2026 soll schließlich ein Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro gelten. Auch wenn sich die Marktlage rund um Öl und Gas entspannen sollte und die Rohstoffpreise wieder auf das Niveau vor dem Angriff auf die Ukraine sinken, wird es in den kommenden Jahren weitere Preissteigerungen geben.

Wie reagiert die Politik?

Die Ampelkoalition hat sich auf ein Entlastungspaket verständigt, dessen erste Maßnahmen bereits ab 01. Juni 2022 greifen. Die Belastung durch steigende Energiepreise im Zuhause soll folgendermaßen gemildert werden:

  • Wer Wohngeld, BAföG, Aufstiegs-BAföG, Berufsausbildungsbeihilfe oder Ausbildungsgeld bezieht, erhält zum 01. Juni 2022 einmalig einen Heizkostenzuschuss. Er beläuft sich auf 270 Euro für Einpersonenhaushalte und 350 Euro für Zweipersonenhaushalte. Für jedes weitere Familienmitglied werden 70 Euro ausgezahlt.

  • Beziehende von Arbeitslosengeld I bekommen im Juli 2022 eine Einmalzahlung über 100 Euro.

  • Empfänger:innen von Arbeitslosengeld II oder der Grundsicherung im Alter bzw. bei Erwerbsminderung sowie Asylbewerber:innen erhalten im Juli 2022 einmalig 200 Euro.

  • Zum 01. Juli 2022 entfällt die EEG-Umlage vorzeitig. Dadurch kann der Strompreis um 3,723 Cent je Kilowattstunde günstiger werden.

  • Einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige in den Steuerklassen I-V bekommen im September 2022 als Zuschuss zum Gehalt eine Energiepreispauschale über 300 Euro ausgezahlt. Selbstständige erhalten entsprechend eine Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlung.

Gut zu wissen:

Das Entlastungspaket enthält darüber hinaus verschiedene andere Maßnahmen zur Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger. Dazu zählen etwa die befristete Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die Einführung des 9-Euro-Tickets im Nahverkehr, die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags und des steuerlichen Grundfreibetrags sowie die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns.

Wie wird sich die Energielage entwickeln?

Unabhängigkeit von Rohstoffen aus Russland

Neben der finanziellen Entlastung der Bürgerinnen und Bürger strebt die Bundesregierung vor allem mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern an. Besondere Bedeutung kommt hier dem russischen Gas zu, das zunächst anteilig durch Flüssiggas (LNG) ersetzt werden soll. Das erhöht zwar die Versorgungssicherheit, die Preise hierfür liegen aber über denen für Erdgas.

Aktuell besteht die nötige Infrastruktur für die Umwandlung von Flüssig- in Erdgas außerdem noch nicht. Die Bundesregierung hat daher den Bau von vier schwimmende LNG-Anlagen an der Nordseeküste in Auftrag gegeben, von denen zwei bis zum Winter 2022 ans Netz gehen sollen. Ab 2025 sollen die provisorischen, schwimmenden Anlagen durch zwei stationäre LNG-Terminals ersetzt werden. Kurzfristig sind dadurch nur geringe Preisrückgänge zu erwarten.

Entwicklung Energiepreise LNG
Flüssiggas kann mit Schiffen transportiert werden, wodurch keine Gas-Pipeline nötig ist.

Ausbau erneuerbarer Energien

Auch der Ausbau erneuerbarer Energien und eine Erhöhung der Energieeffizienz stehen auf der Prioritätenliste weit oben. Beides zielt darauf ab, den Druck durch die hohen Preise fossiler Energien abzumildern. Bis zum Jahr 2030 soll der Endenergieverbrauch um 24 Prozent gesenkt werden. Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ausgearbeitete „Arbeitsplan Energieeffizienz“ sieht dafür unter anderem folgende Punkte vor:

  • gezieltere Sanierungsförderungen

  • mehr Anreize für Heizungsoptimierungen und den Einbau von Wärmepumpen

  • verpflichtende Einbindung von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei neu eingebauten Heizungen

  • bundesweite Solarpflicht auf Neubauten

  • stärkere Vermieterbeteiligung bei der CO2-Abgabe für Wohngebäude mit schlechter Energiebilanz

  • Erhöhung des gesetzlichen Mindesteffizienzstandards im Neubau auf die Effizienzklasse EH 55

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