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Fertighaus, Massivhaus oder Holzhaus:

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Bauweisen?

Jessica Tomala
2. Januar 2023

Der Weg vom anfänglichen Traum bis zum fertigen Haus ist von vielen Entscheidungen geprägt. Noch vor der Wahl der Außenfarbe, der Finanzierung oder der Fliesen im Bad steht die elementarste Frage überhaupt: Für welche Bauweise entscheiden Sie sich? Wir stellen Ihnen die Möglichkeiten vor.

Die Bauweise Fertighaus – beliebt seit dem 19. Jahrhundert

Fertighaus wird zusammengebaut
Fertighäuser eignen sich besonders, wenn Sie schnell zu Ihrem Traumhaus kommen möchten.

Bereits seit 1900, damals erfunden von Gustav Lilienthal, dem Bruder des berühmten Flugzeug-Pioniers Otto Lilienthal, ist das Fertighaus eine bestehende Konstante im deutschen Häuserbau. Anfangs galt der Haustyp Fertighaus als billige Alternative für diejenigen, denen das herkömmliche Massivhaus zu teuer oder zu zeitaufwendig erschien. In den letzten Jahrzehnten hat das Fertighaus allerdings an Beliebtheit gewonnen. Heute ist jeder fünfte Neubau in Deutschland ein Fertighaus und selbst anfängliche Kritiker:innen sehen die Vorteile dieser Bauweise.

Wie der Name schon sagt, wird das Fertighaus in einem Werk vorgefertigt und muss auf dem Baugrundstück nur noch zusammengesetzt werden. Ein großer Vorteil des Fertighauses ist deshalb seine kurze Bauzeit – der Rohbau, der selbstverständlich wasserdicht ist, inklusive Dach steht so schon meist nach zwei Werktagen. Zwischen Vertragsschluss und Einzug liegt oftmals nur ein halbes Jahr.

Mythos Fertighaus: Dünne Wände und keine Keller?

Rund um das Fertighaus kursieren viele Mythen und gefährliches Halbwissen. Oft hört man, dass dünne, kaum belastbare Wände in Fertighäusern verbaut werden. Das stimmt so nicht. Bei der tragenden Wandkonstruktion von Fertighäusern setzen die Hersteller meistens auf Holz. Am häufigsten kommt massives Nadelholz zum Einsatz, das dank seiner Eigenschaften für sichere Stabilität sorgt. In den letzten Jahren hat sich in der Bauweise von Fertighäusern einiges getan. Heutzutage bestehen Wände von Fertighäusern oft aus Ziegeln oder Leichtbeton. Qualitativ unterscheiden sich Fertighäuser und Massivhäuser somit kaum noch.

Oft hört man auch, dass es nicht möglich sei, ein Fertighaus zu unterkellern. Es ist richtig, dass eine Unterkellerung bei vielen Fertighäusern nicht inklusive ist. Dennoch steht Ihnen als Bauherrin oder Bauherr die Option offen, mit einem Kooperationspartner des Anbieters das Fertighaus zu unterkellern. Mit rund 40.000 Euro müssen Sie für einen Keller rechnen, dennoch lohnt sich die Investition in den meisten Fällen. Die dadurch entstehende Fläche kann als Wohnraum, Arbeitszimmer oder Hobbyraum ideal genutzt werden.

Dämmung

Die Dämmung in modernen Fertighäusern ist extrem gut. Viele Fertighäuser sind deshalb Energiesparhäuser, wie beispielsweise Passivhäuser oder Effizienzhäuser. Auf Wunsch lässt sich ein Fertighaus auch zum Plusenergiehaus ausbauen, einem Haus also, das mehr Energie produziert, als es verbraucht.

Individualität statt Massenware

Heutzutage ist so gut wie jedes Fertighaus ein Unikat. Häuser als Massenware gehören längst der Vergangenheit an. Meist werden gewisse Rahmenbedingungen durch den Anbieter vorgegeben. In sogenannten Musterhäusern können sich zukünftige Bauherr:innen ein Bild von ihrem Traumhaus machen. Diese Häuser zeigen einerseits, in welchem Rahmen eine Individualisierung vollzogen werden kann, und dienen andererseits als Inspirationsquelle. Von der Architektur über die Innenausstattung bis hin zum Grundriss – die Möglichkeiten der individuellen Anpassung sind enorm vielfältig.

Vor- und Nachteile von Fertighäusern

Die Bauweise Massivhaus

Die Massivbauweise ist in Deutschland wohl die gängigste Art, ein Haus zu bauen. Neben der individuellen Hausplanung, entweder von der Bauherrin bzw. dem Bauherrn selbst oder in Absprache mit einer Architektin bzw. einem Architekten, punktet das Massivhaus vor allem mit guter Qualität, einem angenehmen Raumklima und einem hohen Wiederverkaufswert. Doch die Massivbauweise hat auch Nachteile. Gerade im Vergleich zum Fertighaus ist die gesamte Bauphase um einiges länger. Die Bauzeit variiert je nach Größe und Ausstattung zwischen fünf und acht Monaten. Gerade die Rohbauphase, die beim Massivhaus durch die Arbeit vor Ort gerne bis zu vier Wochen in Anspruch nehmen kann, zieht die gesamte Bauzeit in die Länge. Zum Vergleich: Der Rohbau eines Fertighauses steht meist schon nach zwei bis drei Tagen. Bei der Dauer des Innenausbaus sowie der Unterkellerung unterscheiden sich die beiden Bauarten allerdings kaum.

Rotes Massivhaus mit Garten
Einer der größten Vorteile des Massivhauses ist die Möglichkeit der individuellen Gestaltung.

Ziegel oder Kalksandstein? Die Materialwahl beim Massivhaus

Als Bauherr:in haben Sie freie Hand beim Grundriss und der Größe, aber auch bei der Wahl der Baumaterialien. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den vier gängigsten Steinen für den Hausbau: Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton und Leichtbaustein. Jeder Steintyp hat Vor- und Nachteile, deshalb ist die Wahl des richtigen Materials durchaus wichtig für den gesamten Hausbau. Der Ziegelstein, der aus Lehm und Ton gebrannt wird, ist der Klassiker, der seit Jahrhunderten Verwendung findet. Dank seiner feuchteregulierenden Eigenschaften und guten Schall- und Wärmedämmung ist er auch heute noch sehr beliebt.

Unterschiede bei Dämmwirkung und Schallschutz

Der Porenbetonstein besteht aus einer Mischung aus Aluminiumpulver, Kalk, Quarzsand und Zement. Das Aluminiumpulver sorgt dafür, dass die Masse aufbläht. Dadurch bilden sich viele kleine Poren. Der Porenbetonstein ist vor allem für seine Dämmwirkung bekannt. Wenn Sie Porenbeton verwenden möchten, müssen Sie allerdings Abstriche beim Schallschutz machen, ganz im Gegenteil zum Kalksandstein. Letzterer ist sehr massiv und schwer, die ideale Voraussetzungen für besten Brand- und Schallschutz. Der Leichtbaustein ist wohl der innovativste der hier aufgeführten Steine. Er verbindet die Eigenschaften verschiedener Materialien miteinander. Der Außenkern besteht aus einer Kombination aus Zement und Blähton beziehungsweise Bims. Im Steininneren befindet sich ein Dämmkern. Der Leichtbaustein liefert so die beste Kombination aus Schall- und Wärmeschutz.

Vor- und Nachteile von Massivhäusern

Die Bauweise Holzhaus

Holzhäuser sind nach wie vor sehr gefragt. Optisch gesehen kommt Holz nie aus der Mode. Ganz egal, ob Sie es lieber rustikal oder modern mögen – das Holzhaus lässt sich je nach Belieben planen und ist zusätzlich relativ günstig, nachhaltig und ökologisch. Grundsätzlich wird zwischen zwei verschiedenen Bauweisen unterschieden: der Rahmenbauweise und der massiven Bauweise. Bei der Rahmenbauweise sorgt ein Ständerwerk aus Holz für die vertikale Aussteifung des Gebäudes. Durch die Beplankung mit Holzplatten wird auch horizontale Stabilität garantiert. Eine Unterart der Rahmenbauweise ist der Holztafelbau. Der Unterschied liegt bei der Anzahl industriell vorgefertigter Teile, die bei dem Holztafelbau deutlich höher ist.

Gerüst eines Holzhauses
Beim Massivbau aus Holz besteht die gesamte tragende Konstruktion aus Holzelementen.

Blockhaus und Holzfassade

Die meisten Fertighäuser in Deutschland setzen auf den Holztafelbau. Der Klassiker ist der Blockhausbau, bei dem große Balken miteinander verschränkt werden, wodurch eine stabile Fassade entsteht. Das bekannte Fachwerkhaus und der Strohballenbau sind ebenfalls Bauvarianten des Holzbaus. Wenn Ihnen die Holzoptik gefällt, Sie aber dennoch auf die Vorteile eines herkömmlichen Massivbaus nicht verzichten wollen, ist die Holzfassade wahrscheinlich die perfekte Mischung. So kann einem aus Stein gebauten Massivhaus der moderne Look eines Holzhauses verliehen werden.

Holz ist nicht gleich Holz – die Materialwahl bei Holzhäusern

Holz ist ein Naturprodukt und unterliegt deshalb strengen Normen. Zudem verhält sich jedes Holz anders. Rahmenbedingungen und Regeln sind somit notwendig, um Holz als Industrieprodukt zu vereinheitlichen. Laut DIN 1052 sind für tragende Zwecke in der Kategorie Nadelhölzer beispielsweise Fichte, Kiefer, Lärche und Douglasie erlaubt. Buche, Eiche, Teak und Merbau sind Beispiele für Laubhölzer, die für tragende Zwecke verbaut werden dürfen. Dennoch muss jedes Holz nochmals auf seine Zulässigkeit überprüft werden. Die Abstände von Jahresringen dürfen beispielsweise nur eine bestimmte Maximalgröße aufweisen und auch die Feuchtigkeit unterliegt strengen Regeln.

Vor- und Nachteile von Holzhäusern

Welche Bauweise passt zu mir?

Selbstverständlich sind die hier angegebenen Werte reine Richtlinien. Je nach Größe, Lage und Auswahl der Materialien variieren die Preise und die Bauzeit.

Vorschriften beim Hausbau: Das Gebäudenergiegesetz (GEG)

Neu gebaute Häuser, ganz egal, ob Fertig-, Massiv- oder Holzhaus, müssen gewisse Energievorschriften erfüllen, um rechtmäßig zugelassen zu werden. Seit November 2020 sind im Gebäudeenergiegesetz (GEG) alle energetischen Anforderungen für beheizte und klimatisierte Gebäude zusammengetragen worden. Grund hierfür ist das Bestreben der Bundesregierung, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland zu haben. Es gilt also, die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid zu kompensieren beziehungsweise vollständig zu vermeiden. Das GEG schreibt eine Reihe von Pflichten, beispielsweise die Wärmedämmung für Dachböden, vor. Bei Verstößen drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro. Zudem ist vorgeschrieben, dass die bevorzugte Stromeinspeisung aus erneuerbaren Quellen erfolgen muss. Ist der Hausbau also vielleicht die richtige Zeit, um über eine Solaranlage nachzudenken?

Förderungsmittel für den Hausbau

Ganz egal, für welche Bauweise Sie sich letzten Endes entscheiden, eine solide Baufinanzierung in Kombination mit Förderungsmitteln sind die finanziellen Grundsteine bei jedem Häuserbau. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet einen zinsgünstigen Kredit für den Hausbau, aber auch für den Kauf einer bestehenden Immobilie. Mit dem Wohngebäude-Kredit 261 erhalten Sie je nach Effizienhaus-Standard ein Darlehensbetrag von bis zu 150.000 Euro.

Doch auch Bundesländer, Kommunen oder die Kirche fördern das Bauen eines Eigenheims. Die Kriterien, wann Sie von einer Förderung profitieren, sind unterschiedlich und müssen je nach Fall begutachtet werden. Auch wenn es eine Zeit braucht, sich durch die Förderungsprogramme zu lesen – für jeden Hausbau gibt es mit Sicherheit die richtige Förderung.

Baukindergeld gestoppt

Seit dem 1. Januar 2023 stehen keine Fördermittel für das Baukindergeld mehr zur Verfügung. Laufende Anträge werden weiterhin bearbeitet. Die Auszahlung erfolgt, wenn die entsprechenden Nachweise eingereicht und alle Voraussetzungen für die Förderung erfüllt wurden. Die Bearbeitungszeit für die Prüfung der Dokumente liegt aktuell bei sechs bis acht Wochen.

Fertig-, Massiv- oder Holzhaus – Die Kosten im Überblick

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