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9 Energiespar-Mythen im Faktencheck

Lina Strauss, Online-Redakteurin bei Aroundhome
Lina Strauss
13. Oktober 2022

Mythen über den Energieverbrauch im Haushalt halten sich besonders hartnäckig. Das Tückische daran: Verbraucher:innen, die ihre alten Gewohnheiten überdenken wollen, sind irritiert und wissen nicht, was nun richtig ist. Das sorgt dafür, dass immer noch falsches Verhalten beim Heizen, Waschen oder Kochen verbreitet ist und das Einsparpotenzial privater Haushalte längst nicht ausgeschöpft wird. Ein gründlicher Faktencheck von Energiespar-Mythen hilft dabei, Unwahrheiten auszumerzen und klare Handelsempfehlungen zu bekommen.

Energiespar-Mythos 1: „Einzelmaßnahmen bewirken beim Energiesparen nichts.“

Ist es wirklich so wichtig, ob das Thermostat in einem einzelnen Haushalt auf fünf oder auf drei steht oder wie lange die Dusche läuft? Fällt der Energieverbrauch von Industrie und Unternehmen nicht viel mehr ins Gewicht? Es mag schwer vorstellbar sein, doch Fakt ist: Vom gesamten Energieverbrauch Deutschlands beträgt der Anteil von privaten Haushalten 28 Prozent laut dem Datenreport 2021 des Statistischen Bundesamtes. Damit ist er in etwa so groß wie der der Industrie (28,5 Prozent) und des Verkehrs (27,2 Prozent) und sogar größer als der des Gewerbesektors (15,7 Prozent).

Es zählen schon kleine Maßnahmen im Alltag

Viele unterschätzen somit immer noch das Potenzial, das die richtigen Energiesparmaßnahmen haben. Dabei sei es nicht nur wichtig, dass man groß denkt und zum Beispiel als Eigentümer:in eine Komplettsanierung angeht, wie Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online, uns im Interview mitteilt. Ebenso wichtig sei es, das eigene Verhalten zu reflektieren und Sparmöglichkeiten beim täglichen Energieverbrauch zu nutzen.

Grafik Energieverbrauch nach Sektoren

Dass Umdenken und neue, energiesparende Gewohnheiten einen entscheidenden Einfluss auf den gesamten Energieverbrauch haben, zeigen jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach lagen CO2-Emissionen, die private Haushalte im Bereich Wohnen verursachen, im Jahr 2019 bei 219 Millionen Tonnen – 14 Prozent weniger als im Jahr 2000. Ebenso zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend zur Nutzung erneuerbarer Energien bei Eigenheimbesitzer:innen.

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Energiespar-Mythos 2: „ECO-Programme sind nicht energiesparender, weil sie länger laufen.“

Dieser Mythos hält sich hartnäckig, ist aber falsch! Denn Geräte wie Waschmaschinen brauchen am meisten Energie für das Aufwärmen des Wassers. Eco-Programme laufen zwar länger, sind aber dennoch energiesparender, da sie das Wasser auf geringere Temperaturen als die Standardprogramme erwärmen. Stiftung Warentest hat die Leistung und den Energieverbrauch von Waschmaschinen ausgiebig getestet. Bei einem normalen Verschmutzungsgrad der Wäsche erreicht man demnach mit modernen Waschmitteln und Waschmaschinenmodellen auch bei 30 oder 40 Grad hygienische Ergebnisse. Lediglich bei stark verschmutzter Wäsche oder Textilien, die mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sind, sollten Sie mit mindestens 60 Grad waschen. Entscheidend für einen geringen Energieverbrauch beim Waschen ist:

  • Verzichten Sie auf Vorwäsche, da normale und Öko-Programme die Wäsche meist auch so rein bekommen.
  • Füllen Sie die Trommel nicht nur halb voll. Eine Füllung von knapp 90 Prozent ist ideal.
  • Halten Sie sich beim Dosieren des Waschmittels an die Herstellerangaben in Bezug auf Ihren Wasserhärtegrad.
  • Wählen Sie eine möglichst niedrige Temperatur, denn bei normaler Verschmutzung reichen 30 oder sogar 20 Grad.
  • Im Sommer verbraucht es quasi keine Energie, die Wäsche auf dem Wäscheständer an der frischen Luft zu trocknen. Im Winter muss dagegen oft zusätzlich geheizt werden, wenn Wäsche in der Wohnung trocknet. Dann kann der Einsatz eines Trockners energieeffizienter sein.
  • Wenn Sie einen Trocknen benutzen, schleudern Sie die Wäsche vorher beim Waschen so trocken wie möglich (Schleuderzahl 1.400 bis 1.600 Umdrehungen pro Minute).

Energiespar-Mythos 3: „Das Erhitzen im Wasserkocher ist effizienter als im Kochtopf.“

Das stimmt! Die schweizerische Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E. hat die Energieeffizienz von Kochmethoden untersucht. Bereits einfache Maßnahmen wie ‚Deckel drauf’, ‚nicht zu große Herdplatten wählen’ oder ‚möglichst wenig Wasser verwenden’, bringen bereits deutliche Energieeinsparungen. Als besonders energieeffizient erwies sich beim Kochen der Gebrauch von Isolierpfanne oder Dampfkochtopf.

Auch rund ums Thema Backen kursieren einige falsche Annahmen. Energiesparend backen gelingt folgendermaßen:

  • Verzichten Sie aufs Vorheizen.
  • Schalten Sie den Backofen zehn Minuten eher aus, um die Restwärme zu nutzen.
  • Backen Sie mit Umluft. Das spart etwa 15 Prozent Energie im Vergleich zu Ober- und Unterhitze.

Energiespar-Mythos 4: „Ein voller Kühlschrank verbraucht mehr Energie als ein leerer.“

Hinter diesem Mythos liegt die Vermutung, dass ein Gerät mit wenig Inhalt auch nur wenig zu kühlen hat. Doch diese Annahme ist falsch. Denn die Lebensmittel, die sich im Kühlschrank befinden, speichern die Kälte. Nicht die Lebensmittel und Getränke zu kühlen, verbraucht demnach viel Energie. Es ist vor allem die Luft im Kühlschrank, die heruntergekühlt werden muss. Wenn der Kühlschrank also gut gefüllt ist, ist das Luftvolumen geringer und somit muss weniger Energie aufgewendet werden. Um noch mehr Energie beim Kühlen zu sparen, helfen die folgenden Tipps:

  • Stellen Sie die Temperatur richtig ein. Im Kühlschrank genügen 7 Grad, im Gefrierschrank sind Minus 18 Grad optimal.
  • Wenn Sie zum Beispiel nach dem Einkaufen den Kühlschrank einräumen, öffnen Sie die Türen immer nur kurz, anstatt sie einmal lange aufzuhalten.
  • Lassen Sie Speisen erst komplett abkühlen, bevor Sie sie in den Kühlschrank räumen.
  • Die Verbraucherzentrale empfiehlt, den Kühl- oder Gefrierschrank abzutauen, sobald sich Eis bildet. Denn schon 1 Zentimeter Eis kann den Stromverbrauch um 10 bis 15 Prozent steigern.

Energiespar-Mythos 5: „Geschirr von Hand zu waschen ist sparsamer als ein Geschirrspüler.“

Erstaunlicherweise ist dieser Mythos falsch. Beim richtigen Gebrauch reichen nämlich bereits 10 Liter Wasser, um eine volle Spülmaschinenladung sauber zu kriegen. Das schafft bei der gleichen Menge Geschirr und Wasser keine Handwäsche. Allerdings weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass diese Rechnung nur aufgeht, wenn einige Grundregeln bei der Spülmaschinennutzung beachtet werden. So nutzen Sie Ihre Geschirrspülmaschine energieeffizient:

  • Achten Sie schon beim Kauf einer Spülmaschine auf ein möglichst gutes Energielabel.
  • Räumen Sie Ihre Spülmaschine möglichst voll, um Wasser und Energie zu sparen.
  • Nutzen Sie das Eco- oder Sparprogramm beim normalen Verschmutzungsgrad.
  • Bei starker Verschmutzung kratzen Sie Speisereste zunächst mit Besteck ab und nutzen Sie dann einen Spülgang mit höheren Temperaturen.
  • Achten Sie auf die korrekte Dosierung von Reiniger, Klarspüler und Spezialsalz. Eine Überdosierung bringt kein besseres Spülergebnis, sondern belastet die Umwelt.

Energiespar-Mythos 6: „Neukaufen statt reparieren lohnt sich mehr.“

Bei diesem Mythos kommt es auf das Gerät und dessen Zustand an. Bei Waschmaschinen, Kaffeevollautomaten und Geschirrspülern ist es oft ökologisch sinnvoller, ältere Geräte zu reparieren, bevor direkt neuer Ersatz angeschafft wird. Laut Stiftung Warentest verursacht die Herstellung dieser Geräte nämlich eine große Umweltbelastung. So kann ein Haushalt etwa ein Viertel Energie und andere Ressourcen einsparen, wenn er zum Beispiel ein Gerät in 15 Jahren viermal repariert, anstatt ein neues Modell zu kaufen.

Bei älteren Staubsaugern und Geräten, die länger als 15 Jahre in Benutzung sind, lohnt sich eine Reparatur dagegen in den wenigsten Fällen. Hier ist eine Neuanschaffung nicht nur aufgrund der oft besseren Energieeffizienzklasse und sparsamen Öko-Programmen sinnvoll. Auch aufgrund der Abnutzung der Dichtungen zum Beispiel bei alten Kühl- und Gefrierschränken muss wesentlich mehr Energie verbraucht werden, um die einweichende warme Luft zu kühlen.

Energiespar-Mythos Reparieren von Waschmaschinen lohnt sich nicht
Eine regelmäßige Wartung kann Reparaturen vorbeugen.

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Geräte müssen beim ersten Defekt nicht direkt ausgetauscht werden. Oft lassen sich kleine Reparaturen auch von Laien ganz einfach selbst durchführen. Die entsprechenden Anleitungen für viele Geräte finden Sie im Internet. Wer doch Hilfe benötigt, findet zum Beispiel beim Netzwerk Reparatur-Initiativen Reparturcafés in der Nähe.

Energiespar-Mythos 7: „Elektrogeräte ziehen weiter Strom, obwohl Sie nicht benutzt werden.“

Dieser Mythos ist wahr. Viele Geräte laufen im Standby-Modus weiter, wenn sie nicht vom Strom getrennt werden. Dabei sind laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Informations- und Unterhaltunsgeräte wie TV- und Audio-Systeme die größten Energiefresser in privaten Haushalten. Auch Ladegeräte ziehen weiterhin Strom, wenn sie unbenutzt in der Steckdose stecken bleiben. Inzwischen gibt es Verbrauchertipps, die mit Fachfirmen zusammen entwickelt wurden, wie man sich richtig verhält, um dieser Energieverschwendung Einhalt zu gebieten:

  • Verwenden Sie für Elektrogeräte wie Fernseher, Stereoanlage und PC ausschaltbare Steckdosenleisten.
  • Trennen Sie Ladegeräte nach Gebrauch vom Strom.
  • Schalten Sie Ihren Router nachts aus. Wenn Sie den Router nicht vom Netz nehmen wollen, können Sie bei den Einstellungen stattdessen eine Zeitsteuerung aktivieren, die nachts das WLAN ausschaltet.
  • Achten Sie bei Neuanschaffungen auf die Energieeffizienz und, wenn Sie möchten, auf smarte Funktionen, um Energie zu sparen.
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Energiespar-Mythos 8: „Die Heizung sollte beim Verlassen der Wohnung ausgeschaltet werden.“

Dieser Mythos übers Heizen ist falsch. Denn wenn Sie Ihre Heizung komplett ausschalten, sobald Sie nicht mehr zu Hause sind, muss anschließend umso mehr Zeit und Energie aufgewendet werden, um alle ausgekühlten Räume wieder aufzuheizen. Alexander Steinfeldt von co2online ist eindeutig: „Wir empfehlen nicht, die Heizung komplett auszuschalten, denn das häufige An- und Ausschalten tut der Heizung nicht gut. Sie verschleißt dann schneller und muss früher ausgetauscht werden.“ Richtig ist es, bei Abwesenheit die Temperatur auf ca. 16 Grad zu drosseln.

Beim Heizen liegt das größte Einsparpotenzial: Laut Statistischem Bundesamt werden um die 70 Prozent des Energieverbrauchs privater Haushalte für den Bereich Raumwärme aufgewendet. Oft lohnt sich daher eine Investition in die Gebäudedämmung. Doch hier herrscht immer noch der Mythos, dass eine nachträgliche Dämmung das Risiko von Schimmelbildung erhöht. Dazu gibt der Energieefizienz-Experte Hendrik Hirschelmann Entwarnung: Bei fachgerechter Planung und Durchführung der Dämmung ist selbst beim Altbau nicht mit Schimmel zu rechnen.

Energiespar-Mythos 9: „Solaranlagen sind teuer und lohnen sich beim deutschen Klima nicht.“

Dieser Mythos ist laut Christopher Döring, Energie- und Solarexperte von Energiekonzepte Deutschland, längst überholt. Denn angesichts der aktuellen Strompreise und Zukunftsaussichten habe sich eine Photovoltaikanlage in Deutschland noch nie so rentiert wie heute – Regentage hin oder her. Zum wirtschaftlichen Betrieb einer Photovoltaikanlage ist dank der heutigen Technik und dem Einsatz von Stromspeichern nicht immer zwingend direktes Sonnenlicht erforderlich.

„Auch wenn es wolkenverhangen, neblig oder diesig ist – eine Photovoltaikanlage kann auch mit Schwachlicht Strom produzieren. Auch wenn im Herbst oder Winter die Dämmerung früher anfängt, nimmt zwar die Leistung der Photovoltaikanlage etwas ab, aber es muss nicht immer jeden Tag die Sonne scheinen“, so Döring.

Sogar beim Thema Ausrichtung des Daches hat die Weiterentwicklung der Photovoltaiktechnik zu mehr Flexibilität geführt. So ist eine Südausrichtung kein Muss mehr, sondern es lassen sich auch mit anderen Dachausrichtungen gute Erträge erzielen.

Dass sich Energiespar-Mythen so hartnäckig halten können, liegt unter anderem an einer verzerrten Kosten-Nutzen-Wahrnehmung. Laut verhaltenswissenschaftlicher Forschung scheitern Investitionen in aufwändigere Energiesparmaßnahmen oft daran, dass die aktuellen Kosten (zum Beispiel Investition in eine Solaranlage) fokussiert und überschätzt werden, während der Nutzen bzw. die Ersparnis in der Zukunft unterschätzt werden. Oft hilft es Verbraucher:innen, das mögliche Einsparpotenzial an konkreten Zahlen durchzurechnen.

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