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Was Sie über die Kerndämmung wissen sollten

Claudia Mühlbauer
27. Juni 2022

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Kerndämmung eignet sich für Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk und schwer zugänglichen Hohlräumen.

  • Im Neubau kann die Dämmungsart von Beginn an eingeplant werden.

  • Für eine Kerndämmung werden unterschiedliche Materialien im Alt- und Neubau verwendet.

  • Auch Keller-, Geschossdecken- und Dachstuhldämmungen lassen sich auf diese Weise realisieren.

Bei einer Kerndämmung oder Hohlraumdämmung bringen Sie das Dämmmaterial weder von innen noch von außen an der Fassade des Gebäudes an. Stattdessen werden die Hohlräume der Bauteile mit Dämmstoffen ausgestattet. Wir zeigen Ihnen, wann sich diese Dämmungsart eignet und welche Unterschiede es im Alt- und Neubau gibt.

Wo wird eine Kerndämmung eingesetzt?

Die Kerndämmung ist eine Alternative zur Außen- und Innendämmung von Fassaden. Sie eignet sich sowohl für Neubauten als auch für Altbauten zur nachträglichen Dämmung. Voraussetzung dafür ist, dass sich in den Bauteilen genügend Hohlräume befinden, in die das Dämmmaterial eingebracht werden kann.

  • Neubau: Bei der Neuerrichtung von Gebäuden gestaltet sich die Kerndämmung äußerst einfach, denn die Hohlräume liegen während des Baus noch offen. Dadurch können verschiedene Dämmstoffe zur Anwendung kommen.

  • Altbau: Bei bereits bestehenden Bauten sind die Möglichkeiten eingeschränkter. Altbauten haben meist zweischalige Wände, die mit einer Kerndämmung versehen werden können. Die Hohlräume sind allerdings nur schwer zugänglich.

Grafik: Dämmung in Neu- und Altbau
Unterschiede der Kerndämmung bei Neu- und Altbauwänden

Gut zu wissen:

Nur zweischaliges Mauerwerk kann mit einer Kerndämmung versehen werden. Bei einschaligem Aufbau muss eine zweite Schale gemauert werden bzw. eine vorgehängte Betonplatte vorhanden sein, damit Kerndämmplatten verbaut werden können. Eine Alternative dazu wäre die Anbringung eines Wärmedämmverbundsystems.

Materialien für die Kerndämmung

Wie bei der Innen- und Außendämmung gibt es auch bei der Kerndämmung unterschiedliche Wege zur Realisierung. Sie unterscheiden sich unter anderem in den Dämmmaterialien, die verwendet werden.

Kerndämmung bei Neubauten

Beim Neubau werden Dämmplatten oder entsprechende Matten an der Innenschale der Mauer angebracht. Auf der Kerndämmung, die zum Beispiel aus Mineralwolle oder EPS besteht, wird dann die Außenschale angebracht. Andere Materialien, die infrage kommen, sind zum Beispiel:

  • Polyurethan-Hartschaumstoffplatten (PUR)

  • Polyisocyanurat-Hartschaumstoffplatten (PIR)

  • Extrudierter Polystyrol-Hartschaum (XPS)

Dämmmaterialien im Überblick
Die Dämmung besteht aus Mineralfasern wie Glas- und Steinwolle oder aus verschiedenen Hartschaumstoffen.

Kerndämmung bei Altbauten

In Altbauten sind die Hohlräume meist nur schwer oder gar nicht zugänglich. Aus diesem Grund sind hier andere Verfahren nötig. Einerseits kann der Dämmstoff als Schaum zwischen Innen- und Außenschale der Mauer gespritzt werden, wo er aushärtet. Andererseits ist es möglich, die Kerndämmung als sogenannte Einblasdämmung durchzuführen. Dafür müssen Löcher in die Außenwand gebohrt werden, durch die rieselfähige Granulate oder Faserdämmstoffe eingeblasen werden. Materialien, die dafür infrage kommen, sind etwa folgende:

  • Blähperlite

  • Aerogel

  • Expandiertes Polystyrol-Granulat (EPS-Granulat)

  • Flocken aus Glas- oder Steinwolle

Wichtig:

Sowohl Dämmplatten als auch Einblasdämmung müssen hydrophob, also wasserabweisend sein. Dadurch wird verhindert, dass Feuchtigkeit aus der Außenschale der Mauer an die innere Schale weitergeleitet werden kann.

Wo eignet sich eine Kerndämmung außerdem?

Fassaden sind nicht die einzigen Gebäudeteile, die mit einer Kerndämmung ausgestattet werden können. Dieses Dämmverfahren eignet sich außerdem für Kellerdecken und Geschossdecken. Bei Holzdecken befindet sich dort meist ein ungedämmter Hohlraum, der mit Einblasdämmstoffen versehen werden kann. Bei Betondecken kann ein Zwischenraum auch nachträglich geschaffen werden, etwa durch eine Konstruktion aus OSB-Platten.

Dämmstoff Wärmedämmung Kerndämmung
Dämmplatten und -matten werden nur eingesetzt, wenn die Hohlräume gut erreichbar sind.

Auch ein Dachstuhl kann kerngedämmt werden, nämlich in Form einer Zwischensparrendämmung. Damit ausreichend Dämmmaterial angebracht werden kann, ist es unter Umständen nötig, zusätzliche Holzlatten über den Sparren anzubringen. Bei Flachdächern befindet sich zwischen der Dachhaut und der Geschossdecke oft eine relativ große Luftschicht. Auch sie kann mit einer Kerndämmung aufgefüllt werden, wobei eine Restluftschicht freigelassen wird.

Gesetzliche Vorgaben beachten

Durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist vorgegeben, dass Außenbauteile wie Außenwände und Dachflächen einen U-Wert von höchstens 0,24 W/m²k haben dürfen. Darauf müssen Sie zum Beispiel achten, wenn Sie mindestens zehn Prozent Ihrer Fassade sanieren, denn dann ist auch das Anbringen einer Fassadendämmung vorgeschrieben. Bei der Wärmedämmung von Kellern müssen Sie einen Wert von 0,30 W/m²K erreichen.

Vor- & Nachteile der Kerndämmung

Zweischaliges Mauerwerk mit einer Kerndämmung auszustatten, hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile sollten Sie beachten:

Worauf ist bei der Kerndämmung zu achten?

Wärmebrücken

Bei einem zweischaligen Mauerwerk existieren immer Verbindungen zwischen innerer und äußerer Schale. Durch diese Verbindungen können Wärmebrücken mit einer Einblasdämmung kaum verhindert werden. Es ist schwierig, diese spezifischen Stellen mit Dämmmaterial aufzufüllen und den daraus entstehenden Wärmeverlust zu unterbinden.

Wärmebrücken Wärmedämmung Kerndämmung
Wärmebrücken können durch eine nachträgliche Einblasdämmung nicht beseitigt werden.

Das GEG räumt bei der Einblasdämmung etwas Spielraum ein, wenn solche Wärmebrücken vorhanden sind. Trotzdem sollten Sie auf eine möglichst lückenlose Dämmung achten und verbleibende Wärmebrücken eventuell zusätzlich dämmen. Überlassen Sie die Arbeit unbedingt einem Fachbetrieb, der die Entstehung von Wärmebrücken bestmöglich verhindern kann und für eine effiziente Wärmedämmung sorgt.

Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung

Nur eine nicht fachgerecht vorgenommene Hohlraumdämmung kann Feuchtigkeits- und Schimmelbildung verursachen. Korrekt ausgeführt, hat die Dämmung sogar einen gegenteiligen Effekt. Der Dämmstoff, der verwendet wird, sollte im richtigen Maß diffusionsoffen und dampfdicht sein. Dafür sollte im Vorfeld eine Feuchteschutzberechnung durchgeführt werden.

Befindet sich zum Beispiel bereits viel Feuchtigkeit in der Wand und Sie blasen Zellulose in den Hohlraum, würde das zu Verklumpungen im Material führen. Weil der Stoff dann Feuchtigkeit aufnimmt, würde das auch die Bildung von Schimmel begünstigen.

Was kostet eine Kerndämmung?

Was eine Kern- oder Hohlraumdämmung kostet, hängt davon ab, an welchem Gebäudeteil sie angebracht werden soll. Kerndämmplatten sind bereits ab etwa fünf Euro je Quadratmeter zu bekommen. Soll die Kerndämmung nachträglich im Altbau stattfinden, kostet Sie das je nach Gebäudeteil durchschnittlich 1.200 bis 5.000 Euro.

Staatliche Förderungen nutzen

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bieten Förderungen für eine Kerndämmung an. Damit Sie sich für eine Förderung qualifizieren, müssen Sie die vorgeschriebenen Dämmwerte aus dem GEG allerdings noch übertreffen. Welche U-Werte zu erreichen sind und wie die Förderprogramme ausgestaltet sind, erfahren Sie in unserer Übersicht aktueller Fassadenförderungen.