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Weniger Wärmepumpen, mehr Ölheizungen

Heizungsverband legt schwierige Absatzzahlen von Heizungen offen

07.05.2024, 18:15 Uhr

2 min

Lina Strauss

Im ersten Quartal 2024 wurden laut Zahlen des Heizungsverbands 29 Prozent weniger Heizungen verkauft. Nur der Absatz von Ölheizungen stieg.

Heizungssystem im Keller mit Heizungsrohren und Messeinrichtung für Temperatur

Auf dem deutschen Markt ist die Nachfrage nach Heizungen deutlich zurückgegangen. Wie der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) mitteilte, ist der Absatz im ersten Quartal um durchschnittlich 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dabei verzeichneten alle Heizungssegmente Absatzeinbrüche – mit Ausnahme von Ölheizungen. Heizungsverbände sehen angesichts dieser Zahlen den Erfolg der Wärmewende in Gefahr. Sie fordern politische Maßnahmen, um die Verunsicherung von Verbraucher:innen zu verringern, die nach der Debatte um das Heizungsgesetz letztes Jahr stieg.

Absatz geht bei allen Heizungen außer Ölheizungen zurück

Laut den Zahlen des BDH verkauften Heizungshersteller in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur 217.500 Anlagen. Das sind rund ein Drittel weniger Geräte als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2023. Mit einem Absatzeinbruch von bis zu 56 Prozent waren auch Systemkomponenten wie Fußbodenheizungen oder Heizkörper besonders stark betroffen. Solarthermie verzeichnete sogar ein Minus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Lediglich Ölheizungen erlebten einen Anstieg um 27 Prozent auf 27.500 verkaufte Anlagen.

Mit Sorge registrierte der BDH den Einbruch bei Wärmepumpen um 52 Prozent. Mit nur 46.000 verkauften Geräten hat sich der Absatz innerhalb eines Jahres mehr als halbiert; 2023 waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 96.500 verkaufte Wärmepumpen. Damit wird die Realisierung des Ziels der Bundesregierung von 500.000 verkauften Wärmepumpen in diesem Jahr immer unwahrscheinlicher. „Wenn wir Glück haben, schaffen wir vielleicht zwischen 180.000 und 200.000 Geräte“, teilte Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der Markt spiegelt die Verunsicherung bei Verbraucher:innen wider

Der BDH schätzt die aktuelle Marktentwicklung als einen Rückschlag für die Wärmewende insgesamt ein. „Der Markt für Heizungsmodernisierung ist aktuell geprägt von einer tiefen Verunsicherung der Verbraucher“, sagte BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt. Er erläutert die Gründe für die schwierige Marktsituation wie folgt:

„Vor allem hat die langwierige und öffentliche politische Debatte um den gesetzlichen Rahmen und die Förderung in der Gebäudewärme dafür gesorgt, dass bei den Menschen Vertrauen verloren gegangen ist. Zudem ist noch zu wenig bekannt, welche technischen Möglichkeiten das GEG jetzt bietet und wie Heizungen gefördert werden.“

Jannis Mischke, Energie-Experte bei Aroundhome, erklärt die Zurückhaltung der Verbraucher:innen folgendermaßen: 

„Im Zuge der langwierigen Heizungsdebatte hat sich zum einen das Image von Wärmepumpen verschlechtert, zum anderen erscheint die neue Förderung noch zu komplex. Ein Problem ist auch der stark gesunkene Gaspreis, durch den fossile Heizungen aktuell immer noch günstiger erscheinen als die umweltfreundlichen Alternativen.“

Verbände fordern mehr Förderung und Informationskampagnen

Angesichts der ernüchternden Absatzzahlen fordern die Heizungsverbände nun eine weitere Erhöhung der Heizungsförderung auf 45.000 Euro sowie die Erhöhung des Klima-Geschwindigkeitsbonus auf 30 Prozent. Außerdem empfehlen sie eine Absenkung der Stromsteuer für Wärmepumpen. Vor allem aber müsse laut BDH und ZVSHK eine breit angelegte Kommunikationskampagne gestartet werden. Damit könnten Verbraucher:innen mit den nötigen Informationen versorgt werden, um das Vertrauen in die Heizungsmodernisierung wieder zu stärken.

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Lina Strauss, Online-Redakteurin
Lina Strauss
Lina Strauss ist seit über einem Jahr bei Aroundhome und hilft unseren Leser:innen mit ihren Artikeln dabei, die wichtigsten Infos zu allen Themen rund ums Haus auf einen Blick zu finden. Ihr Interesse liegt vor allem bei zukunftsweisenden Themen aus dem Energie- und Immobiliensektor.
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