Wenn der Strom ausfällt: So sollen Pflegeheime besser geschützt werden
Der tagelange Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres traf auch Pflegeheime. Das befördert Diskussionen um bessere Standards und Vorsorge im Krisenfall.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert eine gesetzliche Pflicht zur Notstromversorgung in Pflegeeinrichtungen, um Pflegebedürftige bei Blackouts besser zu schützen. Anlass war ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar. In der Folge waren etwa 45.000 Haushalte sowie Krankenhäuser und Pflegeheime teils mehrere Tage ohne Strom. Zwei Pflegeeinrichtungen mussten evakuiert werden.
Der Stiftung zufolge sollten die rund 16.000 Pflegeheime in Deutschland verpflichtet werden, für mindestens 24 Stunden eine eigene Stromversorgung vorzuhalten. Diese Zeitspanne sei notwendig, damit Katastrophenschutzorganisationen oder die Bundeswehr im Ernstfall eine externe Stromversorgung aufbauen können. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sprach sich zudem für einen milliardenschweren Krisenresilienz-Fonds aus, um die stationäre Pflege insgesamt widerstandsfähiger zu machen.
Vergleichbare Standards wie in Krankenhäusern gefordert
Kritik übte Brysch auch an den unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben für Krankenhäuser und Pflegeheime. Während Kliniken bereits strengere Anforderungen an die Notstromversorgung erfüllen müssen, seien Pflegeeinrichtungen bislang deutlich schlechter abgesichert. Aus Sicht des Patientenschutzes sei das nicht akzeptabel, da sich sowohl Patienten als auch Pflegebedürftige im Notfall nicht selbst in Sicherheit bringen könnten. Bund und Länder seien daher gefordert, Pflegeheime und Krankenhäuser rechtlich gleichzustellen.
Zwar haben viele Pflegeheime Notstromaggregate, doch diese gewährleisten den Betrieb meist nur für kurze Zeit. Eine eigenständige, längerfristige Energieversorgung ist hingegen selten. Ein längerer Stromausfall habe jedoch weitreichende Folgen, betonte Brysch. In Pflegeeinrichtungen falle nicht nur die Heizung aus, auch die gesamte Sicherheitsarchitektur eines Gebäudes breche zusammen.
Vor diesem Hintergrund forderte er weiterhin einen Blackout-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus. Dabei solle unter anderem geklärt werden, warum das Stromnetz der Hauptstadt so anfällig sei und ob sowie zu welchem Zeitpunkt Unterstützung aus dem Ausland, etwa in Form von Stromaggregaten, angefordert wurde.