Alternativ heizen: Welche Möglichkeiten gibt es ohne Gas und Öl?
Umweltschädlich und zu teuer: Fossile Brennstoffe wie Öl und Gas stehen wegen ihrer Klimabilanz und steigender Energiekosten in der Kritik. In vielen Köpfen findet deshalb ein Umdenken statt und Alternativen werden gesucht. Wie können Sie zukunftssicher und klimafreundlich heizen? Wir stellen Ihnen Heizungssysteme vor, die auf erneuerbare Energien setzen.
Alternative heizen: Warum lohnt sich das?
Die Energiepreise sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen und noch immer einer der größten Faktoren der hohen Inflation. Während Lieferengpässe bei fossilen Brennstoffen infolge des Ukraine-Kriegs die Versorgungssicherheit in den Fokus rückten, sorgt die aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung für neue Rahmenbedingungen im Heizungskeller.
Nach dem neuesten Eckpunktepapier der Koalition von Ende Februar 2026 soll die bisherige 65-Prozent-Regel für neue Heizungen gekippt werden. Um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudestands bis 2045 zu erreichen, soll stattdessen folgendes gelten:
Wer ab dem 1. Januar 2029 eine fossile Heizung betreibt, muss einen zunehmenden Anteil CO2-neutraler Brennstoffe nutzen. Dieser Anteil startet 2029 bei 10 Prozent (z. B. durch Biomethan oder synthetische Treibstoffe).
Die weiteren Steigerungen der Bio-Quote werden gesetzlich in drei Schritten festgelegt. Im Jahr 2030 erfolgt eine erste Bilanz, ob der Gebäudesektor seine Klimaziele erreicht. Sind die Emissionen bis dahin zu hoch sein, behält sich die Regierung Nachbesserungen vor.
Wichtig: Diese Regelungen sind bisher noch nicht gesetzlich festgeschrieben. Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz soll im Frühjahr fertig sein.
Trotz der neuen Flexibilität bleibt der Umstieg auf eine Wärmepumpe oder andere erneuerbare Systeme attraktiv: Sie profitieren weiterhin von staatlichen Förderungen von bis zu 70 Prozent und machen sich dauerhaft unabhängig von der Preisentwicklung fossiler Brennstoffe und den kommenden Pflichtquoten.
Umweltfreundliche Heizung: Welche Möglichkeiten gibt es?
Heizen ohne Gas und Öl ist heutzutage kein Problem mehr. Es gibt verschiedene moderne Heizungssysteme, die erneuerbare Energien nutzen. Wir stellen Ihnen die einzelnen Heizalternativen vor. Dazu zählen:
Wärmepumpe
Wärmepumpen machen sich die Wärme des Erdreichs, des Grundwassers oder der Luft zunutze. Dabei werden sie zum „umgekehrten Kühlschrank“ und entziehen der Umgebung Wärme, die an die Heizkörper abgegeben wird. Es gibt verschiedene Wärmepumpen-Varianten:
Luft-Luft-Wärmepumpen
Luft-Wasser-Wärmepumpen
Wasser-Wasser-Wärmepumpen
Brauchwasserwärmepumpen
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärmepumpen)
Wärmepumpen arbeiten besonders effizient mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Ideal für den Betrieb ist ein gut gedämmtes Gebäude und eine Flächenheizung. Aber auch ein Altbau kann mit einer Wärmepumpe beheizt werden. Dafür sollte der Fachbetrieb die Heizkurve richtig einstellen, einen hydraulischen Abgleich durchführen und Sie zu sinnvollen Sanierungsmaßnahmen beraten.
Wärmepumpen lohnen sich in den meisten Fällen. Sie gelten als die Heizart der Zukunft und sind bereits der Standard in Neubauten. Auch in Altbauten werden immer mehr Wärmepumpen nachgerüstet. Dafür können Sie die attraktive Wärmepumpen-Förderung nutzen.
Holzheizung
Holzheizungen (auch Biomasseheizungen genannt) erzeugen Wärme durch die Verbrennung von Holz. Sie haben die Wahl zwischen einer
Hackschnitzelheizung oder
einer Holzvergaserheizung.
Moderne Anlagen laufen mit geringerem manuellen Aufwand, da die Befüllung des Kessels automatisch erfolgt. Dafür benötigen Sie eine Fördereinrichtung, die ebenso wie die Lagerung des Brennstoffs Platz benötigt. Eine Ausnahme ist die Holzvergaserheizung dar, bei der die Holzscheite manuell nachgelegt werden müssen. Wollen Sie mit Holz heizen, empfiehlt sich auch die Anschaffung eines Pufferspeichers. Dadurch gehen Sie sicher, dass die Wärmeabgabe kontinuierlich erfolgt und der Wirkungsgrad der Heizung voll ausgeschöpft wird.
Solarthermie
Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach absorbieren Sonnenenergie und wandeln sie in Wärme um. Ein Speicher hält das Wasser warm, bis es zum Heizen von Räumen oder als warmes Brauchwasser verwendet werden kann. Aufgrund der wenigen Sonnenstunden in Deutschland wird Solarthermie immer als Ergänzung für eine Heizungsanlage mit anderem Energieträger eingesetzt. Die andere Heizung springt dann an, wenn nicht genügend Sonnenenergie verfügbar ist, und verhindert so Engpässe.
Brennstoffzellenheizung
Auch neue Brennstoffzellenheizungen können künftig weiterhin verbaut werden, wenn sie die Anforderungen am Anteil von grünem Wasserstoff oder Biomethan erfüllen. Sie produzieren durch eine Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff neben Wärme auch Strom, ohne dabei nennenswerte Emissionen zu verursachen. Voraussetzungen für die Installation sind ein Gasanschluss, ein Luft-Abgas-System (LAS), eine zentrale Heizungsanlage, ein Wärmespeicher und ein Spitzenlastkessel.
Mit dieser Heizungsalternative können Sie sich vom öffentlichen Netzstrom unabhängiger machen, allerdings dient eine Brennstoffzellenheizung normalerweise eher als Ergänzung zur Stromversorgung aus dem öffentlichen Netz. Um ein Haus vollständig zu versorgen, genügt der erzeugte Strom üblicherweise nicht.
Infrarotheizung
Eine Infrarotheizung ist eine Form der elektrischen Heizung. Sie erzeugt angenehme und gleichmäßige Wärme durch Infrarotstrahlung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Heizmethoden, bei denen die Luft erwärmt wird, erwärmt eine Infrarotheizung direkt die Objekte und Personen im Raum.
Mit Strom zu heizen, ist nur unter bestimmten Voraussetzungen eine umweltfreundliche Alternative zu Gas- und Ölheizungen. Entscheidend ist, ob die Infrarotheizung mit Ökostrom oder mit Solarstrom der eigenen Photovoltaik-Anlage betrieben wird. Andernfalls sind reine Elektroheizungen keine sinnvolle Lösung, da die Betriebskosten aufgrund des hohen Strompreises zu teuer wären.
Was kosten klimafreundliche Heizungen?
Die Kosten einer Heizung, die ohne Öl und Gas auskommt, beginnen bei 6.000 Euro für eine Infrarotheizung und gehen bis zu 40.000 Euro für eine Wärmepumpe. Einen ersten Überblick über die Anschaffungs-, Betriebs- und Wartungskosten der einzelnen Heizsysteme verschafft Ihnen unsere Tabelle:
* Kosten bei speziellem Wärmepumpentarif, **Stromgestehungskosten für Solarstrom; Stand: 26.02.2026
Die laufenden Kosten hängen vor allem mit dem Wärmebedarf des Gebäudes und dem Heizverhalten der Bewohner:innen zusammen. Um Heizkosten zu sparen, lohnt es sich bereits, die richtige Temperatur im Raum einzustellen. Grundsätzlich sind klimafreundliche Heizungen wie Wärmepumpen oder Solarthermie-Anlagen allerdings günstiger als fossile Gas- oder Ölheizungen.
Welche Förderungen gibt es für Heizungen ohne Öl und Gas?
Klimafreundliche Heizungen werden auch 2026 über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) staatlich gefördert. Bis zu 70 Prozent Förderung gibt es für Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen. Dazu gehören:
solarthermische Anlagen
Biomasseheizungen
elektrische Wärmepumpen
Brennstoffzellenheizungen
wasserstofffähige Heizungen
innovative Heizungstechnik auf Basis erneuerbarer Energien
der Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz
Welche Heizungen sind nicht mehr förderfähig?
Nicht mehr förderfähig sind fossile Heizungen, wie
Ölheizungen,
Gasheizungen,
Kohleheizungen,
Elektroheizungen
und Nachtstromspeicherheizungen.
Stattdessen erhalten Sie eine Förderung, wenn Sie Ihre alte fossile Heizung gegen eine klimafreundliche Alternative austauschen. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Gasheizung auf eine Wärmepumpe umrüsten, erhalten Sie einen Zuschuss bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten.
Tipps, um zukunftssicher ohne Gas oder Öl zu heizen
Energieberatung nutzen: Unabhängige Energieberater:innen analysieren den energetischen Zustand Ihres Hauses und ermitteln, ob die gewünschte Heizung (z. B. eine Wärmepumpe) effizient arbeiten kann. Dieser Service ist auch förderfähig.
Gesamtsystem optimieren: Um langfristig zukunftssicher und günstig zu heizen, können weitere Sanierungsmaßnahmen wie eine Wärmedämmung oder ein Fenster- oder Heizkörpertausch sinnvoll sein. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) verschafft Ihnen einen Überblick, was zu tun ist.
Kommunale Wärmeplanung prüfen: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde, ob in naher Zukunft ein Anschluss an ein Fern- oder Nahwärmenetz geplant ist.
Frühzeitig Fachbetrieb suchen: Da die Auftragslage in der Heizungsbranche sehr hoch ist, sollten Sie früh mit der Suche nach dem passenden Fachbetrieb beginnen. Über ein Vermittlungsportal wie Aroundhome finden Sie schnell und unkompliziert verfügbare Fachbetriebe aus Ihrer Region.
Wir von Aroundhome unterstützen Sie dabei, Ihre Hausprojekte erfolgreich und stressfrei umzusetzen – durch individuelle Beratung und die Vermittlung passender Fachfirmen. Unser Service ist für Sie komplett kostenfrei und unverbindlich, wir finanzieren uns über die Zusammenarbeit mit den Fachfirmen.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Heizung statt Öl und Gas?
Umweltfreundlicher als Öl- und Gasheizungen sind Anlagen, die erneuerbare Energien einsetzen. Wärmepumpen sowie Solarthermie- und Biomasse-Anlagen gewinnen Wärme aus Erde, Luft, Wasser, Sonne und dem nachwachsenden Rohstoff Holz.
Was ist die beste Heizung für die Zukunft?
Fossile Brennstoffe wie Öl und Gas verursachen einen hohen CO2-Ausstoß und gelten als umweltschädlich. Zukunftssicher sind Heizungsanlagen, die klimafreundlich arbeiten und auf erneuerbare Energien setzen. Besonders empfehlenswert sind Wärmepumpen, Solarthermie-Anlagen, Holzheizungen (insbesondere Pelletheizungen) sowie Brennstoffzellenheizungen. Um Energieengpässen, die zum Beispiel bei einer geringen Anzahl an Sonnenstunden entstehen können, vorzubeugen, eignen sich Hybridheizungen. Eine Kombination aus einer Solarthermieanlage, einer Wärmepumpe und einer Photovoltaik-Anlage, die den Strom für den Betrieb einer Wärmepumpe erzeugt, ist zum Beispiel besonders empfehlenswert. So können Sie ein hohes Maß an Autarkie erreichen.
Kann man CO2-neutral heizen?
Wer CO2-neutral heizen möchte, sollte darauf achten, keine fossilen Brennstoffe zu verwenden. Der für den Betrieb der Heizung benötigte Strom, beispielsweise für Wärmepumpen oder Solarthermie-Anlagen, sollte als Ökostrom deklariert sein oder mithilfe einer Photovoltaik-Anlage selbst erzeugt werden.
Holz wird oft als CO2-neutraler Brennstoff betrachtet, da Bäume während ihres Wachstums CO2 binden und dieses bei der Verbrennung wieder freisetzen. Allerdings ist diese Sichtweise nicht ganz korrekt, da sie die Auswirkungen der Abholzung und den Transport des Holzes nicht berücksichtigt. Um die CO2-Bilanz zu verbessern, ist es wichtig, auf nachhaltige Forstwirtschaft und die Verwendung von lokalem Holz zu achten.