Häufige Irrtümer bei der Solarpflicht: Was wirklich stimmt
In Deutschland gibt es seit Jahren Diskussionen über die Solarpflicht. Bei vielen Hausbesitzer:innen sorgt das Thema nach wie vor für Unsicherheit. Wo gilt die Pflicht überhaupt und muss jedes Dach mit Photovoltaik ausgestattet werden? Gilt sie nur für Neubauten oder auch für Altbauten und denkmalgeschützte Häuser? Was passiert, wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden? Wir räumen mit den 8 häufigsten Irrtümern und Halbwahrheiten rund um die Solarpflicht auf.
Irrtum 1: In Deutschland gibt es eine bundesweite Solarpflicht
Tatsächlich gibt es bundesweit keine einheitliche Regelung und auch keine Pläne, diese einzuführen. Stattdessen entscheiden die jeweiligen Bundesländer selbst, ob und in welchem Umfang eine Solarpflicht gilt. Das führt dazu, dass sich die Vorgaben regional deutlich unterscheiden:
In einigen Bundesländern gilt die Solardachpflicht bereits für Neubauten.
Andere Länder schreiben Solar auch bei grundlegenden Dachsanierungen vor.
Manche Bundesländer haben Solarpflicht-Gesetze nur für gewerbliche oder öffentliche Gebäude.
Einige Länder planen derzeit überhaupt keine Vorgaben in dieser Richtung.
Welche Vorgaben es bei Ihnen gibt, lesen Sie in unserer Übersicht der verschiedenen Regelungen der einzelnen Bundesländer.
Irrtum 2: Jedes bestehende Haus muss sofort nachgerüstet werden
Bestandsbauten müssen nicht automatisch mit einer Solaranlage ausgestattet werden, nur weil das Bundesland eine Solarpflicht eingeführt hat. Bestehende Gebäude sind häufig nur dann betroffen, wenn eine grundlegende Dachsanierung oder ein größerer Dachumbau durchgeführt wird. Die konkreten Regelungen variieren je nach Bundesland, doch die Pflicht kann beispielsweise gelten, wenn
die komplette Dachhaut erneuert wird,
größere bauliche Eingriffe am Dach erfolgen,
das Dach umfassend modernisiert oder neu aufgebaut wird.
Wer keine entsprechende Sanierung plant, muss üblicherweise auch keine Solaranlage nachrüsten.
Irrtum 3: Jede Dachreparatur löst automatisch die Solarpflicht aus
Nicht jede Arbeit, die am Dach durchgeführt wird, löst automatisch die Solarpflicht aus. Entscheidend ist, ob es sich um eine grundlegende Dachsanierung bzw. um einen maßgeblichen Umbau handelt oder lediglich um kleinere Reparaturen. Folgende Maßnahmen lösen typischerweise keine Nachrüstpflicht aus:
Austausch einzelner Dachziegel
kleinere Abdichtungsarbeiten
Erneuerung von Dachfenstern
punktuelle Instandsetzungen
Welche Sanierungsmaßnahmen genau als Auslöser gelten, wird allerdings von jedem Bundesland unterschiedlich definiert. Deshalb lohnt sich im Einzelfall immer ein Blick in die jeweiligen Landesregelungen.
Irrtum 4: Solarthermie wird bei der Solarpflicht nicht anerkannt
Viele Hausbesitzer:innen gehen davon aus, dass die Solarpflicht ausschließlich durch Photovoltaik erfüllt werden kann. In mehreren Bundesländern kann Solarthermie jedoch als gleichwertige Alternative zur Photovoltaik anerkannt werden. Doch auch hier unterscheiden sich die Regelungen. Beispielsweise gilt in folgenden Bundesländern:
In Bayern kann ersatzweise eine Solarthermieanlage nachgerüstet werden, wenn mindestens 15 Prozent des Wärme- und Kälteenergiebedarfs des Gebäudes darüber gedeckt werden.
In Bremen ist lediglich eine Kombination aus Photovoltaik und Solarthermie möglich, aber keine reine Erfüllung der Solarpflicht durch solarthermische Anlagen.
In Niedersachsen und Schleswig-Holstein kann Solarthermie Photovoltaik vollständig ersetzen.
In Nordrhein-Westfalen ist das ebenfalls möglich, aber nur, wenn die geeignete Dachfläche vollständig für Solarthermie genutzt wird.
Solarthermie ist also keineswegs grundsätzlich ausgeschlossen. Je nach Landesgesetz können außerdem auch andere Möglichkeiten anerkannt werden, darunter Solarfassaden oder Photovoltaikanlagen auf Garagen oder Carports.
Irrtum 5: Auch auf denkmalgeschützten Gebäuden muss PV installiert werden
Das ist nicht der Fall, denn auch in Bundesländern mit Solarpflicht gibt es Ausnahmen und Sonderregelungen. Ist die Installation einer Solaranlage nicht möglich, weil es Denkmalschutzauflagen gibt, müssen diese nachgewiesen werden. Dann kann aber eine Befreiung beantragt werden. Ob sie genehmigt wird, entscheidet die zuständige Behörde im Einzelfall.
Irrtum 6: Die Solarpflicht bedeutet riesige PV-Anlagen auf dem ganzen Dach
Die meisten Landesregelungen verlangen nicht, dass das gesamte Dach mit Photovoltaik belegt wird. Die Solarpflicht führt dementsprechend nicht automatisch zu maximal großen Anlagen, sondern orientiert sich meist an der sinnvollen Nutzung der verfügbaren Fläche. Dabei wird auch einbezogen, wie geeignet das Dach überhaupt für die Installation von Solarmodulen ist. Faktoren wie
Verschattung und
bauliche Gegebenheiten
spielen eine wichtige Rolle. Ist die Installation aus solchen Gründen technisch unmöglich oder sind dadurch nur minimale Erträge zu erwarten, ist das ein anerkannter Befreiungsgrund.
Irrtum 7: Wer keine Solaranlage installiert, bekommt sofort ein Bußgeld
So läuft es in der Praxis meist nicht ab. Wenn die Solarpflicht bei Ihnen greift, fordert die zuständige Behörde Sie zuerst dazu auf, die Vorgaben nachträglich zu erfüllen oder nachzuweisen, warum bei Ihnen eine Ausnahme gilt. Allerdings ist das nicht ideal und im Nachhinein deutlich schwieriger: Eigentlich sollte eine Befreiung vor Beginn der Bau- oder Sanierungsmaßnahme beantragt werden. Erst im nächsten Schritt folgen weitere Maßnahmen. Der typische Ablauf ist:
Hinweis oder behördliche Aufforderung zur Nachrüstung
Möglichkeit zur Stellungnahme oder zum Nachweis einer Befreiung
Prüfen, ob eine Ausnahme nachträglich noch anerkannt wird
Bußgelder bei fehlendem Grund und dauerhafter Nichtbeachtung
Bußgelder sind also eigentlich das letzte Mittel, wenn gesetzliche Vorgaben ignoriert oder behördliche Anordnungen nicht umgesetzt werden. Da die Details je nach Bundesland unterschiedlich geregelt sind, kann jedoch auch die Durchsetzungspraxis variieren.
Irrtum 8: Die Solarpflicht macht Bauen und Sanieren unbezahlbar
Durch eine Photovoltaikanlage entstehen zusätzliche Investitionskosten, im Gesamtkontext sind sie aber oft besser einzuordnen als viele denken. Denn oft gibt es finanzielle Entlastungen, zum Beispiel durch:
zinsgünstige KfW-Kredite
regionale Förderprogramme für PV-Anlagen
Steuererleichterungen
Gerade bei Neubauten lassen sich Solaranlagen effizient und kostengünstig mit einplanen, da Dachstruktur und Elektrik von Anfang an berücksichtigt werden können. Hinzu kommt: Eine Photovoltaikanlage rechnet sich langfristig, da sie die laufenden Stromkosten senkt und die Unabhängigkeit von volatilen Preisen am Strommarkt erhöht.
Bei Energiepreis-Schocks durch geopolitische Unsicherheiten oder Konflikte sind Sie mit einer eigenen PV-Anlage auf der sicheren Seite. Die Solarpflicht bedeutet also nicht automatisch eine finanzielle Überlastung, sondern häufig eine Investition mit langfristigem Nutzen.
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