Baugenehmigung für Wintergärten in Thüringen – Darauf müssen Sie achten
Unter bestimmten Bedingungen kann ein Wintergarten in Thüringen verfahrensfrei sein. Dabei wird nicht zwischen beheizten und unbeheizten Wintergärten unterschieden. Für die weiteren Anforderungen ist entscheidend, ob der Raum zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt bestimmt oder geeignet ist. Erfahren Sie, welche Regelungen aktuell für Wintergärten in Thüringen gelten.
Das Wichtigste zu Wintergarten Genehmigungen in Thüringen
Beheizt oder unbeheizt: Bestimmte angebaute Wintergärten bis 20 m² und 75 m³ können verfahrensfrei sein.
Beheizt: Zusätzlich sind Anforderungen an Aufenthaltsräume und Wärmeschutz zu beachten. Unbeheizte Wintergärten unterliegen energetischen Vorgaben meist nicht.
Für beide gilt: Bebauungsplan und Abstandsflächen müssen eingehalten werden.
Für die Baugenehmigung sind Baupläne, statische Nachweise, Lageplan und ggf. Nachbarzustimmung nötig.
Die Kosten richten sich nach dem Bauwert, Mindestgebühr ab 75 Euro.
Bauen ohne Genehmigung kann zu hohen Bußgeldern und sogar Abriss führen.
Benötigen Sie für Ihren Wintergarten in Thüringen eine Baugenehmigung?
In Thüringen ist für bestimmte Wintergärten keine Baugenehmigung erforderlich, wenn sie die Voraussetzungen für verfahrensfreie Bauvorhaben nach der ThürBO erfüllen.
Ein angebauter Wintergarten aus lichtdurchlässigen Baustoffen kann bis zu 20 m² Grundfläche und 75 m³ Rauminhalt verfahrensfrei sein.
Für freistehende, eingeschossige Wintergärten gilt eine Grenze von 30 m², sofern sie nicht im Außenbereich liegen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob der Wintergarten beheizt oder unbeheizt ist.
Auch größere Wintergärten können unter bestimmten Voraussetzungen ohne Baugenehmigungsverfahren auskommen; andernfalls ist eine Baugenehmigung erforderlich.
Ab wann gilt ein Wintergarten als Wintergarten?
Ein Wintergarten im Sinne des Bundesverbands Wintergarten ist ein allseitig wind- und schlagregendicht verglaster Anbau oder eine Terrassenüberdachung mit fester Dachkonstruktion aus lichtdurchlässigen Baustoffen, die vom Außenklima getrennt ist.
Die Thüringer Bauordnung definiert den Begriff nicht allgemein, verwendet ihn jedoch in § 63 ThürBO für bestimmte, an eine Gebäudeaußenwand angebaute Konstruktionen.
Für die baurechtliche Beurteilung ist außerdem wichtig, ob der Wintergarten als Aufenthaltsraum gilt. Gemäß § 2 Abs. 5 ThürBO sind das Räume, die zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt oder geeignet sind. Entscheidend ist also nicht allein die tatsächliche Nutzung, sondern auch die Beschaffenheit des Raums.
Was gilt als Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 bis 3 in Thüringen?
Ein Wohngebäude dient überwiegend dem Wohnen. Für die Einstufung in die Gebäudeklassen sind vor allem Höhe, Lage und Zahl der Nutzungseinheiten entscheidend:
Gebäudeklasse 1: Freistehendes Gebäude bis 7 m Höhe mit höchstens zwei Nutzungseinheiten und insgesamt höchstens 400 m² Fläche, zum Beispiel ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus.
Gebäudeklasse 2: Gebäude bis 7 m Höhe mit höchstens zwei Nutzungseinheiten und insgesamt höchstens 400 m² Fläche, zum Beispiel eine Doppelhaushälfte oder ein Reihenhaus.
Gebäudeklasse 3: Sonstige Gebäude bis 7 m Höhe, zum Beispiel ein kleines Mehrfamilienhaus.
Die Höhe wird von der Geländeoberfläche bis zur Fußbodenoberkante des obersten Geschosses gemessen, in dem ein Aufenthaltsraum möglich und zulässig ist. Die genaue Einstufung richtet sich nach dem konkreten Gebäude (§ 2 ThürBO).
Welche Regelungen und Baugenehmigungen für Wintergärten gibt es in Thüringen?
Für die Errichtung eines Wintergartens in Thüringen sind zunächst die Regelungen des örtlichen Bebauungsplans maßgeblich. Gibt es keinen Bebauungsplan, richtet sich die Zulässigkeit im Innenbereich nach § 34 BauGB und im Außenbereich nach § 35 BauGB. Zusätzlich gelten die Vorgaben der Thüringer Bauordnung (ThürBO).
Innenbereich: Das sind Gebiete innerhalb von Ortschaften, wo bereits viele Gebäude dicht beieinanderstehen. In diesen Bereichen ist das Bauen grundsätzlich möglich, da sie als Teil der bestehenden Siedlung gelten.
Außenbereich: Das sind Flächen außerhalb der bebauten Ortsgebiete, wo nur vereinzelt oder gar keine Gebäude stehen. Hier ist Bauen in der Regel nicht erlaubt, um die Landschaft zu schützen und unkontrollierte Ausbreitung von Siedlungen zu verhindern.
Was gilt für beheizte Wintergärten in Thüringen?
Ein beheizter Wintergarten ist in Thüringen nicht automatisch genehmigungspflichtig. Gemäß § 63 ThürBO können angebaute Wintergärten verfahrensfrei sein, wenn:
sie aus lichtdurchlässigen Baustoffen bestehen und
eine Grundfläche von bis zu 20 m² und 75 m³ Brutto-Rauminhalt nicht überschreiten.
Auch verfahrensfreie Vorhaben müssen die übrigen Bauvorschriften einhalten. Bei beheizten Wintergärten empfiehlt sich daher eine vorherige Klärung mit der Bauaufsichtsbehörde.
Wird der Wintergarten als Aufenthaltsraum geplant oder ist er dafür geeignet, gelten die Anforderungen aus § 50 ThürBO:
Mindestens 2,40 m lichte Raumhöhe; die Vorgabe gilt nicht für Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 und 2.
Ausreichende Belüftung und Tageslicht.
Fensteröffnungen von mindestens einem Achtel der Netto-Raumfläche.
Unabhängig davon gelten die energetischen Anforderungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG):
Neuer beheizter Anbau: Der Transmissionswärmeverlust der neuen Außenbauteile darf höchstens 20 % über dem eines gleich geformten Referenzgebäudes liegen. Den Nachweis erstellt ein:e Energieberater:in oder Fachplaner:in.
Mehr als 50 m² neue Nutzfläche: Zusätzlich ist der sommerliche Wärmeschutz nachzuweisen, also der Schutz vor Überhitzung im Sommer.
Austausch bestehender Bauteile: Werden Fenster, Fenstertüren oder Glasdächer angrenzender beheizter Räume erneuert und betrifft das mehr als 10 % der Fläche einer Bauteilgruppe, gelten die Höchstwerte Uw = 1,3 W/(m²·K) für Fenster und Uw/Ug = 2,0 W/(m²·K) für Glasdächer.
Heizung: Wird im Zuge des Anbaus auch die Heizung ersetzt, gelten die Vorgaben des GModG für den Heizungstausch.
Klären Sie die Anforderungen im Einzelfall mit Energieberater:innen oder der Baurechtsbehörde.
Was gilt für Kaltwintergärten in Thüringen?
Ein unbeheizter Kaltwintergarten ist in Thüringen nicht automatisch verfahrensfrei. Entscheidend sind seine Bauart, Größe und Lage.
Angebaut: Wintergärten aus lichtdurchlässigen Baustoffen bis 20 m² Grundfläche und 75 m³ Brutto-Rauminhalt sind nach § 63 ThürBO verfahrensfrei.
Freistehend: Ein eingeschossiges Gebäude bis 30 m² kann ebenfalls verfahrensfrei sein, sofern es nicht im Außenbereich liegt.
Größere Vorhaben: Unter bestimmten Voraussetzungen, wie etwa der Übereinstimmung mit einem Bebauungsplan, kann eine Genehmigungsfreistellung nach § 64 ThürBO möglich sein. Andernfalls ist eine Baugenehmigung erforderlich. Für Gebäude der Klassen 1 bis 3 kommt das vereinfachte Verfahren nach § 65 ThürBO infrage.
Wintergarten ohne Baugenehmigung in Thüringen
Ein verfahrensfreier unbeheizter Wintergarten in Thüringen ist ohne Baugenehmigung möglich, wenn
er unbeheizt ist,
aus lichtdurchlässigen Baustoffen besteht,
maximal 20 m² Grundfläche und 75 m³ Brutto-Rauminhalt hat
und vor der Außenwand eines Gebäudes steht.
Auch verfahrensfreie Kaltwintergärten müssen die baurechtlichen Vorgaben einhalten. Dazu gehören die Abstandsflächen gemäß § 6 ThürBO und der nutzungsentsprechende Wärmeschutz gemäß § 15 ThürBO.
Die Anforderungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) gelten für einen unbeheizten Kaltwintergarten in der Regel nicht. Werden jedoch angrenzende Bauteile der beheizten Wohnung verändert oder der Wintergarten später beheizt, können energetische Vorgaben greifen.
Abstandsflächen bei Wintergärten in Thüringen
Für Wintergärten in Thüringen gelten die Abstandsflächen nach § 6 ThürBO. Sie sind grundsätzlich auch dann einzuhalten, wenn der Wintergarten verfahrensfrei ist.
Grundregel: Die Abstandsfläche beträgt 40 Prozent der maßgeblichen Wandhöhe, mindestens jedoch 3 m.
Wohngebäude: Bei Gebäuden der Klassen 1 und 2 mit höchstens drei oberirdischen Geschossen genügen 3 m.
Gewerbe- und Industriegebiete: Hier gelten grundsätzlich 20 Prozent der Wandhöhe, mindestens 3 m. Das gilt auch für vergleichbare Sondergebiete.
Wandhöhe: Sie wird senkrecht von der Geländeoberfläche bis zum oberen Abschluss der Wand oder der Dachhaut gemessen.
Vorbauten: Bestimmte Bauteile wie Balkone oder Erker können unter den gesetzlichen Maß- und Abstandsgrenzen unberücksichtigt bleiben. Das gilt nicht automatisch für den Wintergarten selbst.
Bauen an der Grundstücksgrenze: Das ist möglich, wenn das Planungsrecht es verlangt oder erlaubt. Sonderregeln gelten außerdem für bestimmte Garagen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume oder Feuerstätten; sie greifen nicht automatisch für Wintergärten.
Lage der Abstandsfläche: Sie muss grundsätzlich auf dem eigenen Grundstück liegen. Eine Nutzung eines Nachbargrundstücks kann unter bestimmten Voraussetzungen durch eine Baulast gesichert werden.
Örtliche Vorgaben: Bebauungspläne und kommunale Satzungen können abweichende Regelungen enthalten.
Was kostet eine Baugenehmigung für einen Wintergarten in Thüringen?
Die Gebühren für die Baugenehmigung eines Wintergartens richten sich nach der Thüringer Baugebührenverordnung (ThürBauGVO). Maßgeblich ist dabei der anrechenbare Bauwert des Wintergartens und nicht die gesamte Bausumme. Die Mindestsumme beträgt jedoch 75 Euro.
Vereinfachtes Verfahren: 6 Euro je 1.000 Euro anrechenbarem Bauwert, mindestens 75 Euro.
Regelverfahren nach § 66 ThürBO: 7 Euro je 1.000 Euro anrechenbarem Bauwert, mindestens 75 Euro.
Beispiel: Bei einem anrechenbaren Bauwert von 30.000 Euro beträgt die Gebühr im vereinfachten Verfahren 180 Euro, im Regelverfahren 210 Euro.
Zusätzliche Prüfungen oder Auslagen können weitere Kosten verursachen.
Das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren ist eine schnellere und kostengünstigere Option für bestimmte Bauvorhaben in Deutschland. Es wird für Wohngebäude und deren Nebengebäude genutzt. Im Vergleich zum regulären Verfahren prüft die zuständige Baubehörde nur grundlegende Aspekte wie die planungsrechtliche Zulässigkeit und Abstandsflächen. Andere Vorschriften, etwa Brandschutz oder Lärmschutz, müssen von Bauherr:innen selbst eingehalten und dokumentiert werden.
Um das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren zu nutzen, muss ein „Antrag auf Baugenehmigung im vereinfachten Verfahren“ bei der zuständigen Baubehörde eingereicht werden. Dabei sind alle erforderlichen Bauunterlagen beizufügen, wie etwa Lagepläne, Bauzeichnungen und Baubeschreibungen. Die genauen Dokumente können je nach Bundesland und Art des Bauvorhabens variieren.
Sollten Sie für Ihren geplanten Wintergarten in Thüringen eine Bauvoranfrage stellen?
Eine Bauvoranfrage kann dabei helfen, wichtige Fragen vor dem eigentlichen Bauantrag zu klären, beispielsweise zur Zulässigkeit gemäß Bebauungsplan oder zu Abstandsflächen.
In Thüringen wird diese rechtliche Entscheidung als „Vorbescheid” bezeichnet. Gemäß § 82 ThürBO können Sie vor dem Bauantrag einzelne Fragen zu Ihrem Vorhaben in Textform bei der Bauaufsichtsbehörde einreichen. Der Vorbescheid ist drei Jahre gültig und kann jeweils um bis zu drei Jahre verlängert werden. Er klärt die gestellten Fragen, ersetzt aber nicht die Baugenehmigung.
Welche Unterlagen benötigen Sie, um eine Baugenehmigung für einen Wintergarten in Thüringen zu beantragen?
Den Bauantrag reichen Sie bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde ein. Beizufügen sind alle Unterlagen, die für die Prüfung des Vorhabens erforderlich sind (§ 74 ThürBO).
Typischerweise gehören dazu:
Antragsformular mit Angaben zur Bauherrschaft, zum Grundstück und zum Vorhaben.
Lageplan mit Grundstücksgrenzen, bestehenden Gebäuden und geplanter Lage des Wintergartens.
Bauzeichnungen: Grundrisse, Ansichten und Schnitte des Bestands und des geplanten Anbaus.
Baubeschreibung mit Angaben zu Maßen, Nutzung, Konstruktion und Baustoffen.
Bautechnische Nachweise, etwa zur Standsicherheit oder zum Brandschutz, soweit sie für das Vorhaben erforderlich sind (§ 72 ThürBO).
Nachweise zu Abstandsflächen oder weitere Unterlagen, wenn sie für die Prüfung benötigt werden.
Gegebenenfalls Nachbarzustimmungen bei Abweichungen oder berührten Nachbarbelangen.
Zustimmung der Grundstückseigentümerin oder des Grundstückseigentümers, wenn Sie nicht selbst Eigentümer:in sind und die Behörde sie verlangt (§ 74 Abs. 4 ThürBO).
Was passiert, wenn Sie Ihren Wintergarten in Thüringen ohne Baugenehmigung errichten?
Wer ohne erforderliche Genehmigung baut, handelt nach § 94 ThürBO ordnungswidrig. In Thüringen kann das mit einer Geldbuße von bis zu 500.000 Euro geahndet werden.
Zusätzlich kann die Bauaufsichtsbehörde die Arbeiten stoppen (§ 86 ThürBO). Ist der Wintergarten nicht genehmigungsfähig und lassen sich rechtmäßige Zustände nicht anders herstellen, kann sie den Rückbau anordnen oder die Nutzung untersagen (§ 87 ThürBO).
Sie können eine nachträgliche Genehmigung beantragen, diese ist jedoch nicht garantiert. Wird diese erst nach erheblichem Baufortschritt erteilt, kann sich die Gebühr gemäß der Thüringer Baugebührenverordnung verdreifachen.
Baugenehmigungen für Wintergärten in anderen Bundesländern
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Häufig gestellte Fragen
Ist eine Balkonverglasung in Thüringen genehmigungspflichtig?
Eine Balkonverglasung ist in Thüringen genehmigungspflichtig, da sie die Fassade verändert und einen geschlossenen Raum schaffen kann. Für Gebäude der Gebäudeklassen 1 bis 3 kann das vereinfachte Verfahren nach § 65 ThürBO infrage kommen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch eine Genehmigungsfreistellung nach § 64 ThürBO möglich sein.
Welche Sonderregeln gelten für Wintergärten an Kulturdenkmalen in Thüringen?
Verändert der Wintergarten ein Kulturdenkmal oder kann er sich auf ein Denkmal in der Umgebung auswirken, kann eine Erlaubnis nach § 13 des Thüringer Denkmalschutzgesetzes erforderlich sein. Wenn eine Baugenehmigung erforderlich ist, entfällt der separate Erlaubnisantrag. Bei einem verfahrensfreien Vorhaben kann jedoch weiterhin eine eigenständige denkmalrechtliche Erlaubnis erforderlich sein.
Welche Abstandsflächen muss ein Wintergarten in Thüringen zum Nachbarn einhalten?
Nach § 6 ThürBO beträgt die Abstandsfläche grundsätzlich 40 Prozent der Wandhöhe, jedoch mindestens 3 m. Für bestimmte Wohngebäude genügen 3 m, in Gewerbe- und Industriegebieten gelten 20 Prozent, mindestens jedoch 3 m. Die Grenzbebauungs-Ausnahme für Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten gilt nicht automatisch für einen Wintergarten.