Fassadenanstrich: Zeitpunkt, Ablauf und Vorschriften
Die Fassade ist die erste Schutzschicht Ihres Hauses gegen Schlagregen, UV-Strahlung und Temperaturschwankungen. Ein neuer Anstrich ist deshalb nicht nur eine Frage der Optik, sondern vor allem eine Investition in die Bausubstanz. Informieren Sie sich jetzt, wann ein Fassadenanstrich notwendig ist, welche Vorarbeiten und gesetzlichen Vorgaben gelten, was ein Profiauftrag kostet und wie Sie den richtigen Malerbetrieb für Ihr Projekt finden.
Wann ist ein neuer Fassadenanstrich notwendig?
Im Durchschnitt hält ein Fassadenanstrich 5 bis 15 Jahre, je nach Material und Witterung. Diese Richtwerte variieren je nach Fassadenmaterial:
Die wichtigsten Anzeichen für einen neuen Fassadenanstrich
Kreiden (Bindemittelverlust): Wischen Sie mit der Hand über die Fassade. Wenn sich dabei weißlicher Farbstaub auf den Fingern absetzt, schützt die Farbe das Mauerwerk nicht mehr ausreichend vor Feuchtigkeit.
Risse und Abplatzungen: Blasenbildung, abblätternde Farbe oder feine Risse können Feuchtigkeit in den Putz eindringen lassen und so Frostschäden verursachen.
Algen-, Moos- und Pilzbefall: Grüne oder schwarze Verfärbungen, insbesondere an der Wetterseite, deuten darauf hin, dass die Wand dauerhaft zu feucht ist. In den meisten Fällen reicht eine alleinige Reinigung hier nicht aus und es ist ein Schutzanstrich erforderlich.
Saugtest: Spritzen Sie etwas Wasser gegen die Hauswand. Wenn das Wasser sofort dunkel in den Putz einzieht, ist die Schutzschicht abgenutzt.
Wann reicht eine Reinigung der Fassade aus?
Nicht jede Veränderung an der Fassade erfordert einen vollständigen Neuanstrich. Eine professionelle Hochdruckreinigung kann in folgenden Fällen ausreichen:
Leichter Schmutzfilm oder oberflächliche Verfärbungen ohne Substanzschäden
Erster Algenbefall, der noch nicht tief in den Putz eingedrungen ist
Intakter Untergrund mit guter Haftfähigkeit und ausreichender Festigkeit
Was leistet eine Fachberatung einer Malerfirma vor Ort?
Beim Vor-Ort-Termin analysiert der Malerfachbetrieb Ihre Fassade und entwickelt daraus ein maßgeschneidertes Sanierungskonzept. Dazu gehören:
Schadens- und Bestandsanalyse
Material- und Systemauswahl
Kosten- und Ablaufplanung
In unserem Artikel informieren wir Sie darüber, wie ein Beratungstermin eines Malerfachbetriebes im Detail abläuft, worauf Sie achten sollten und welche Fragen Sie stellen können.
Hausfassade selbst streichen oder streichen lassen?
Malerfachbetriebe arbeiten nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), insbesondere der DIN 18363 für Maler- und Lackierarbeiten. Diese regelt die Pflicht, den Untergrund zu prüfen. Das ist eine gesetzliche Grundlage, die Eigenleistungen ohne Fachkenntnisse erschwert.
Fehler bei der Untergrundvorbereitung oder der Materialwahl können zu Abplatzungen, Feuchtigkeitsschäden und letztlich zu höheren Kosten führen als eine professionelle Ausführung von Anfang an. Bei Arbeiten, die über einen einfachen Anstrich an der Garage oder am Gartenhaus hinausgehen, lohnt sich der Vergleich von Fachbetrieben.
Welche baurechtlichen und energetischen Vorgaben gelten beim Fassadenanstrich?
Ein reiner Fassadenanstrich gilt als Instandhaltungsmaßnahme. Er ist bundesweit baugenehmigungsfrei und löst keine energetischen Dämmpflichten aus. Das ändert sich, sobald im Zuge der Arbeiten auch der Putz großflächig ausgebessert oder abgeschlagen wird.
Energetische Vorgaben: Die 10-Prozent-Regel (§ 48 GEG)
Laut § 48 des GEG gelten folgende Anforderungen an ein bestehendes Gebäude bei Änderung:
Reiner Anstrich: Es gibt keine energetischen Pflichten und keinen Handlungsbedarf.
Putzarbeiten über 10 Prozent der Fassadenfläche: Sobald mehr als 10 Prozent der gesamten Außenwandfläche neu verputzt, abgeschlagen oder mit einer Riemchenbekleidung versehen werden, greift die gesetzliche Dämmpflicht.
U-Wert-Vorgabe: In diesem Fall muss die Außenwand auf einen Wärmedurchgangskoeffizienten von maximal 0,24 W/(m²K) gebracht werden.
Bagatellgrenze: Kleinere Ausbesserungen wie z. B. Spachteln einzelner Risse vor dem Anstrich unterhalb der 10-Prozent-Marke bleiben dämmpflichtfrei. Die energetische Qualität des Gebäudes darf sich durch die Maßnahme jedoch nicht verschlechtern.
Baurechtliche Vorgaben
Verfahrensfreiheit: Der reine Fassadenanstrich erfordert in keinem Bundesland einen Bauantrag.
Gestaltungssatzung & Bebauungsplan: Viele Gemeinden schreiben über lokale Satzungen bestimmte Farbspektren vor. Grelle oder stark kontrastierende Farben können über das allgemeine Verunstaltungsverbot der Landesbauordnungen untersagt werden. Informieren Sie sich diesbezüglich bei Ihrem örtlichen Bauordnungsamt.
Denkmalschutz: Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist jeder Anstrich vorab genehmigungspflichtig. Oft werden exakte Farbtöne und historische Materialien wie z. B. Silikatfarben vorgeschrieben.
Nachbarrecht (sog. Hammerschlags- und Leiterrecht): Muss ein Gerüst auf dem Nachbargrundstück aufgestellt werden, ist dies je nach Bundesland 2 bis 4 Wochen vorab schriftlich anzukündigen.
Thermische Belastung und Hellbezugswert bei Wärmedämm-Verbundsystemen
Bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) ist die Farbwahl technisch relevant. Dunkle Töne erzeugen hohe thermische Spannungen im Dämmverbund und können langfristig zu Rissen und Ablösungen führen. Entscheidend ist der Hellbezugswert (HBW).
HBW: Gibt die Lichtreflexion einer Oberfläche an (Skala 0–100). Für WDVS empfehlen Hersteller einen Mindestwert von 20–25.
Risiko bei Unterschreitung: Verlust der Herstellergarantie und erhöhter Wartungsaufwand.
Hinweis: Die genaue Mindestanforderung steht in der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) des jeweiligen Systems.
Biozide und Umweltschutz
Moderne Fassadenfarben enthalten oft Biozide gegen Algen- und Pilzbefall. Diese werden jedoch bei Regen ausgewaschen und gelangen in Boden und Grundwasser. Die EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012 reguliert zulässige Wirkstoffe und Kennzeichnungspflichten.
Umweltfreundlichere Alternativen: Es gibt Farben mit verkapselten Bioziden, die eine langsamere Freisetzung ermöglichen, sowie mineralische Farben wie Silikatfarben, die biozidarm und diffusionsoffen sind.
Entsorgung: Die Farbreste müssen als Sonderabfall entsorgt werden. Sie dürfen nicht über den Hausmüll noch über die Kanalisation entsorgt werden.
Ablauf des Projekts: Von der Idee bis zum neuen Fassadenanstrich
Schritt 1: Fehleranalyse und Bestandsaufnahme
Vor dem Anstrich steht die genaue Prüfung der Fassade. Kleine Schmutzspuren oder Verblassungen lassen sich oft überstreichen. Tiefere Schäden müssen vorher behoben werden.
Oberflächenrisse und Abplatzungen: Auf Risstiefe prüfen. Haarrisse können gespachtelt werden, tiefe Risse erfordern eine fachgerechte Sanierung.
Biologischer Befall: Algen, Moos oder Schimmel müssen vor dem Anstrich vollständig entfernt werden.
Kreiden und Saugtest: Wischtest und Wassertest zeigen, ob die alte Schutzschicht noch intakt ist.
Unsicher? Ein Fachbetrieb erkennt auf den ersten Blick, ob ein einfacher Renovierungsanstrich reicht oder eine Sanierung nötig ist.
Schritt 2: Farbauswahl und Planung
Die richtige Farbe hängt vom Untergrund, dem Zustand der Fassade und den örtlichen Vorschriften ab. Laut Baugesetzbuch muss die Farbwahl zum Ortsbild passen. Manche Gemeinden schreiben Farbspektren vor.
Dispersionsfarben: Günstiges Allround-Produkt, gute Streichfähigkeit, große Farbvielfalt.
Silikatfarben: Atmungsaktiv und witterungsbeständig, ideal für poröse Untergründe wie Kalkputz oder Beton.
Silikonharzfarben: Wasserabweisend und schützend gegen Algen und Pilze, kombiniert die Vorteile von Dispersions- und Silikatfarbe.
Kalkfarben: Kaum noch gebräuchlich für Wohnhäuser, anfällig für Auswaschungen bei starkem Regen.
Hellbezugswert (HBW) beachten: Bei WDVS-Fassaden muss der HBW mindestens 20 – 25 betragen (siehe Abschnitt oben).
Schritt 3: Einrüstung und Schutzmaßnahmen
Fachgerechter Aufbau des Arbeits- und Schutzgerüsts nach DIN EN 12811.
Abkleben von Fenstern, Türen, Lichtschächten und angrenzenden Bauteilen mit Klebeband und Plane.
Bei Gerüst auf dem Nachbargrundstück: Hammerschlags- und Leiterrecht beachten und mind. 2–4 Wochen vorab ankündigen.
Schritt 4: Untergrundvorbereitung und Reinigung
Hochdruckreinigung ggf. mit Heißwasser zur Entfernung von Schmutz, Ruß und biologischem Befall.
Putzausbesserung: Schadhafte Stellen ausbessern, rissige Fugen mit systemkonformen Spachtelmassen ausspritzen.
Armierungsschicht: Bei größeren Reparaturen wird eine Armierungsschicht aufgetragen und glatt verspachtelt. So sind Ausbesserungen nach dem Anstrich nicht sichtbar.
Trocknungszeit einhalten: Alle ausgebesserten Flächen müssen vollständig durchgetrocknet sein, bevor weitergearbeitet wird.
Schritt 5: Grundierung
Applikation eines auf den Untergrund abgestimmten Primers zur Verfestigung und Regulierung der Saugfähigkeit.
Bei stark saugenden Untergründen: Tiefengrund verwenden.
Bei sandendem Untergrund: Festigungsgrund auftragen, bevor die eigentliche Grundierung folgt.
Schritt 6: Zwischen- und Schlussanstrich
Zweifacher Farbauftrag im Kreuzgang für ein gleichmäßiges Ergebnis ohne Streifen oder Farbansätze.
Trocknungszeiten zwischen den Schichten einhalten: in der Regel 12 bis 24 Stunden je nach Produkt und Witterung.
Temperaturfenster: Auftrag nur bei 10–25 °C, kein Frost in der Nacht, kein Anstrich bei praller Sonne oder hoher Luftfeuchtigkeit.
Zusammenhängende Flächen immer nass in nass streichen, um Farbansätze zu vermeiden.
Tipp: Lieber etwas mehr Farbe kaufen. Besonders bei rauen oder strukturierten Flächen wird mehr verbraucht als auf der Packung angegeben.
Einen geeigneten Malerbetrieb für die Fassade finden
Für ein langlebiges Ergebnis ist der richtige Fachbetrieb entscheidend. Das gilt nicht nur für den reinen Anstrich, sondern erst recht für kombinierte Maßnahmen wie Fassadensanierung oder Dämmung.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Erfahrung und Referenzen: Fragen Sie gezielt nach abgeschlossenen Projekten, die dem Ihren ähneln – Größe, Fassadentyp, Untergrund.
Spezialisierung: Manche Betriebe haben sich auf bestimmte Verfahren oder Materialien spezialisiert wie z. B. WDVS, Silikatfarben und Denkmalschutz. Klären Sie, ob das zu Ihrem Vorhaben passt.
Mitgliedschaft im Fachverband: Innungsbetriebe des Maler- und Lackiererhandwerks unterliegen Qualitätsstandards und sind im Schadensfall haftbar.
Vollständige Angebote: Ein seriöses Angebot schlüsselt Vorarbeiten wie Reinigung, Grundierung, Putzausbesserung von Materialien und Arbeitszeit getrennt auf.
Vor der Auftragserteilung
Holen Sie mindestens drei Vergleichsangebote ein. Das schafft Kostentransparenz und zeigt, ob ein Angebot unrealistisch günstig oder teuer ist.
Lassen Sie sich vor Ort beraten: Viele Betriebe kommen kostenlos zum Objekt, um sich ein genaues Bild zu machen und ein fundiertes Angebot zu erstellen.
Bei geplanter Fassadensanierung oder Dämmung: Klären Sie, welches Wärmedämmsystem sich für Ihr Haus eignet und wie sich die Energieeffizienz dadurch verbessert.
Was kostet es, ein Haus streichen zu lassen?
Die Kosten eines Fassadenanstrichs hängen vor allem von der Fläche, dem Zustand des Untergrunds und der gewählten Farbe ab. Die folgenden Richtwerte gelten inklusive Gerüststellung.
Gesamtkosten nach Hausgröße
*Alle Preisangaben sind Richtwerte auf Basis aktueller Marktdaten. Die tatsächlichen Kosten können je nach Region, Untergrundqualität und gewähltem Farbsystem abweichen.
Zusammensetzung der Kosten pro m²
*Alle Preisangaben sind Richtwerte auf Basis aktueller Marktdaten. Die tatsächlichen Kosten können je nach Region, Untergrundqualität und gewähltem Farbsystem abweichen.
Wir von Aroundhome unterstützen Sie dabei, Ihre Hausprojekte erfolgreich und stressfrei umzusetzen – durch individuelle Beratung und die Vermittlung passender Fachfirmen. Unser Service ist für Sie komplett kostenfrei und unverbindlich, wir finanzieren uns über die Zusammenarbeit mit den Fachfirmen.
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Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, eine Hausfassade zu streichen?
Bei guter Vorbereitung ist ein einfaches Einfamilienhaus inklusive Reinigung, Grundierung und zweifachem Anstrich in etwa 3 bis 5 Werktagen fertig. Bei größeren Objekten oder aufwendigen Sanierungen kann es ein bis zwei Wochen dauern.
Brauche ich für einen neuen Fassadenanstrich eine Genehmigung?
In der Regel ist ein Neuanstrich genehmigungsfrei. Ausnahmen bestehen jedoch bei Gebäuden unter Denkmalschutz oder wenn der lokale Bebauungsplan strenge Vorgaben zur Farbgestaltung macht. Fragen Sie im Zweifel beim Bauordnungsamt nach.
Wie lange hält eine professionell gestrichene Fassade?
Ein fachgerecht ausgeführter Anstrich mit hochwertigen Materialien, wie beispielsweise Silikonharzfarbe, hält etwa 10 bis 15 Jahre. Wie lange er tatsächlich hält, hängt von der Witterung, der Himmelsrichtung und dem Dachüberstand ab.
Kann man einen Altanstrich einfach überstreichen?
Das hängt von der Tragfähigkeit der alten Farbe ab. Ist der Altanstrich kreidend, rissig oder blättert er ab, muss er vorab entfernt oder verfestigt werden. Andernfalls haftet der neue Anstrich nicht.
Wann ist die beste Jahreszeit, um die Fassade streichen zu lassen?
Das späte Frühjahr und der frühe Herbst sind ideal. Die Temperaturen sollten zwischen 10 und 25 °C liegen und es sollte weder direkte Sonne noch Regen geben.