Hohe Gaspreise in Sicht? Was Haushalte jetzt wissen sollten
Die deutschen Gasspeicher sind ungewöhnlich niedrig gefüllt. Verbraucherschützer warnen vor steigenden Gaspreisen in der kommenden Heizsaison.
Aktuell sind die deutschen Gasspeicher nur etwa zur Hälfte gefüllt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt deshalb vor höheren Gaspreisen. „Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten“, sagte Verbandsvorständin Ramona Pop.
Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen die meisten Gasspeicher zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein. Dass dieses Ziel erreicht wird, gilt allerdings zunehmend als unwahrscheinlich. Grund dafür ist unter anderem, dass wegen der hohen Weltmarktpreise infolge des Iran-Krieges seit Monaten vergleichsweise wenig Gas eingelagert wird. Gleichzeitig hat die Sperrung der Straße von Hormus das weltweite Angebot an Flüssigerdgas (LNG) verringert.
Deutschland ist heute besser vorbereitet
Auch das Bundeswirtschaftsministerium verfolgt die Lage. Eine Sprecherin erklärte vergangene Woche in Berlin, die Gasimporteure seien aufgefordert, ihre Speicher weiter zu befüllen. Die derzeitigen Füllstände seien „noch sehr gering“.
Gleichzeitig verweist das Ministerium auf einen wichtigen Unterschied zur Gaskrise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Deutschland verfüge inzwischen über eigene Importkapazitäten für LNG und könne sich laufend mit Gas versorgen.
Der europäische Gaspreis ist unterdessen deutlich gestiegen. Der richtungsweisende TTF-Terminkontrakt für die Lieferung in einem Monat kostete am 24. August an der Amsterdamer Börse 66,59 Euro je Megawattstunde. Damit erreichte der Preis den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Krieges.
Bundesnetzagentur nimmt Gashändler in die Pflicht
Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller sieht vor allem die Gashändler in der Verantwortung. Gas sei ausreichend verfügbar. „Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat“, erklärte er gegenüber T-Online. Er erwarte, dass die Händler ihrer Verantwortung nachkommen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) führt nach Angaben ihres Hauses Gespräche, um weitere Gaslieferverträge mit potenziellen Lieferanten auf den Weg zu bringen. Zugleich betonte eine Sprecherin, dass man jederzeit reagieren könne. Oberste Priorität habe die Sicherung der Gasversorgung im Winter. Künftig soll außerdem eine strategische Gasreserve die Versorgung absichern. Die Finanzierung ist bislang allerdings offen.
Verbraucherschützerin Ramona Pop rät Gaskund:innen, jetzt ihre Verträge zu prüfen. Eine Preisbindung über den Winter hinaus kann vor steigenden Kosten schützen. Gleichzeitig sollten Haushalte die Tarife verschiedener Anbieter vergleichen und insbesondere in der Grundversorgung prüfen, ob sich ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter lohnt.