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Weniger Strom durch Niedrigwasser: Was bedeutet das für die Preise?

Lesezeit: 3 minClaudia Mühlbauer

Niedrigwasser reduziert die Stromerzeugung aus Wasserkraft. Das kann die Strompreise zeitweise erhöhen, eine generelle Stromknappheit droht in Deutschland aber nicht.

Niedriger Wasserstand des Rheins in Köln mit breiten, trockenen Kiesbänken

Das extreme Niedrigwasser in deutschen Flüssen wirkt sich inzwischen auch auf die Stromerzeugung aus. Wasserkraftwerke können deutlich weniger Strom produzieren. Am Wasserkraftwerk Reckingen am Hochrhein fließen derzeit beispielsweise nur rund 160 statt der üblichen 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Daher wird dort aktuell nur etwa ein Drittel der normalen Strommenge erzeugt.

Wenn solche Kraftwerke weniger Strom liefern, kann das Angebot am Strommarkt in bestimmten Zeiten geringer ausfallen. Der Energieexperte Leonhard Gandhi vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE geht deshalb davon aus, dass Niedrigwasser Strom in einzelnen Stunden verteuern kann. Eine generelle Stromknappheit erwartet er jedoch nicht.

Für Haushalte bedeutet das vor allem: Die aktuellen niedrigen Pegelstände sind kein Grund für die Annahme, dass die Stromrechnung automatisch deutlich steigt. Der Effekt zeigt sich laut der Experteneinschätzung vielmehr punktuell am Strommarkt.

Europäischer Strommarkt gleicht Ausfälle aus

Dass weniger Strom aus Wasserkraft zur Verfügung steht, kann durch andere Kraftwerke ausgeglichen werden. Deutschland verfügt über ein breites Portfolio verschiedener Stromerzeugungsanlagen. Wenn einzelne Kraftwerke wegen niedriger Wasserstände nicht oder nur eingeschränkt produzieren können, können andere Anlagen einspringen.

Auch der europäische Strommarkt trägt zum Ausgleich bei. Selbst in Frankreich mussten im Juni mehrere Atomreaktoren ihre Leistung wegen zu warmer Flüsse reduzieren. Zu Stromengpässen kam es dort laut Gandhi trotzdem nicht, weil der europäische Strommarkt die fehlende Erzeugung ausgleichen konnte.

Der Anteil der Wasserkraft an der deutschen Stromerzeugung ist zudem begrenzt. In den vergangenen 20 Jahren lag er laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zwischen knapp 3 und gut 4 Prozent. Allerdings lag die Wasserkrafterzeugung in diesem Jahr bislang jeden Monat deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre.

Solarstrom gewinnt bei Hitze an Bedeutung

Für das Stromsystem hat Photovoltaik gerade bei heißem Wetter einen Vorteil: Sie erzeugt besonders dann viel Strom, wenn gleichzeitig der Verbrauch steigt. Nach Angaben Gandhis stehen inzwischen mehr als 125 Gigawatt-Peak Photovoltaikleistung zur Verfügung. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Batteriespeicher zu.

Weitere Speicher werden nach Einschätzung des Wissenschaftlers trotzdem benötigt. Sie können insbesondere dabei helfen, Solarstrom für die Morgen- und Abendstunden bereitzuhalten, wenn die Photovoltaikanlagen weniger oder keinen Strom produzieren.

Niedrigwasser könnte künftig häufiger auftreten

Nach Einschätzung des BDEW könnten extreme Trockenperioden künftig häufiger zum Problem werden. Die Pegelstände von Flüssen hängen vor allem von Niederschlägen und der Schneeschmelze im Frühjahr ab. Hinzu kommt, dass das saisonale Abschmelzen der Gletscher die Wasserstände in den Sommermonaten bislang stabilisiert hat. Durch den langfristigen Rückgang der Gletscher dürfte dieser Effekt schwächer werden. Niedrige Pegelstände könnten im Sommer deshalb künftig häufiger auftreten.

Niedrigwasser betrifft dabei nicht nur Wasserkraftwerke. Auch Gas- und Kohlekraftwerke sowie bestimmte Atomkraftwerke können betroffen sein, wenn sie für ihre Kühlung Flusswasser benötigen. Bei Steinkohlekraftwerken erschweren niedrige Wasserstände zudem den Transport der Kohle, weil Schiffe dann weniger Ladung aufnehmen können.

Als langfristige Lösung sehen die Experten unter anderem den weiteren Ausbau von Solar- und Windkraft sowie von Stromspeichern. Diese Formen der Stromerzeugung sind nicht auf Kühlwasser aus Flüssen angewiesen.

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