Heizungstausch sparen? So kann KI die Heizkosten senken
Öl- und Gasheizungen müssen nicht immer ausgetauscht werden, um Energie zu sparen. Ein Start-up vernetzt smarte Thermostate, die zentrale Heizungssteuerung und KI, um bestehende Anlagen effizienter zu machen.
Bestehende Öl- und Gasheizungen lassen sich auch ohne bauliche Maßnahmen digital optimieren. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die Wärmeversorgung laufend an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, indem sie beispielsweise Raumtemperaturen, Nutzungsverhalten und Wetterbedingungen auswertet und die Heizleistung entsprechend steuert.
Einen Schritt weiter geht das hessische Start-up cosy.green. Es verknüpft smarte Thermostate in den Wohnungen von Mehrfamilienhäusern mit der zentralen Heizungssteuerung sowie einem KI-basierten Algorithmus. Nach Angaben des Unternehmens konnten bisherige Vertragspartner dadurch im Schnitt 25 bis 29 Prozent Energie sparen.
Gerade in Mehrfamilienhäusern sind bestehende Heizungen häufig nicht optimal auf den tatsächlichen Bedarf eingestellt. Weil ein Heizungstausch dort aber aufwendig und trotz staatlicher Förderung mit hohen Kosten verbunden ist, setzt das Start-up auf die digitale Optimierung vorhandener Anlagen.
Heizungsanlage als Gesamtsystem steuern
Gründer Alexander Hirsch erklärt, dass bei herkömmlichen Heizungen Kessel, Thermostate und Pumpen häufig unabhängig voneinander arbeiten. Auch viele Smart-Home-Lösungen beschränkten sich auf einzelne Wohnungen und seien nicht mit dem Heizkessel verbunden. Das Konzept des Unternehmens sieht dagegen vor, die einzelnen Komponenten zu einem gemeinsamen System zu vernetzen.
Dafür werden smarte Thermostate in den Wohnungen mit einer zentralen Steuerungseinheit im Heizungsraum verbunden. Ein Algorithmus verarbeitet die Daten der Thermostate, Angaben der Bewohner:innen und Wetterdaten und passt die Steuerung in Echtzeit an.
Über eine App können Bewohner:innen die Temperatur in ihren Räumen individuell einstellen. Wird beispielsweise das Wohnzimmer tagsüber nicht genutzt, lässt sich die Heizung herunterregeln und später wieder auf die gewünschte Temperatur bringen. Wird ein Fenster geöffnet, erkennen die Thermostate dies und schließen automatisch das Heizungsventil. Das System soll so Energie sparen, ohne den Wohnkomfort zu verringern.
Pilotprojekt spart 7 Tonnen CO₂
Zu den ersten Kunden von cosy.green gehört die Stadtverwaltung im hessischen Langenselbold. Sie nutzt die Technik seit einem halben Jahr in zwei städtischen Wohngebäuden mit insgesamt 50 Wohneinheiten.
Für das Jahresabo zahlt die Stadt 235 Euro pro Wohnung. Die Kosten werden über die Nebenkosten auf die jeweiligen Mieter:innen umgelegt. Nach Angaben der Stadt hatten sich die zusätzlichen Kosten durch die erzielten Einsparungen bereits nach sechs Monaten ausgeglichen. Darüber hinaus habe es eine Rückzahlung von rund 45 Euro pro Wohneinheit gegeben. Durch die digitale Steuerung konnten in den beiden Gebäuden insgesamt sieben Tonnen CO₂ eingespart werden.
Sowohl Mieter:innen auch auch Wohnungseigentümer:innen könnten von einer solchen Lösung profitieren. Die digitale Steuerung kann helfen, den Energieverbrauch der einzelnen Wohnungen bedarfsgerechter zu steuern. Gerade bei älteren Öl- oder Gasheizungen könnte sich so Einsparpotenzial ergeben, ohne dass die gesamte Heizungsanlage ausgetauscht werden muss.