Wenn der Hausverwalter abkassiert: So leicht können Rücklagen verschwinden
Aktuelle Fälle zeigen, wie unseriöse Hausverwalter:innen auf Instandhaltungsrücklagen zugreifen. Gleichzeitig könnten geplante Lockerungen der Anforderungen an Verwalter:innen die Risiken für Eigentümer:innen weiter verschärfen.
Für Wohnungseigentümergemeinschaften sind Instandhaltungsrücklagen essentiell. Über Jahre angespart, dienen sie dazu, Reparaturen und Modernisierungen zu finanzieren. Doch genau dieses Kapital wird immer wieder Ziel von Veruntreuung.
Ein Beispiel ist ein Eigentümerpaar aus dem Raum Frankfurt: Ihm sind über 100.000 Euro verloren gegangen, die eigentlich für Sanierungen vorgesehen waren. Der Verwalter soll das Geld auf eigene Konten überwiesen haben. Anfangs habe die Zusammenarbeit noch problemlos funktioniert, berichten die Betroffenen.
Auch andere Fälle zeigen die Tragweite: In Bad Homburg beläuft sich der Schaden auf rund 30.000 Euro – zusätzlich wurden Versicherungsbeiträge nicht gezahlt. Im Ernstfall hätte das gravierende Folgen haben können.
Kein Einzelfall: Strukturelles Problem bei Hausverwaltungen
Expert:innen sehen darin kein isoliertes Problem. Mathias Enke, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, spricht von einer Entwicklung, die inzwischen „fast zur Tagesordnung“ gehört. Der Hintergrund: Hausverwalter:innen haben direkten Zugriff auf die teils erheblichen finanziellen Mittel einer Eigentümergemeinschaft. Diese Struktur funktioniert gut, solange Verwalter:innen seriös arbeiten. Ist das nicht der Fall, kann das System jedoch schnell zum Risiko werden.
Nicht immer handelt es sich bei den Fällen um direkte Veruntreuung. In Hamburg berichten Eigentümer:innen, dass ihre Hausverwaltung ohne ihr Wissen Rücklagen in spekulative Anleihen investiert habe. Das Ergebnis: ein Verlust von über 500.000 Euro, da die Anlagen inzwischen nahezu wertlos sind.
Fehlende Rücklagen bringen Eigentümergemeinschaften in Bedrängnis
Ohne finanzielle Reserven geraten viele Eigentümergemeinschaften in eine schwierige Lage. Notwendige Maßnahmen am Gebäude können nicht umgesetzt werden und gleichzeitig steigen die Risiken für größere Schäden. Branchenexpert:innen betonen daher die Bedeutung einer transparenten Verwaltung. Laut Giorgi Chachanovi, Geschäftsführer der Schinke Immobilienverwaltung, spielen Kontrollmechanismen wie Verwaltungsbeiräte dabei eine zentrale Rolle.
Laut Wohnungseigentumsgesetz sind diese Gremien unter anderem dafür zuständig, die Arbeit der Verwalter:innen zu überwachen. Entscheidend ist jedoch, dass diese Kontrolle aktiv wahrgenommen wird: Abrechnungen, Belege und Kontobewegungen sollten regelmäßig geprüft werden.
Kaum Zugangshürden für Hausverwalter
Ein zentrales Problem bleibt die geringe Regulierung der Branche. Um als Hausverwalter:in tätig zu sein, ist keine spezielle Ausbildung erforderlich. Lediglich eine Weiterbildung von 20 Stunden innerhalb von drei Jahren ist vorgeschrieben. Doch selbst diese Mindestanforderung könnte es bald nicht mehr geben, denn die Bundesregierung plant, die Weiterbildungspflicht im Zuge des Bürokratieabbaus abzuschaffen.
Das sorgt für Kritik. Branchenvertreter:innen fordern seit Jahren einen verpflichtenden Sachkundenachweis mit Prüfung. Ein entsprechender Ansatz wurde zwar bereits diskutiert, jedoch nie umgesetzt. Laut Bundeswirtschaftsministerium gibt es bislang keine ausreichenden Belege für die Notwendigkeit einer solchen Regelung.