Wärme aus der Tiefe: Welche Rolle Geothermie künftig spielen könnte
Tiefengeothermie kann eine erneuerbare Wärmequelle für Wärmenetze sein. Die kommunale Wärmeplanung und die unsichere Gasversorgung treiben das Interesse zusätzlich an.
Die Geothermie erlebt in Deutschland einen deutlichen Aufschwung: Laut dem Bundesverband Geothermie hat sich die Zahl der Projekte seit 2021 verfünffacht. Aktuell gibt es 188 Projekte mit einer Aufsuchungserlaubnis, etwa 20 befinden sich im Bau.
Mit einer Aufsuchungserlaubnis können Unternehmen in einem festgelegten Gebiet und für einen bestimmten Zeitraum nach Erdwärme suchen. Die damit möglichen Untersuchungen sollen zeigen, ob sich der Untergrund für die Nutzung von Geothermie eignet. Nach Einschätzung von Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie, gibt es derzeit eine „völlig neue Dynamik“ bei der Erschließung der Wärme aus dem Untergrund.
Großes Geothermie-Projekt im Ruhrgebiet
Bei der Tiefengeothermie wird Wärme aus Gesteinsschichten ab einer Tiefe von 400 Metern genutzt. Je nach geologischen Bedingungen können die Bohrungen jedoch auch mehrere Kilometer tief sein.
Ein besonders großes Erkundungsvorhaben dieser Art gibt es derzeit im Ruhrgebiet. Für das Projekt „Erdwärme Metropole Ruhr“ wurde im Juni die bislang größte Aufsuchungserlaubnis Deutschlands erteilt. Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich von Oberhausen bis Hamm sowie von Marl bis Schwerte.
Geologische Untersuchungen sollen zeigen, wo sich geeignete Wärmereservoirs befinden und wo mögliche Probebohrungen infrage kommen. Ziel des Projekts ist es, erneuerbare Wärme für bestehende und neue Wärmenetze zu erschließen und damit fossile Energieträger zu ersetzen.
Wärmeplanung erhöht Interesse an Erdwärme
Dass die Geothermie derzeit stärker in den Fokus rückt, hängt nach Einschätzung von Branchenvertretern auch mit der kommunalen Wärmeplanung zusammen. Städte und Gemeinden beschäftigen sich dabei mit ihrer künftigen Wärmeversorgung und damit auch mit möglichen Wärmequellen. Dadurch werde die Geothermie häufiger betrachtet.
Auch die veränderte Situation auf dem Gasmarkt hat laut Herbert Pohl, Chef der Deutschen Erdwärme, das Interesse an Alternativen zu Erdgas verstärkt. Dazu hätten die Folgen des Ukrainekriegs für die Gasversorgung und die Sperrung der Straße von Hormus beigetragen.
Zudem lässt sich das Risiko von Geothermiebohrungen inzwischen absichern. Ende 2025 wurde dafür die sogenannte Fündigkeitsabsicherung eingeführt. Sie greift, wenn eine Bohrung nicht die erwartete Wärmeleistung erbringt. Ist sie vollständig erfolglos, wird der gesamte vereinbarte Versicherungsbetrag ausgezahlt. Bleibt die Wärmeleistung hinter den Erwartungen zurück, übernimmt die Versicherung einen Teil. Angeboten wird die Absicherung von KfW und Munich Re, ergänzt durch KfW-Förderkredite.
Potenzial regional sehr unterschiedlich
Wie groß der mögliche Beitrag der Geothermie zur Wärmeversorgung Deutschlands ist, wird unterschiedlich eingeschätzt. Der Bundesverband Geothermie hält es mit den etablierten Verfahren für möglich, mehr als die Hälfte des deutschen Wärmebedarfs zu decken. Das Umweltbundesamt geht von einem Potenzial von bis zu 20 Prozent des Wärmeverbrauchs aus. Aktuell liegt der Anteil der Tiefengeothermie an der Wärmeversorgung allerdings noch bei deutlich unter einem Prozent.
Die Möglichkeiten unterscheiden sich zudem regional. Der Großraum München gehört aufgrund günstiger geologischer Bedingungen bereits seit Jahren zu den Vorreitern. Auch am Oberrhein gibt es große Potenziale. In Mannheim soll die Tiefengeothermie künftig neben weiteren erneuerbaren Wärmequellen einen wichtigen Beitrag zur Fernwärme leisten.
Auch in Potsdam wird die Technologie ausgebaut. Bis 2030 sollen dort vier Geothermieanlagen entstehen und rund 30 Prozent des heutigen städtischen Wärmebedarfs decken. Bis 2045 sind nach aktueller Planung bis zu sieben Anlagen vorgesehen.