Über 4 Prozent Bauzinsen: Worauf es beim Hauskauf jetzt ankommt
Die Bauzinsen sind deutlich gestiegen und machen die Immobilienfinanzierung spürbar teurer. Die Energieeffizienz wird bei der Kreditvergabe zunehmend wichtiger.
Die Finanzierung eines Eigenheims wird teurer: Laut dem Baufinanzierungsvermittler Interhyp liegen die Zinsen für zehnjährige Darlehen aktuell bei durchschnittlich 4,38 Prozent. Vor einem Jahr waren es im Schnitt noch 3,66 Prozent. Kaufinteressierte müssen die höheren monatlichen Finanzierungskosten einkalkulieren.
Ausschlaggebend für die Bauzinsen ist vor allem das langfristige Zinsniveau am Kapitalmarkt. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind zuletzt deutlich gestiegen und erreichten Mitte September zeitweise den höchsten Stand seit gut 17 Jahren. Dadurch verteuert sich die Refinanzierung der Banken, was sich auf die Bauzinsen auswirkt.
Zusätzlich haben die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs die Sorgen vor einer länger anhaltenden Inflation verstärkt. Interhyp-Vorstandschef Jörg Utecht erwartet deshalb zunächst keine schnelle Entspannung und rechnet damit, dass die Bauzinsen vorerst über 4 Prozent bleiben.
Energieeffizienz wird bei der Finanzierung wichtiger
Die höheren Zinsen wirken sich bereits auf die Nachfrage aus: Nach Angaben der Bundesbank ist die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten im zweiten Quartal so stark zurückgegangen wie seit drei Jahren nicht mehr.
Gleichzeitig haben viele Banken ihre Anforderungen an Kreditnehmer:innen verschärft. Als Gründe werden unter anderem höhere Kreditrisiken, gestiegene Refinanzierungskosten und eine geringere Risikotoleranz genannt. Damit kann es für Kaufinteressierte neben höheren Kosten auch schwieriger werden, die gewünschte Finanzierung zu erhalten.
Zunehmend spielt auch der energetische Zustand einer Immobilie der Kreditvergabe eine Rolle. Laut Bundesbank haben Banken ihre Kreditrichtlinien für Immobilien mit schlechter Energieeffizienz zusätzlich verschärft. Bei Gebäuden mit aktuell oder künftig hoher Energieeffizienz wirkten sich Klimaaspekte dagegen leicht positiv auf die Kreditbedingungen aus.
Auch bei der Anschlussfinanzierung steigen die Kosten
Auch Eigentümer:innen, deren Zinsbindung ausläuft, müssen mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Weil die Restschuld nach mehreren Jahren Tilgung meist deutlich geringer ist als beim ursprünglichen Darlehen, fällt die zusätzliche monatliche Belastung allerdings häufig weniger stark aus als der reine Vergleich der Zinssätze vermuten lässt.
Mit einem Forward-Darlehen lässt sich heute ein Zinssatz für die spätere Anschlussfinanzierung sichern. Dafür verlangen Banken jedoch einen Aufschlag. Eigentümer:innen sollten deshalb verschiedene Angebote prüfen und nicht in jedem Fall bei ihrer bisherigen Bank bleiben. Ein Wechsel ist häufig unkompliziert, da die Grundschuld übertragen werden kann. Die dafür meist anfallenden Kosten von einigen hundert Euro können sich durch einen günstigeren Zinssatz schnell ausgleichen.
Wie sich das Zinsniveau weiterentwickelt, ist derzeit schwer abzuschätzen. Sollte sich der Iran-Konflikt entspannen und die Energiepreise sinken, könnte auch der Inflationsdruck nachlassen. Das könnte wiederum die Anleiherenditen und tendenziell die Bauzinsen drücken.