Eigenheim wird zum Sorgenfall: Jeder Fünfte hat Angst vor dem Verlust
Die Zahl der Menschen, die sich um den Verlust ihres Eigenheims sorgen, wächst. Gleichzeitig fühlen sich viele von der Politik im Stich gelassen.
Die Sorge, das eigene Zuhause zu verlieren, nimmt zu: Mittlerweile bangt jeder Fünfte um sein selbstgenutztes Wohneigentum. Im vergangenen Jahr war es noch jeder Sechste. Gleichzeitig erschweren hohe Bau- und Lebenshaltungskosten den Erwerb und die Sanierung von Häusern und Wohnungen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 2.248 in Deutschland lebenden Personen im Auftrag des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN).
Einkommensschwache Haushalte besonders betroffen
Die Sorge um das Eigenheim trifft nicht alle gleich. Bei Eigentümer:innen mit niedrigem Einkommen fürchtet sogar fast jeder Vierte den Verlust des Eigenheims. Das entspricht 24 Prozent dieser Gruppe. Hohe Energiepreise, steigende Grundsteuern und teure Instandhaltungskosten belasten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark.
Gleichzeitig bleibt der Traum vom Eigenheim für viele unerreichbar. Nur acht Prozent der Befragten planen derzeit den Kauf oder Bau einer eigenen Immobilie. Für 20 Prozent derer, die sich Wohneigentum wünschen, ist dieser Wunsch schlicht nicht finanzierbar. Vor fünf Jahren war der Weg in die eigenen vier Wände laut Forsa noch deutlich einfacher.
Energetische Sanierung für viele zu teuer
Auch bei der energetischen Sanierung zeigt sich Zurückhaltung. Nur jeder Sechste plant laut der Umfrage derzeit, das Haus energetisch zu sanieren. Bei Menschen mit niedrigem Einkommen liegt der Anteil sogar bei lediglich neun Prozent.
Als wichtigsten Grund gegen eine Sanierung nennen die Befragten die hohen Kosten: Fast 40 Prozent halten eine energetische Sanierung für zu teuer. Gleichzeitig fühlen sich 46 Prozent nicht ausreichend über Fördermöglichkeiten informiert. Das sind elf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Dabei ist der grundsätzliche Wille zur Sanierung durchaus vorhanden: 44 Prozent der Hauseigentümer:innen halten eine energetische Sanierung in so gut wie jedem Fall für sinnvoll. Was fehlt, sind Klarheit über die Förderprogramme und finanzielle Spielräume.
Förderprogramme: Zu kompliziert, zu unbekannt
Der VDGN sieht bei der Förderung energetischer Sanierungen erheblichen Handlungsbedarf. 64 Prozent der Befragten nennen attraktive Förderbedingungen als wichtigen Anreiz für eine Sanierung. 55 Prozent fordern einfachere Förderangebote.
Die Programme müssten verständlicher kommuniziert werden. Der Verband fordert außerdem eine bundesweite, zentrale Anlaufstelle sowie höhere Fördertöpfe. Nach Ansicht des VDGN sollten die Bedingungen und Förderhöhen einzelner Programme jeweils mindestens drei Jahre festgeschrieben werden. Dadurch sollen Eigentümer:innen mehr Planungssicherheit bei Sanierungsvorhaben erhalten.
Wunsch nach dem eigenen Zuhause bleibt bestehen
Der Wunsch nach selbstgenutztem Wohneigentum ist weiterhin groß. Nach Einschätzung des VDGN wird der Weg zum eigenen Haus oder zur eigenen Wohnung jedoch durch die hohen Bau- und Lebenshaltungskosten zunehmend schwieriger.
Der Verband fordert deshalb unter anderem, den erstmaligen Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum zu erleichtern. Genannt werden eine Senkung oder ein Erlass der Grunderwerbsteuer für Familien sowie günstigere Zinsen für Immobilienkredite. Positiv bewertet der VDGN Ansätze wie die Programme „Jung kauft Alt" und „Wohneigentum für Familien", bei denen die Sanierungsanforderungen teils abgesenkt wurden.
Politik soll liefern – Mehrheit erwartet Umsetzung
Auch für bestehende Eigentümer:innen fordert der VDGN Entlastungen, etwa durch einkommensabhängige Härtefallregelungen bei der Grundsteuer oder niedrigere Energiepreise. Drei von vier Deutschen sprechen sich zudem für eine Senkung der Stromsteuer aus. 85 Prozent erwarten von der Politik, dass angekündigte Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.
65 Prozent der Befragten fordern parteiübergreifend eine stärkere staatliche Unterstützung beim Erwerb von Wohneigentum. Besonders häufig genannt werden dabei
die steuerliche Begünstigung von selbst genutztem Wohneigentum (69 Prozent),
eine deutliche Senkung der Grunderwerbsteuer (59 Prozent) sowie
die Wiedereinführung der Eigenheimzulage (51 Prozent).