Starkregen: Könnte diese Fassade auch Eigenheime schützen?
Das Fraunhofer-Institut entwickelt eine Fassade, die Regenwasser speichern kann. Das könnte bei Starkregen entlasten und zur Kühlung beitragen.
Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) hat mit dem „Vertical Water Sponge“ ein System entwickelt, das Regenwasser direkt am Gebäude zurückhalten soll. Dazu soll Niederschlag aufgenommen und später über Verdunstung wieder abgegeben werden. Interessant könnte das Prinzip perspektivisch nicht nur für Städte, sondern auch für Wohngebäude sein. Noch ist das Konzept allerdings nicht serienreif.
Fassaden als zusätzlicher Wasserspeicher
Beim „Vertical Water Sponge“ werden Speichermodule an einer Gebäudefassade angebracht und mit der Dachentwässerung verbunden. Das vom Dach ablaufende Regenwasser wird dabei in die Module geleitet. Dort nimmt ein mineralisches Gestein wie Perlit das Wasser auf.
Die Module bestehen aus einer durchlässigen Außenhülle und einem wasserspeichernden Kern. Ist die Speicherkapazität ausgeschöpft, kann überschüssiges Wasser aus den Elementen ablaufen oder weitergeleitet werden. Durch die Belüftung der Module soll das Material anschließend wieder trocknen können.
Für ein Beispielgebäude haben die Forschenden berechnet, dass mit wasserspeichernden Fassadenplatten etwa aus Kalksandstein bei einem sechsstöckigen Gebäude bis zu 10.000 Liter Wasser zurückgehalten werden könnten.
Gespeichertes Wasser soll Gebäude abkühlen
Der „Vertical Water Sponge“ soll nicht nur bei Starkregen helfen. Weil das gespeicherte Wasser nach dem Niederschlag allmählich verdunstet, kann sich die Fassade abkühlen und die Temperatur in ihrer Umgebung sinken.
Nach Angaben der Entwickler:innen ist das System zudem so konzipiert, dass es auch an bestehenden Gebäuden nachgerüstet werden könnte. Die Kassetten könnten beispielsweise mit einem Lochblech aus Aluminium verkleidet werden. Auch andere Materialien sowie eine Kombination mit Fassadenbegrünung sind denkbar.
Noch fehlen Erfahrungen zu Kosten und Wartung
Für einen breiten Einsatz müssen jedoch noch offene Fragen geklärt werden. Dazu gehören unter anderem die Statik und baurechtliche Anforderungen, da Fassaden dem Bauordnungsrecht der jeweiligen Bundesländer unterliegen.
Auch zur notwendigen Wartung und Reinigung gibt es bislang keine Erfahrungswerte. Unklar ist deshalb unter anderem, wie häufig das Gestein ausgetauscht werden müsste. Gleiches gilt für die Kosten des Systems.
Bisher gibt es zwei Versuchsaufbauten. Das Fraunhofer-Team sucht nun Partner aus der Industrie, um einen Prototypen zu entwickeln. Dieser soll unter anderem zeigen, wie sich das System im praktischen Betrieb bewährt.