Extremwetter: Schutz vor Starkregen und Überschwemmungen im Eigenheim
Starkregen infolge eines Sommergewitters kann Grundstücke innerhalb kürzester Zeit überfluten. Fachleute raten zu Vorsorgemaßnahmen für das eigene Haus.
Wetterphänomene wie Starkregen kommen infolge des Klimawandels immer häufiger vor. Anders als ein klassisches Hochwasser kann Starkregen auch fernab von Gewässern auftreten und jeden Ort unvorhersehbar treffen. „Starkregen sind tückisch, weil man eigentlich keine Vorwarnzeit hat“, erklärt Bauingenieur Armin Binder gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR). „Es kommt so plötzlich, da kannst du nicht mehr reagieren. Du musst dir vorher Gedanken machen, wie du dich schützen kannst.“
Um Zerstörungen an Gebäuden und hohe Kosten infolge von Überschwemmungen abzuwenden, empfehlen Fachleute Vorsorgemaßnahmen. So rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Hauseigentümer:innen beispielsweise dazu, Lichtschächte baulich aufzustocken und Rückstauklappen zu installieren. Zudem empfiehlt der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Erstellung eines privaten Notfallplans, um das Gebäude auch bei Abwesenheit in der Urlaubszeit abzusichern.
Sturzfluten und überlastete Kanäle: Das Risiko von Extremwetter
Plötzlicher Starkregen entsteht oft bei heftigen Hitzegewittern. Der DWD warnt vor Starkregen, wenn innerhalb einer Stunde mehr als 25 Liter oder binnen sechs Stunden über 35 Liter pro Quadratmeter fallen. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 wurden sogar bis zu 150 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden gemessen. Wenn solche enormen Wassermengen nicht schnell genug im Erdreich versickern oder über die Kanalisation abgeleitet werden, können Sturzfluten entstehen.
Laut dem BBK drohen bei Starkregen folgende Gefahren:
Sturzfluten können innerhalb sehr kurzer Zeit überall auftreten, nicht nur in der Nähe von Gewässern.
In Unterführungen und Geländemulden sammelt sich das Wasser bei Starkregen sehr schnell und steigt.
Schon leichte Hanglagen reichen aus, damit das Regenwasser mit Wucht auf Gebäude zuströmt.
Das Abwassernetz ist für solche Wassermengen meist nicht ausgelegt. Kommt es zum Rückstau in der Kanalisation, können Straßen, Grundstücke und Häuser geflutet werden.
Kurzfristige Sofortmaßnahmen bei Starkregen
Zieht ein heftiges Gewitter auf, fehlt oft die Zeit für aufwendige Vorbereitungen. Ein privater Notfallplan hilft, schnell zu reagieren. Fachbehörden wie das BBK und der DWD raten zu diesen Maßnahmen:
Warn-Apps nutzen: Apps wie NINA oder die WarnWetter-App warnen rechtzeitig vor Extremwetter.
Gefahrenzonen meiden: Überflutete Keller und Tiefgaragen sind lebensgefährlich und sollten nicht betreten werden. Der Strom sollte in nassen Räumen sofort abgeschaltet werden.
Gebäude abdichten: Türen, Fenster und Lichtschächte lassen sich kurzfristig mit Sandsäcken oder wasserfesten Sperrholzplatten abdichten.
Dokumente sichern: Wichtige Papiere und Wertgegenstände sollten rechtzeitig in obere Stockwerke gebracht oder digital gespeichert werden.
Urlaubszeit planen: Im Vorfeld einer längeren Abwesenheit sollte geklärt werden, wer das Haus kontrolliert und im Notfall schützt.
Langfristige Vorsorgemaßnahmen am Gebäude
Was Hauseigentümer:innen langfristig zum Schutz tun sollten, erklärt Umweltberaterin Eva Hahnau von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber der Kölnischen Rundschau: „Man muss das Haus vor Oberflächenwasser und Rückstau schützen. Das ist übrigens Aufgabe der Hausbesitzer.“ Ein wichtiger Faktor sei dabei ein Gefälle, das den Niederschlag vom Gebäude wegleitet. „Sie dürfen aber nichts installieren, was Regenwasser auf das Grundstück Ihres Nachbarn leitet.“
Für einen dauerhaften Schutz vor Starkregen und Überschwemmungen sorgen folgende Anpassungen:
Eingangsbereiche erhöhen: Eingänge sollten 15 bis 20 Zentimeter über dem Geländeniveau liegen.
Lichtschächte und Kellertreppen sichern: Eine 15 Zentimeter hohe Schwelle schützt Kellertreppen davor, dass Wasser hinabfließt. Lichtschächte vor Kellerfenstern können mit robusten Kästen aufgestockt werden.
Türen und Fenster abdichten: Für ebenerdige Türen und Kellerfenster empfiehlt sich der Einbau spezieller, druckwasserdichter Modelle.
Einfahrten schützen: Mit Bodenschwellen lassen sich abfallende Zufahrten und tiefer liegende Garagen vor Überschwemmungen schützen.
Pumpen installieren: An der tiefsten Stelle des Gebäudes ist ein Pumpensumpf mit Tauchpumpe sinnvoll. Im Idealfall wird diese durch ein Notstromaggregat abgesichert.
Grundstück bepflanzen: Vorgärten und Dachbegrünungen saugen Regenwasser wie ein Schwamm auf und entlasten so die Kanalisation.
Flächen entsiegeln: Komplett gepflasterte Wege und Einfahrten führen dazu, dass sich das Wasser staut. Besser sind Rasengittersteine, da das Regenwasser versickern kann.
Schutz vor Kanalrückstau in tiefer liegenden Räumen
Bei extremem Starkregen stößt die örtliche Kanalisation schnell an ihre Grenzen. Staut sich das Abwasser, drückt es durch die Rohre zurück in die Häuser. In der Folge tritt Wasser aus Toiletten oder Bodenabläufen im Keller aus. Hahnau betont, dass Hauseigentümer:innen über die kommunalen Entwässerungssatzungen oft dazu verpflichtet sind, sich selbst gegen dieses Risiko abzusichern. Wer keine funktionierende Rückstausicherung besitzt, muss für die entstandenen Schäden meist selbst aufkommen. Fachbetriebe prüfen oder installieren zum Beispiel Abwasserhebeanlagen und Rückstauklappen im Keller. Diese Schutzvorrichtungen sollten jährlich gewartet werden, damit sie nicht durch Schmutz oder Ratten blockiert oder beschädigt werden.
Fehlender Versicherungsschutz bei Überschwemmungen
Hauseigentümer:innen sollten bei der Versicherung genau auf die Vertragsbedingungen achten. Denn eine reguläre Wohngebäude- oder Hausratversicherung deckt Schäden durch Starkregen nicht ab. „Hauseigentümer sollten eine Elementarschadenversicherung abschließen, die Rückstau einschließt“, empfiehlt Hahnau. Die Kosten für diesen zusätzlichen Schutz variieren je nach regionalem Schadensrisiko. Für eine reibungslose Schadensabwicklung im Ernstfall ist es zudem ratsam, die regelmäßigen Wartungstermine der Rückstauklappe zu dokumentieren. Das BBK empfiehlt außerdem, vorab Fotos oder Videos vom unbeschädigten Gebäude und Inventar anzufertigen.