Schutz für Haus und Wohnung: Polizei warnt vor gekippten Fenstern
Warmes Wetter verleitet oft dazu, Fenster dauerhaft auf Kipp stehen zu lassen. Doch genau diese Gewohnheit machen sich Kriminelle im Sommer gezielt zunutze.
In der warmen Jahreszeit nutzen Kriminelle vermehrt offene Fenster und Terrassentüren, um in fremde Gebäude einzubrechen. Das Risiko ist im Sommer besonders hoch: Zum einen wird ausgiebig gelüftet oder das Fenster dauerhaft auf Kipp gestellt, zum anderen sind viele Bewohner:innen sowie aufmerksame Nachbar:innen im Urlaub oder seltener zu Hause.
„Während der Sommerferien bieten sich Einbrechern günstige Tatgelegenheiten. Die urlaubsbedingte Abwesenheit von vielen Bürgerinnen und Bürgern wird durch diese gezielt ausgenutzt“, erklärt Daniel Muth, Präsident des Hessischen Landeskriminalamts. Wie real diese Gefahr ist, zeigt die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts für das Jahr 2025: Mit bundesweit knapp 83.000 registrierten Wohnungseinbrüchen sind die Fälle zum vierten Mal in Folge gestiegen.
Gefahr durch Sommerhitze: Schwachstellen am Gebäude
Einbrüche passieren nicht nur im Schutz der Dunkelheit. Gerade sommerliche Temperaturen schaffen oft beste Bedingungen für Kriminelle. Ein gekipptes Fenster im Erdgeschoss oder im Keller lässt sich mit einfachem Werkzeug in wenigen Sekunden aufhebeln. Mülltonnen oder Rankgitter können Einbrecher:innen als Kletterhilfe dienen, um in höher gelegene Stockwerke einzusteigen.
Dabei suchen Kriminelle meist den Weg des geringsten Widerstands und arbeiten schnell und lautlos. Zudem achten sie auf typische Zeichen von Abwesenheit. Ein überquellender Briefkasten, durchgehend geschlossene Rollläden oder unbewegte Autos vor der Tür signalisieren, dass sich die Hausbewohner:innen im Sommerurlaub befinden.
Mehr als nur materieller Schaden
Neben dem reinen Diebstahl wird oft ein weiterer Aspekt unterschätzt: die psychische Belastung. „Ein Wohnungseinbruch bedeutet für die Betroffenen weit mehr als einen finanziellen Schaden“, betont Daniel Muth. „Täter dringen in den persönlichsten Lebensbereich der Menschen ein und hinterlassen oftmals ein Gefühl der Verunsicherung.“
Deshalb ist rechtzeitige Prävention so wichtig. Um für das Thema zu sensibilisieren, hat die Polizei bereits 2012 die bundesweite Initiative „K-EINBRUCH“ gestartet. Wer das eigene Zuhause besser absichern möchte, kann sich zudem bei den Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen kostenlos zu Gebäudeschwachstellen und Sicherheitstechnik informieren. Eine Anlaufstelle in der Nähe lässt sich über das Portal polizei-beratung.de finden.
Einfache Maßnahmen für mehr Sicherheit
Der beste Schutz gegen Einbrüche ist eine Kombination aus aufmerksamer Nachbarschaft und solider Sicherheitstechnik. „Häufig sind es nicht einzelne Sicherheitsmängel, sondern die Summe kleiner Hinweise, die ein Wohnhaus für Täter interessant erscheinen lassen“, erklärt die Polizei Osthessen in einer aktuellen Mitteilung und rät zur Prävention. Um das Risiko zu minimieren, helfen folgende Schritte:
Fenster vollständig schließen: Beim Verlassen des Hauses sollten alle Fenster und Türen komplett verriegelt werden, auch wenn es nur für einen kurzen Einkauf ist.
Anwesenheit vortäuschen: Zeitschaltuhren für Lampen oder Bewegungsmelder im Außenbereich lassen ein Gebäude bewohnt wirken und schrecken ab.
Nachbarschaftshilfe nutzen: Personen des Vertrauens sollten während eines Urlaubs den Briefkasten leeren, die Mülltonnen herausstellen und ab und zu die Rollläden bewegen.
Diskretion im Internet: Urlaubsfotos und Abwesenheitsnotizen sollten nicht öffentlich geteilt werden, um keine Hinweise auf ein leeres Haus zu geben.
Schwachstellen sichern: Nebeneingänge, Garagen oder Gartenhäuser sollten ausreichend gesichert, Haus- oder Wohnungstüren immer zweifach abgeschlossen werden. Abschließbare Fenstergriffe bieten einen guten zusätzlichen Schutz.
Staatliche Förderung für den Einbruchschutz
Wer das eigene Zuhause sicherer machen möchte, kann dafür staatliche Hilfen z. B. von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Anspruch nehmen. Diese Möglichkeiten gibt es:
Zinsgünstige Kredite über die KfW (Programm 159): Unterstützt den Einbruchschutz mit einem günstigen Darlehen von bis zu 50.000 Euro. Gefördert werden einbruchhemmende Haus- und Garagentüren, Nachrüstsysteme Türen und Fenster, Alarmanlagen, Smart-Home-Sicherheitstechnik, Gitter und Rollläden.
Zuschüsse über das BAFA: 15 bis 20 Prozent Zuschuss gibt es für den Austausch alter Fenster oder Außentüren gegen moderne, sichere und energieeffiziente Modelle.
Steuervorteile über das Finanzamt: Wer keine staatliche Förderung nutzt, kann 20 Prozent der Handwerkerkosten (maximal 1.200 Euro im Jahr) von der Steuer absetzen.
Staatliche Kredite oder Zuschüsse müssen vor Beginn der Arbeiten beantragt werden. Zudem muss der Einbau durch einen Fachbetrieb erfolgen.