Hitze-Falle Zuhause: Wie ältere Menschen geschützt werden können
Hitzewellen machen die eigene Wohnung schnell zur Belastungsprobe. Gerade ältere Menschen benötigen dann gezielte Schutzmaßnahmen.
Klettern die Temperaturen dauerhaft über 30 Grad, wird das Wetter zur extremen Belastung. Ältere oder pflegebedürftige Menschen sind bei einer Hitzewelle besonders gefährdet. Mit dem Alter verlangsamt sich die Regulierung der Körpertemperatur und das Durstgefühl lässt nach. Wer über 65 Jahre alt ist und allein zu Hause lebt, sollte deshalb aktiv vor der Hitze geschützt werden, heißt es auf dem Portal Klima Mensch Gesundheit vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.
Selbst ein vorhandenes Haus-Notruf-System bietet keine absolute Sicherheit. Da die Wärmeempfindlichkeit oft eingeschränkt ist, schätzen Betroffene die Gefahr häufig falsch ein und betätigen den Notruf gar nicht erst. Die Expert:innen raten daher, rechtzeitig mit einfachen Maßnahmen zu Hause gegenzusteuern. Angehörige sollten während einer Hitzewelle mindestens einmal täglich Kontakt aufnehmen.
Kühle Räume schaffen: Was Betroffene selbst tun können
Um die eigenen vier Wände während einer Hitzewelle angenehm kühl zu halten, helfen diese Maßnahmen:
Temperatur kontrollieren: Optimal sind tagsüber Temperaturen unter 26 °C und nachts unter 22 °C. Spätestens ab 32 °C am Tag oder 24 °C in der Nacht sollte zum Beispiel mit einem Ventilator aktiv gekühlt oder ein kühlerer Ort aufgesucht werden.
Richtig lüften: Fenster, Rollläden und Vorhänge sollten tagsüber konsequent geschlossen werden. Erst lüften, wenn es draußen kühler ist, idealerweise nachts durch Querlüften.
Verschatten: Sonnenbeschienene Fenster sollten tagsüber verdeckt werden. Am effektivsten ist eine Verschattung von außen durch Rollläden, Jalousien oder Markisen. Auch auf Balkon oder Terrasse spenden Sonnensegel und Schirme angenehmen Schatten.
Aktiv kühlen: Ventilatoren verschaffen Linderung, stoßen ab 35 °C Raumtemperatur aber an ihre Grenzen. Die Johanniter empfehlen, Klimaanlagen maximal sechs Grad kühler als die Außentemperatur einzustellen, um den Kreislauf zu schonen.
Schlafplatz anpassen: Wenn es möglich ist, sollte der Schlafplatz vorübergehend in den kühlsten Raum verlegt werden. Statt einer dicken Decke reicht bei Hitze oft ein leerer Bettbezug oder ein leichtes Baumwolllaken.
Hilfe von außen: Wie Angehörige und Dienste unterstützen können
Da alleinlebende Senior:innen die Hitze oft nicht richtig wahrnehmen, ist die Aufmerksamkeit von Familie, Nachbarschaft und Pflegekräften wichtig:
Regelmäßiger Kontakt: Angehörige oder Nachbar:innen sollten täglich anrufen oder vorbeischauen, um sich nach der Temperatur in der Wohnung und der Trinkmenge zu erkundigen. Bei Warnsignalen wie Bewusstseinstrübung sollte die 112 gewählt werden.
Netzwerke nutzen: Verwandte, ehrenamtliche Besuchsdienste oder Pflegedienste können schwere Einkäufe übernehmen und regelmäßige Kontrollbesuche machen.
Ärztliche Beratung: Vor einer Hitzewelle sollten Vorerkrankungen und Medikamente hausärztlich besprochen werden. Bestimmte Arzneien stören die körpereigene Abkühlung oder müssen bei Hitze richtig gelagert werden.
Kommunale Angebote nutzen: Viele Städte bieten Hitzeschutzmaßnahmen an, z. B. Karten, die klimatisierte Orte wie Bibliotheken zeigen. Zudem gibt es lokale Hilfen wie das automatische Wetter-Infotelefon in Berlin oder spezielle Hitzepatenschaften, wie sie die Stadt Bielefeld ins Leben gerufen hat.
Politische Debatte: Grüne fordern Hitzeschutzpläne
Angesichts der zunehmenden extremen Hitzewellen drängt die Bundestagsfraktion der Grünen auf mehr Unterstützung durch den Bund. Fraktionschefin Katharina Dröge warnt vor den steigenden Risiken in dicht bebauten Städten und fordert ein „Abkühl-Sofortprogramm“. So sollen öffentliche Einrichtungen wie Pflegeheime, Schulen und Krankenhäuser mit Klima-Solar-Anlagen ausgestattet werden. Zudem fordert sie, Kommunen gesetzlich zu Hitzeschutzplänen zu verpflichten. Langfristig müssten die Städte durch mehr Bäume und Fassadenbegrünung heruntergekühlt werden.