Rentenreform geplant: Expertenrat präsentiert neue Vorschläge
Die Rentenkommission hat ihre Vorschläge für eine zukunftssichere Altersvorsorge vorgelegt. Im Zentrum der Reform stehen ein höheres Renteneintrittsalter und eine neue kapitalgedeckte Zusatzrente.
Um das Rentensystem zukunftssicher zu machen, hat eine Rentenkommission fünf Monate lang an neuen Konzepten gearbeitet. Ihre Reformvorschläge hat sie nun der Bundesregierung übergeben. Zu den zentralen Empfehlungen gehört ein höheres, an die Lebenserwartung gekoppeltes Rentenalter. Außerdem schlägt die Kommission eine neue „Kapitalrente“ und eine Ausweitung der Beitragszahler vor. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte an, die Vorschläge des Expertenrats vollständig umzusetzen.
Späterer Eintritt in den Ruhestand
Die Kommission schlägt vor, das Renteneintrittsalter künftig an der Lebenserwartung zu orientieren. Ein früherer Renteneintritt soll vom individuellen Gesundheitszustand abhängen und nicht mehr von den gesammelten Beitragsjahren. Für heute 30-Jährige kann das beispielsweise einen Renteneintritt erst mit 68 statt mit 67 Jahren bedeuten. Eine Frührente wie die „Rente mit 63“ soll abgeschafft werden. Diese Regelung ermöglicht es bislang, nach 45 Beitragsjahren ohne finanzielle Abzüge früher in den Ruhestand zu gehen.
Zusatzrente am Kapitalmarkt
Ein weiterer Reformvorschlag ist eine verpflichtende Zusatzrente für alle Beschäftigten. Dafür sollen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgebende künftig zu gleichen Teilen einen gemeinsamen Beitrag von bis zu zwei Prozent zahlen. Dieser Betrag soll nach schwedischem Modell in einem staatlich verwalteten Fonds am Aktienmarkt angelegt werden. Nach Einschätzung des Expertenrates soll diese Anlage am Kapitalmarkt vor allem Menschen, die nach dem Jahr 2040 in den Ruhestand gehen, höhere Renten einbringen.
Mehr Menschen sollen in die Rentenkasse einzahlen
Die Kommission empfiehlt, den Kreis der Einzahlenden deutlich zu vergrößern. Künftig sollten auch Abgeordnete, Selbstständige und Vorstände in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, sofern sie nicht über ein eigenes Versorgungswerk abgesichert sind. Die Pensionen der Beamten sollen schrittweise an die normale Rente angeglichen werden. Für die Höhe der Pension soll nicht mehr allein das letzte Gehalt entscheidend sein, sondern auch längere Bezugszeiten.
Geteilte Reaktionen auf die Reformvorschläge
In der Politik und bei Verbänden sorgen die Pläne für unterschiedliche Reaktionen. Die Senioren-Union lobte die Ideen als „ausgewogen und maßvoll“. Auch die Junge Union begrüßt die Vorschläge, da Anreize zur Frühverrentung abgebaut würden. Opposition und Gewerkschaften üben hingegen deutliche Kritik. Ver.di-Chef Frank Werneke betonte, die Pläne gingen an der Lebenswirklichkeit arbeitender Menschen vorbei. Ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren sei für viele Arbeitnehmer:innen wegen hoher körperlicher und psychischer Belastungen in ihren Berufen schon heute unerreichbar.
Merz verspricht „große Reform“ ohne Rentenkürzungen
Merz verteidigte die Pläne als dringend notwendigen Schritt. Er bezeichnete die Empfehlungen der Kommission als „ausgewogenes Paket“ von allergrößter Bedeutung. Bisher habe es immer nur kleine Korrekturen am System gegeben, nun liege eine große Reform vor. „Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden“, so Merz. Gleichzeitig versprach er, dass es keine Kürzungen bei den bestehenden Rentenleistungen geben werde.