Pflegeheimkosten auf Rekordhoch: Eigenanteil steigt im Schnitt auf 3.364 Euro
Der Eigenanteil fürs Pflegeheim steigt, doch Zuschüsse der Pflegekasse sollen durch die geplante Pflegereform künftig erst später greifen.
Die Pflege im Heim wird immer teurer. Wie aus einer aktuellen Datenauswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) hervorgeht, ist der von Bewohner:innen selbst zu zahlende Eigenanteil auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Wer neu in ein Pflegeheim zieht, zahlt im ersten Jahr im bundesweiten Durchschnitt mittlerweile 3.364 Euro pro Monat. Das sind 256 Euro mehr als im Juli des Vorjahres.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die Kosten für einen Pflegeheimplatz unterscheiden sich je nach Bundesland. Aktuell ist die vollstationäre Pflege in Bremen mit 3.761 Euro pro Monat am teuersten. In Sachsen-Anhalt zahlen Betroffene hingegen nur 2.891 Euro, also 870 Euro weniger.
Die monatlichen Kosten im ersten Heimjahr im Bundesländer-Vergleich:
Bremen: 3.761 Euro
Saarland: 3.695 Euro
Nordrhein-Westfalen: 3.671 Euro
Baden-Württemberg: 3.657 Euro
Hamburg: 3.481 Euro
Hessen: 3.431 Euro
Berlin: 3.388 Euro
Rheinland-Pfalz: 3.289 Euro
Bayern: 3.270 Euro
Thüringen: 3.163 Euro
Sachsen: 3.152 Euro
Brandenburg: 3.150 Euro
Schleswig-Holstein: 3.148 Euro
Mecklenburg-Vorpommern: 3.032 Euro
Niedersachsen: 3.008 Euro
Sachsen-Anhalt: 2.891 Euro
Warum wird das Pflegeheim immer teurer?
Die Kostensteigerungen sind vor allem auf die Personalausgaben zurückzuführen. Seit 2022 dürfen Heime nur noch mit den Pflegekassen abrechnen, wenn sie ihr Personal mindestens nach Tarif oder ähnlich gut bezahlen. Diese Gehaltssteigerungen für Pflegekräfte werden an die Pflegebedürftigen weitergereicht.
Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen festen Betrag für die reine Pflege. Den verbleibenden Pflegekostenanteil sowie die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Gebäudeinstandhaltung und Ausbildung des Personals müssen die Bewohner:innen selbst tragen.
„Es gab Nachholbedarf und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden“, betont Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, in einer Pressemitteilung. „Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt. Wir brauchen eine Begrenzung des Kostenanstiegs.“
Elsner fordert daher, dass zumindest die Investitions- und Ausbildungskosten komplett von den Bundesländern übernommen werden. Nach ihrer Einschätzung würde das Heimbewohner:innen auf einen Schlag um fast 650 Euro im Monat entlasten
Geplante Pflegereform drosselt Entlastungen
Um die angespannte Finanzlage der Pflegeversicherung zu stabilisieren, plant Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine umfassende Pflegereform. Ein zentraler Bestandteil der Einsparungen betrifft die Zuzahlungen in der vollstationären Pflege. Bisher erhalten Heimbewohner:innen Zuschläge der Pflegekasse, die ihren Eigenanteil für die reinen Pflegekosten schrittweise senken. Im ersten Jahr um 15 Prozent, nach zwölf Monaten um 30 Prozent, nach zwei Jahren um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.
Diese Zeitspannen sollen künftig von 12 auf 18 Monate verlängert werden. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen somit länger auf der teuren Einstiegsstufe verharren, bevor sie in die nächste, günstigere Stufe gelangen. Diese Reformmaßnahme soll der Pflegekasse im kommenden Jahr rund 2,6 Milliarden Euro einsparen.