Handwerk unter Druck: Warum sich die Lage für Kunden zuspitzt
Der Iran-Krieg sorgt für steigende Energiepreise und angespannte Lieferketten. Das hat direkte Folgen für die Bau- und Sanierungspläne von Eigenheimbesitzer:innen.
Steigende Energiepreise und angespannte Lieferketten infolge des Iran-Kriegs verschlechtern die wirtschaftliche Lage auch im Handwerk. Das zeigt der neue Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Im Vorjahresvergleich bewerten deutlich weniger Betriebe ihre Geschäftslage als gut (minus 4 Prozentpunkte auf 39 Prozent), während mehr Betriebe eine schlechte Lage melden (plus 3 Prozentpunkte auf 19 Prozent). Gleichzeitig sinken die Erwartungen für die kommenden Monate.
Die unklare Lage am Persischen Golf und die nicht absehbare Dauer des Konflikts könnten laut ZDH zu weiteren Engpässen bei Materialien und Vorprodukten führen, die für Handwerksbetriebe in Deutschland wichtig sind. In solchen Fällen müssten Eigenheimbesitzer:innen mit Preisanpassungen, Verzögerungen bei der Ausführung und längeren Wartezeiten bei schwer ersetzbaren Materialien rechnen. Wie stark sich die Situation tatsächlich auswirken wird, lässt sich derzeit allerdings noch nicht abschätzen.
Nachfrage im Handwerk geht zurück
Die konjunkturelle Schwäche im Handwerk besteht bereits seit Jahresbeginn 2025. Der ZDH berichtet von rückläufigen Umsätzen, kleineren Auftragspolstern und einer geringeren Auslastung der Betriebe. Nach Einschätzung von ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke zeigt das deutlich, dass die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen nachlässt.
Auch der Arbeitsmarkt im Handwerk wird durch die anhaltende Konjunkturflaute zusätzlich belastet. Gleichzeitig fehlen vielerorts qualifizierte Fachkräfte für offene Stellen, was vor allem auf die demografische Entwicklung zurückzuführen ist.
Die Kombination aus schwächerer Nachfrage, sinkenden Erwartungen und zunehmenden Unsicherheiten im Zuge der angespannten wirtschaftlichen Lage sorgen dafür, dass Betriebe vorsichtiger agieren. Laut Schwannecke könne das dazu führen, dass Investitionen und Neueinstellungen in Betrieben zunehmend zurückgestellt werden.
Handwerk drängt auf Reformen
Der Handwerksverband fordert deshalb schnellere Reformen und spürbare Entlastungen für Unternehmen. Aus Sicht des ZDH sind die von der Bundesregierung angekündigten Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente dringender denn je, denn sie beeinflussen direkt die Kosten und Beschäftigungsbedingungen im Handwerk.
Wirtschaftsverbände kritisieren seit längerem hohe Energiepreise, eine im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenlast sowie zu viel Bürokratie. Nach Ansicht des Handwerks zeigen die aktuellen Krisen besonders deutlich, wie anfällig der Wirtschaftsstandort Deutschland geworden ist. Der ZDH fordert unter anderem weniger Bürokratie, niedrigere Steuern und Sozialabgaben sowie stärkere Investitionsanreize, um die Nachfrage wieder anzukurbeln und die Betriebe zu entlasten.