Cybersicherheit für Solaranlagen: BSI empfiehlt Schutz vor Hackerangriffen
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt Solaranlagenbetreiber:innen vor Cyberangriffen auf ihre vernetzte Steuerungstechnik.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fordert Betreiber:innen von Photovoltaik-Anlagen aller Größen auf, ihre Steuerungssysteme dem Stand der Technik entsprechend abzusichern. Zu diesem Zweck hat die Behörde eine aktuelle Cybersicherheitsempfehlung mit einfachen Schutzmaßnahmen veröffentlicht. Im Fokus stehen dabei mit dem Internet verbundene Steuerungssysteme von Anlagen zur Energieerzeugung. Viele Solaranlagen ermöglichen es beispielsweise, Betriebsdaten bequem aus der Ferne abzurufen. Sind diese Systeme jedoch unzureichend geschützt, können Angreifer:innen auf die Anlagen zugreifen und den Betrieb stören. Laut dem BSI kam es im Ausland bereits zu erfolgreichen Sabotageakten, bei denen unter anderem ungesicherte Standardpasswörter ausgenutzt wurden.
Warum Solaranlagen ins Visier von Hackern geraten
Eine einzelne Solaranlage auf einem Einfamilienhaus steht selten direkt im Fokus von Cyberkriminellen. Das Risiko entsteht vielmehr durch die Masse an vernetzten Geräten. Moderne Wechselrichter, Speicher, Wallboxen oder Energiemanagementsysteme sind zur bequemen Handhabung per App mit dem Internet verbunden. Ist das Heimnetzwerk unzureichend abgesichert, können unbefugte Personen die Kontrolle übernehmen. Laut dem BSI könnten gebündelte Angriffe auf viele solcher Anlagen die Stabilität des Stromnetzes gefährden.
Gefahr durch unzureichenden Passwortschutz
In der Vergangenheit gab es bereits Sabotageakte auf Energieinfrastrukturen im Ausland. Dabei wurden oft einfachste Schwachpunkte wie unveränderte Standardpasswörter ausgenutzt. Die Behörde warnt vor einer verschärften Bedrohungslage durch automatisierte Programme, die mittels Künstlicher Intelligenz fortlaufend nach ungeschützten Steuerungssystemen suchen.
„Derartige Einfallstore laden regelrecht zu Sabotage ein“, warnt Claudia Plattner, die Präsidentin des BSI. „Wir fordern die Betreiber solcher Anlagen eindringlich auf, ihre Systeme sicher zu betreiben! Die Sicherheitsmaßnahmen liegen auf der Hand und sind unkompliziert umzusetzen.“
Die wichtigsten Schutzmaßnahmen für Solaranlagen
Das BSI nennt folgende Maßnahmen, mit denen Anlagenbetreiber:innen das Sicherheitsniveau deutlich erhöhen können:
Direkte Internetverbindung trennen: Der wichtigste Schutz besteht darin, die Anlagen vom direkten Internetzugang zu trennen. Betreiber:innen sollten prüfen, ob ihre Anlagen öffentlich erreichbar sind, und entsprechende Zugänge wie aktive Portweiterleitungen im Router umgehend schließen.
Hersteller-Clouds und Fernzugriffe absichern: Ständige Verbindungen zu Herstellerportalen bergen Risiken. Betreiber:innen sollten daher prüfen, ob diese Cloud-Anbindung zwingend nötig ist. Das BSI rät zu einem lokalen Betrieb. Ein unvermeidbarer Fernzugriff sollte ausschließlich über ein gesichertes virtuelles privates Netzwerk erfolgen. Viele Router bieten diese Funktion bereits an.
Sichere Zugangsdaten nutzen: Standardpasswörter oder werksseitige Zugangsdaten müssen deaktiviert werden. Stattdessen sind sichere Passwörter und idealerweise eine Mehrfaktor-Authentifizierung erforderlich.
Updates installieren: Eingesetzte Systeme müssen auf dem aktuellsten Stand gehalten werden. Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen sollten zeitnah eingespielt werden.
Diese Cybersicherheitsempfehlung richtet sich an Betreiber:innen kleiner und kleinster Anlagen der Energieerzeugung wie industrielle Windenergie- und Wasserkraftanlagen, aber auch ausdrücklich an Betreiber:innen von Solaranlagen jeder Größe.