Baufinanzierung im Aufschwung: Warum die Nachfrage steigt
Geopolitische Risiken führen dazu, dass sich viele Käufer:innen frühzeitig Zinsen für ihre Baufinanzierung sichern. Gleichzeitig rechnen Expert:innen mit weiteren Zinsanstiegen.
Der Markt für Baufinanzierungen hat sich nach einem schwachen Jahresbeginn 2026 deutlich erholt. Mit 24,1 Milliarden Euro Kreditvolumen stieg das gesamte Baufinanzierungsvolumen im ersten Quartal auf etwa 61,2 Milliarden Euro an. Das war der höchste Stand seit der Zinswende 2022.
Laut Tomas Peeters, Geschäftsführer der Bilthouse-Gruppe, war der März ausschlaggebend für das überraschende Markt-Comeback. Als Auslöser für den Anstieg sieht er vor allem geopolitische Unsicherheiten, insbesondere den Krieg im Nahen Osten. Viele Kreditnehmer:innen hätten sich aus Sorge vor weiter steigenden Finanzierungskosten frühzeitig die aktuellen Zinsen gesichert.
Zinsen steigen – Kreditvergabe wird strenger
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen zunächst noch unverändert zu lassen, sorgt laut Expert:innen nicht für Entspannung. Vielmehr wird erwartet, dass eventuelle Zinserhöhungen im Jahresverlauf wieder auf die Baufinanzierung durchschlagen. Das würde insbesondere gelten, wenn steigende Energiepreise die Inflation weiter antreiben. Laut dem Baufinanzierungsvermittler Dr. Klein hat der Markt bereits zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozent in diesem Jahr eingepreist.
Wichtiger als der Leitzins sind laut Peeters jedoch die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen, die zuletzt ebenfalls gestiegen sind. Grund dafür sind unter anderem eine schwächere Konjunktur und der höhere Finanzierungsbedarf des Staates. Dadurch könnten die Bauzinsen deutlich über die 4-Prozent-Marke steigen.
Parallel dazu bleibt die Kreditvergabe deutlich strenger als in den Vorjahren. Während bis 2022 rund 75 Prozent der Baufinanzierungen genehmigt wurden, scheitert heute etwa ein Drittel der Anträge oder kommt nicht zustande. Zusätzlich könnten steigende Lebenshaltungskosten die Prüfmaßstäbe der Banken weiter verschärfen.
Kaum Aufpreise für längere Zinsbindung
Trotz unsicherem Umfeld bleibt die Nachfrage nach Baufinanzierungen, bei denen sich Kreditnehmer:innen schon heute einen festen Zinssatz für später sichern, überraschend gering. Viele Interessent:innen scheinen auf sinkende Zinsen zu setzen, obwohl Expert:innen diese Erwartung kritisch sehen.
Laut Dr. Klein-Experte Florian Pfaffinger könnte es sich lohnen, eine längere Zinsbindung bei der Finanzierung zu wählen. Die Aufschläge fallen derzeit vergleichsweise moderat aus:
15 statt 10 Jahre Zinsbindung kosten meist nur 0,15 bis 0,20 Prozent mehr
20 Jahre statt 15 Jahre liegen oft nur bei einem Plus von 0,05 bis 0,10 Prozent