Statt teurem Komplettumbau: Welche Sanierungsschritte wirklich einen Unterschied machen
Gas und Heizöl bleiben teuer – laut Handelsblatt kann die richtige Reihenfolge bei der Sanierung die Heizkosten spürbar senken. Wir zeigen, welche Maßnahmen Expert:innen zuerst empfehlen.
Viele Hauseigentümer:innen müssen auch in diesem Winter aufgrund gestiegener Preise für Gas und Heizöl mit höheren Heizkosten rechnen. Ein Bericht des Handelsblatts zeigt jedoch, dass bereits gezielte Einzelmaßnahmen die Energiekosten erheblich senken können. Statt einer teuren Komplettsanierung reduziert oft schon die Dämmung der Obergeschossdecke, eine Einblasdämmung der Wände oder das Anbringen von Fensterfolien den Energieverbrauch spürbar.
Hohe Kosten bei der Komplettsanierung
Der vollständige Umbau zu einem Energiesparhaus ist mit enormen Ausgaben verbunden. Das belegt eine aktuelle Ariadne-Analyse unter Beteiligung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über die das Handelsblatt berichtet. Allein für die Modernisierung der Gebäudehülle auf die Stufe Effizienzhaus 55 fallen demnach bis zu 1.450 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche an. Ein Heizungstausch mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe kann zusätzlich bis zu 53.300 Euro kosten. Gezielte Einzelmaßnahmen sind dagegen deutlich günstiger. So liegen die mittleren Kosten für die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke bei jeweils unter 10.000 Euro.
Laut der Studie hängt es stark von den individuellen Voraussetzungen ab, ob sich eine Komplettsanierung wirtschaftlich lohnt. Entscheidend sind dabei die künftigen Einsparungen bei den Energiekosten, eine mögliche Wertsteigerung der Immobilie sowie der höhere Wohnkomfort. Der Sanierungsexperte Carsten Herbert erklärt gegenüber dem Handelsblatt, dass Hauseigentümer:innen an mehreren Stellen ansetzen können, um noch vor dem Winter und ohne Komplettsanierung den Energieverbrauch zu senken.
Wärmeschutz am Dach: Obergeschossdecke dämmen
Die Dämmung der Obergeschossdecke ist laut Herbert eine sehr wirkungsvolle und vergleichsweise günstige Maßnahme. Sie lohne sich fast immer, wenn bisher weniger als zwei Zentimeter Dämmstoff eingebaut wurden. Die mittleren Kosten betragen 70 Euro pro Quadratmeter. Im Gegenzug lassen sich jährlich zwischen 70 und 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter einsparen. Eine Dämmung des Schrägdachs ist mit 70 bis 90 Euro pro Quadratmeter teurer bei geringerem Einsparpotenzial. Laut dem Sanierungsexperten ist diese Maßnahme vor allem dann sinnvoll, wenn das Dachgeschoss beheizt wird.
Wände dämmen: Alternativen zur aufwendigen Außenfassade
Eine komplette Wärmedämmung der Außenfassade kostet 150 Euro und mehr pro Quadratmeter. Deutlich günstiger ist laut Herbert die Einblasdämmung für 40 bis 70 Euro pro Quadratmeter. Dabei wird Dämmstoff von außen in die Hohlräume eines zweischaligen Mauerwerks gefüllt. Bei Häusern ohne diesen Hohlraum bietet sich eine Innendämmung für 40 bis 90 Euro pro Quadratmeter an. Dadurch sparen Hauseigentümer:innen jährlich zwischen 80 und 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter.
Neue Verglasung oder Folien statt kompletter Fenstertausch
Fenster, die vor 1994 eingebaut wurden, verlieren dreimal so viel Wärme wie moderne Modelle mit Dreifachverglasung. Sind die alten Rahmen und Beschläge jedoch noch intakt, reicht oft der Austausch der Verglasung statt eines kompletten Fenstertauschs. Die Kosten dafür liegen bei etwa 180 bis 250 Euro pro Quadratmeter. Laut Herbert lassen sich so jährlich etwa 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche sparen. Eine günstige Alternative sind Fensterfolien. Diese werden direkt auf das Glas oder den Rahmen geklebt und reduzieren den Wärmeverlust, indem sie die Strahlungswärme zurückhalten oder ein isolierendes Luftpolster bilden. Sie kosten lediglich 15 Euro pro Quadratmeter und ermöglichen eine Einsparung von etwa 75 Kilowattstunden.
Kosten und Einsparpotenziale im Überblick
Quelle: Handelsblatt