Hohe Energiekosten zur Heizperiode: Was auf Haushalte zukommt
Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise in Deutschland kurz vor der Heizperiode stark nach oben. Am stärksten fällt die Teuerung beim Heizöl aus.
Die Lage im Nahen Osten treibt die Energiepreise in Deutschland kurz vor Beginn der Heizperiode in die Höhe. Laut Statistischem Bundesamt verteuerte sich Energie für Haushalte im August um 10,5 Prozent. Das war der stärkste Anstieg seit mehr als drei Jahren. Da Großhändler ihre Preise ähnlich stark erhöht haben und Preisänderungen verzögert bei den Verbraucher:innen ankommen, dürften die Auswirkungen in den kommenden Monaten spürbar werden.
Gaspreise: Deutlicher Anstieg, weitere Erhöhungen möglich
Der Großhandelspreis für europäisches Erdgas ist wegen Lieferausfällen aus dem Nahen Osten stark gestiegen. An der Börse in Amsterdam erreichte er mit 83,75 Euro je Megawattstunde den höchsten Stand seit Ende 2022 – ein Plus von mehr als 160 Prozent gegenüber Mitte September 2025. Zusätzlichen Druck erzeugt der Wettbewerb um Flüssigerdgas, da europäische Länder ihre niedrigen Gasspeicher vor dem Winter auffüllen müssen.
Beim Haushaltspreis schlägt sich das bislang begrenzt nieder: Laut dem Vergleichsportal Verivox kostet eine Kilowattstunde aktuell rund 12,52 Cent statt 11,14 Cent vor einem Jahr. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das Mehrausgaben von etwa 280 Euro. Energieexperte Thorsten Storck von Verivox rechnet zum Jahreswechsel mit Erhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent. Der Energieanbieter 1Komma5° hält im ungünstigsten Fall sogar Preise von mehr als 15 Cent pro Kilowattstunde für möglich, sollten Versorger die gestiegenen Einkaufskosten vollständig weitergeben.
Strom: Großhandelspreise hoch, Haushaltstarife noch stabil
Der Strommarkt reagiert indirekt auf die Lage in der Straße von Hormus: Weil die Nachfrage steigt und Gaskraftwerke einspringen müssen, kletterte der Großhandelspreis zu Wochenbeginn auf über 256 Euro pro Megawattstunde – in der Spitze sogar auf rund 740 Euro. Im September lag der Börsendurchschnitt bei 147 Euro pro Megawattstunde, etwa 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt, dass die Preise nach Sonnenuntergang besonders hoch sind, da die Stromerzeugung durch Photovoltaik dann abnimmt. Haushalte mit dynamischem Stromtarif, der sich an den jeweiligen Großhandelspreisen orientiert, sollten daher abends ihren Verbrauch reduzieren.
Bei festen Haushaltsstromtarifen ist von den Turbulenzen bislang nichts angekommen. Der Durchschnittspreis liegt mit aktuell 32,29 Cent pro Kilowattstunde sogar rund 2 Cent niedriger als vor einem Jahr. RWE-Chef Markus Krebber erwartet, dass die Preise in den kommenden fünf Jahren stabil bleiben, da der Ausbau erneuerbarer Energien und neuer Kraftwerke die Erzeugungskosten senken werde.
Heizöl macht größten Preissprung: Experten raten zur baldigen Bestellung
Wer mit Öl heizt, ist derzeit am stärksten betroffen. Ein Barrel der Rohölsorte Brent kostet aktuell rund 108 Dollar und damit etwa 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Heizöl liegt laut Heizöl24 bei 1,66 Euro pro Liter und ist mehr als 30 Cent teurer als noch Ende August.
Im Jahresvergleich ist der Anstieg noch deutlicher: 100 Liter kosten aktuell im Schnitt 156 Euro statt 93 Euro im September 2025. Das entspricht einem Plus von rund 68 Prozent. Ein Vierpersonenhaushalt mit 2.000 Litern Jahresverbrauch zahlt damit etwa 3.120 Euro statt 1.860 Euro im Vorjahr. Energieexpert:innen raten, nicht auf sinkende Preise zu warten und die Bestellung von Heizöl nicht weiter hinauszuzögern.