Gebäudemodernisierungsgesetz: Was bis 1. Dezember geklärt werden soll
Bis zum 1. Dezember will der Bund die Grüngasquote regeln. Umwelt- und Verbraucherschutzverbände warnen vor deutlichen Mehrkosten für Privathaushalte.
Die Bundesregierung muss nach den Vorgaben des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) bis zum 1. Dezember 2026 einen Gesetzentwurf für eine Grüngasquote vorlegen. Diese Neuregelung soll Lieferanten von Gas und Heizöl ab dem Jahr 2028 dazu verpflichten, schrittweise steigende Anteile erneuerbarer oder kohlenstoffarmer Brennstoffe für Privatkunden bereitzustellen. Bis zum Jahr 2045 sollen die Brennstoffe vollständig auf klimaneutrale Alternativen wie Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff umgestellt sein.
Umwelt- und Sozialorganisationen warnen jedoch davor, dass die Grüngasquote den Klimaschutz eher ausbremse als vorantreibe. Es handele sich um eine Scheinlösung, die erhebliche Mehrkosten für Verbraucher:innen bedeute.
Grüngasquote: Stufenplan ab 2028 geplant
Nach einem dem Handelsblatt vorliegenden Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Quote im Jahr 2028 bei einem Prozent starten. Danach ist ein schrittweiser Anstieg des Anteils an klimaneutralen Brennstoffen geplant, den Händler dem Erdgas und Heizöl für private Haushalte beimischen müssen:
Verbände kritisieren Quote als Scheinlösung
Ein Bündnis aus zehn Umwelt- und Sozialorganisationen lehnt die geplante Regelung strikt ab. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichnen sie die Grüngasquote als „teure Scheinlösung“ und kritisieren, dass sie kein wirksames Instrument für den Klimaschutz im Gebäudesektor darstelle. Anstatt den Austausch fossiler Heizungen voranzutreiben, sorge die neue Vorgabe eher dafür, dass Hauseigentümer:innen länger an Öl- und Gasheizungen festhalten. Mit elektrischen Wärmepumpen und dem Ausbau klimafreundlicher Wärmenetze stünden bereits erprobte und wesentlich effizientere Lösungen zur Verfügung. Der geplante Quotenpfad sei dagegen zu schwach, um die Klimaziele rechtzeitig zu erreichen.
Festhalten an Öl und Gas wird teuer
Die Organisationen warnen eindringlich vor den finanziellen Folgen der Grüngasquote für Hauseigentümer:innen. Wer künftig weiter an einer Gasheizung oder Ölheizung festhält, wird nach Einschätzung der Verbände teuer dafür bezahlen müssen. Klimaneutrale Brennstoffe wie Wasserstoff oder Biomethan sind auf dem Markt sehr knapp und in der Herstellung kostenintensiv. Da die Lieferanten diese hohen Beschaffungskosten voraussichtlich an die Endkund:innen weitergeben, droht eine massive Belastung über die Heizkostenabrechnung.
Mehrkosten von mehreren hundert Euro möglich
Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnten bei einer Quote von 7 Prozent im Jahr 2030 auf einen durchschnittlichen Zweipersonenhaushalt jährliche Mehrkosten von bis zu 254 Euro zukommen. Gastarife mit einem Biomethananteil von zehn Prozent sind laut den Verbänden schon heute im Schnitt ein Viertel teurer als reine Erdgastarife. Knappe grüne Brennstoffe sollten aus Sicht der Kritiker:innen ohnehin vorrangig in der Industrie eingesetzt werden, da dort eine Elektrifizierung schwerer umsetzbar ist. Die Verbände fordern daher einen geordneten Ausstieg aus der fossilen Wärmeversorgung sowie gezielte finanzielle Anreize für den Heizungstausch.