Energiepreise im Krisenmodus: Was der Iran-Krieg für Deutschland bedeutet
Die Preise für Öl und Gas sind durch den Krieg im Nahen Osten bereits spürbar gestiegen. Derzeit spielt die Angst vor Rohstoffknappheit eine größere Rolle als ein tatsächlicher Rohstoffmangel.
Infolge der militärischen Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus praktisch zum Stillstand gekommen. Das treibt die Energiepreise weltweit in die Höhe, denn etwa 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggas-Transporte durchlaufen die Meerenge am Persischen Golf. Die gestoppte LNG-Produktion in Katar nach iranischen Drohnenangriffen auf wichtige Anlagen des Landes verschärft die Situation zusätzlich.
Aktuell können die USA Lieferausfälle aus Katar ausgleichen. Ohne eine baldige Wiederaufnahme der Flüssiggas-Produktion des Golfstaats drohen jedoch weitere spürbare Energiepreisanstiege. Gleiches würde bei einem längeren, sich ausweitenden Konflikt und einer andauernden Blockade der Straße von Hormus gelten.
Ölversorgung gesichert, Kosten steigen rasant
Die Bundesregierung erwartet zunächst keine Rohöl-Engpässe, da Deutschland nur geringe Mengen aus der Region bezieht. Doch an den Börsen klettern die Ölpreise nach oben. Einige Analysten sehen kurzfristig Werte von über 100 Euro pro Barrel als möglich an, da auch Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Nahen Osten drohen – wie zuletzt die Schließung der größten Raffinerie Saudi-Arabiens nach Drohnenangriffen zeigte.
Die Heizölpreise lagen am 28. Februar noch bei 98,76 Cent pro Liter, mittlerweile sind es 132,77 Cent. Und auch an den Tankstellen schlagen sich die Preissteigerungen nieder: Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Liter Super derzeit bei 2,03 Euro, Diesel kostet pro Liter 2,08 Euro. Damit ist Super seit dem Beginn des Iran-Kriegs um etwa 11 Prozent im Preis gestiegen, Diesel sogar um 19 Prozent. Laut dem Wirtschaftsverband Fuels und Energie ist die Versorgung gesichert, Engpässe seien nicht zu erwarten.
Das Bundeskartellamt soll sich die hohen Preissteigerungen nun jedoch genauer anschauen. „Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe“, erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zuletzt.
Gasmarkt besonders stark betroffen
Die Gaspreise in Europa reagieren noch empfindlicher: Der niederländische TTF-Kontrakt verdoppelte sich innerhalb von zwei Tagen auf den höchsten Stand seit Februar 2023. Deutschland bezieht den Großteil seines Flüssiggases aus den USA, Kanada und Angola, dennoch wirken sich die Lieferausfälle global auf die Preise aus.
Expert:innen warnen vor verschärftem Wettbewerb um LNG: Asiatische Länder wie China und Indien sind besonders betroffen, zudem steigert die reduzierte Förderung aus israelischen Offshore-Feldern die Nachfrage aus Ägypten und Jordanien. Laut Analyst:innen führt dies zu weltweit steigenden Gaspreisen und erschwert die Befüllung von Gasspeichern, die in Deutschland aktuell nur zu rund 21 Prozent gefüllt sind – unter dem EU-Durchschnitt von 30 Prozent.
Mehr Inflation durch höhere Energiepreise
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt davor, ein neuer Energieschock durch den Nahost-Konflikt würde insbesondere energieintensive Branchen wie Chemie- und Stahlindustrie treffen. Hier ist die Erholung nach den vergangenen Preisschocks durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg längst nicht abgeschlossen. Für Europa prognostiziert sie in der Folge „steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit“.
Negative Auswirkungen auf die Konjunktur befürchtet auch Philipp Lane, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Längerfristige Folgen hängen jedoch stark von der Dauer des Konflikts ab. Grimm appelliert daran, Europas Energieversorgung krisenfester zu gestalten. Das könne etwa durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher, eine koordinierte Beschaffung auf EU-Ebene und einen schnelleren Ausbau der heimischen Energieproduktion erreicht werden.