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Smart-Meter-Chaos: Warum Deutschland bei der Energiewende hinterherhinkt

Lesezeit: 3 min Claudia Mühlbauer

Der Ausbau digitaler Stromzähler kommt in Deutschland kaum voran. In anderen europäischen Ländern sind sie längst flächendeckend im Einsatz.

Nahansicht eines alten, nicht digitalen Stromzählers

Während intelligente Stromzähler in Frankreich und Italien in über 90 Prozent der Haushalte installiert sind und in den skandinavischen Ländern sogar fast überall genutzt werden, liegt Deutschland nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur nur bei einer Abdeckung von 3,8 Prozent. Von rund 54 Millionen sogenannten Messlokationen sind lediglich 2 Millionen mit Smart Metern ausgestattet. Zwar lag der Anteil Anfang vergangenen Jahres gerade einmal bei etwas mehr als 1 Prozent, doch der geplante Ausbau kommt nach wie vor nur schleppend voran.

Flickenteppich bei Zuständigkeiten und Überforderung

Die Verantwortung für den Einbau liegt bei den Messstellen- und Netzbetreibern. Das Problem: Laut Bundesnetzagentur gibt es in Deutschland 814 gesetzlich zuständige Messstellenbetreiber, von großen Konzernen bis zu kleinen regionalen Anbietern. Während große Anbieter ihre Ausbauquoten meist einhalten oder sogar übertreffen, haben viele kleinere Versorger noch keinen einzigen Smart Meter installiert. Laut Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller hatten Ende letzten Jahres insgesamt 188 Anbieter noch nicht mit dem Einbau begonnen. Bei den 600 kleineren Betreibern lag die Einbauquote im Schnitt nur bei 8,2 Prozent. 

Viele Anbieter müssen Smart Meter für ihre Kund:innen selbst organisieren und stoßen beim Messstellenbetreiber auf Verzögerungen. Ein Grund dafür sind die in Deutschland geltenden hohen gesetzlichen Anforderungen an die Geräte. Das macht sie einerseits zwar sicher und zukunftsfähig, treibt andererseits jedoch die Kosten. Gleichzeitig gibt es eine Preisobergrenze für den Einbau von Smart Metern, was gerade für kleine Anbieter häufig ein Minusgeschäft bedeutet.

Tricks von Kleinanbietern und alternative Lösungen

Manche kleine Anbieter versuchen daher, die Pflichten zu umgehen: Sie verschleppen bürokratische Abläufe, verlangen überhöhte Einbaupreise oder informieren ihre Kund:innen gar nicht über den Pflicht-Einbau. Die Folge sind Verwirrung bei den Verbraucher:innen und ein anhaltend langsamer Ausbau.

Einige große Versorger haben auf das Problem reagiert, indem sie sich selbst als Messstellenbetreiber zertifizieren ließen oder private Messstellenbetreiber beauftragen, um den Ausbau zu beschleunigen. So können sie ihren Kund:innen Smart Meter trotz der Verzögerungen der zuständigen Netzbetreiber anbieten. Das Wirtschaftsministerium plant jedoch, den Einsatz privater Anbieter einzuschränken, um den Ausbau stärker zentral zu steuern. Expert:innen warnen, dass dies den Rollout eher verlangsamen könnte.

Warum Smart Meter so wichtig sind

Smart Meter erfassen den Verbrauch in Echtzeit und können auch die aktuellen Strompreise anzeigen. Sie machen das manuelle Ablesen überflüssig und ermöglichen die Nutzung dynamischer Stromtarife, bei denen etwa Elektroautos dann geladen werden, wenn Strom besonders günstig ist. Für Verbraucher:innen bedeutet das konkrete Einsparungen.

Darüber hinaus erleichtern die Geräte die Steuerung der Stromnetze: Bei Überangebot kann der Verbrauch gezielt erhöht, bei knappem Angebot reduziert werden. Dadurch sinkt der notwendige Netzausbau, und die Netzentgelte für Haushalte werden niedriger.

Das Bild zeigt ein Haus mit blauer Fassade und roten Dachziegeln, auf dem mehrere Solarmodule installiert sind. Im Hintergrund ist ein klarer, blauer Himmel zu sehen.
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