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Pflegeversicherung vor Milliardendefizit – Reform lässt auf sich warten

Lesezeit: 3 min Claudia Mühlbauer

Nur dank Bundesdarlehen schreibt die Pflegeversicherung bislang keine roten Zahlen. Pflegebedürftigen drohen weiter steigende Belastungen.

Stethoskop, Kugelschreiber, Finanzübersicht und Computertastatur auf einem Tisch

2025 konnte die Pflegeversicherung ihre Ausgaben nur dank eines Bundesdarlehens über 500 Millionen Euro knapp decken. Für dieses Jahr hat der Bund ein weiteres Darlehen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro beschlossen. Ohne diese Finanzhilfe würde sich bei den erwarteten Ausgaben ein Minus von 2,8 Milliarden Euro ergeben. Formal wird damit zwar ein Überschuss erwartet, doch das strukturelle Defizit wird lediglich überdeckt und nicht behoben.

Durch die beschlossene Finanzspritze des Bundes konnten die Pflegebeiträge zu Jahresbeginn zunächst stabil gehalten werden. Zuletzt wurden sie 2025 um 0,2 Prozentpunkte angehoben:

  • ohne Kinder: 4,20 %

  • mit einem Kind: 3,60 %

  • mit zwei Kindern: 3,35 %

  • mit drei Kindern: 3,10 %

  • mit vier Kindern: 2,85 %

  • mit fünf und mehr Kindern: 2,60 %

Doch das Problem wird absehbar nicht kleiner: Laut GKV-Spitzenverband droht 2027 nach jetzigem Stand ein Defizit von knapp 5 Milliarden Euro. Verbandschef Oliver Blatt warnt: „Uns läuft die Zeit weg.“

Reformvorschläge liegen bereit

Eine grundlegende Finanzreform der Pflegeversicherung soll nach den Plänen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) noch bis Ende 2026 auf den Weg gebracht werden. Bund und Länder haben dazu bereits in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe beraten und ein Papier mit möglichen Maßnahmen zur Einnahmen- und Ausgabenseite erarbeitet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich mit den Ergebnissen jedoch unzufrieden gezeigt und weitere Gespräche gefordert.

Diskutiert werden unter anderem die Gegenfinanzierung von Ausgaben aus Steuermitteln, eine Begrenzung der Eigenanteile und ein Umbau zu einer Vollversicherung, die alle Pflegekosten abdeckt. Letzteres hat Warken allerdings bereits ausgeschlossen. Weitere Vorschläge zielen darauf ab, die Vorsorge zu verbessern, damit Pflegebedürftigkeit möglichst verhindert wird oder zumindest später eintritt.

Das Gesundheitsministerium kündigte an, einen innerhalb der Bundesregierung abgestimmten Vorschlag zur Finanzierung vorzulegen. Eine weitere Bund-Länder-Runde zu diesen Fragen war für Februar angekündigt, scheint bislang jedoch noch nicht stattgefunden zu haben.

Steigende Eigenanteile für Pflegebedürftige

Mittlerweile ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf 5,6 Millionen gestiegen. Gleichzeitig erhöhen sich die Kosten für Bewohner:innen von Pflegeeinrichtungen deutlich: Im ersten Jahr im Heim müssen sie im bundesweiten Schnitt 3.245 Euro pro Monat selbst zahlen – 261 Euro mehr als Anfang 2025.

Ein Grund ist die Reform von 2017, die die Einstufung von Pflegebedürftigkeit ausgeweitet hat: Die Ausweitung der Pflegegrade führte zu mehr Leistungsempfänger:innen und höheren Auszahlungen. Hinzu kommen höhere Personalkosten, da Heime seit 2022 nur noch mit der Pflegekasse zusammenarbeiten dürfen, wenn sie Tariflöhne oder vergleichbare Gehälter zahlen.

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