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Großstädte-Ranking: Fast jede zweite Immobilie sanierungsbedürftig

Lesezeit: 2 min Claudia Mühlbauer

Im Westen Deutschlands gibt es besonders viele sanierungsbedürftige Wohngebäude. Ostdeutsche Städte profitieren von den Investitionen der Nachwendejahre.

Frontansicht zweier Mehrfamilienhäuser, von denen das linke stark sanierungsbedürftig und das rechte bereits saniert ist

Bundesweit fallen rund 40 Prozent der angebotenen Wohngebäude in die Energieeffizienzklasse E oder schlechter und gelten damit als sanierungsbedürftig. In vielen Städten liegt der Anteil sogar darüber. Das geht aus einer Analyse von IW Consult und ImmoScout24 hervor. Grundlage der Untersuchung waren alle Miet- und Kaufangebote, die 2025 bis einschließlich des dritten Quartals in 71 kreisfreien Großstädten bei ImmoScout24 inseriert waren. Die Zahlen spiegeln damit das auf dem Markt verfügbare Angebot wider, nicht den gesamten Wohnungsbestand.

Hoher Sanierungsbedarf vor allem im Westen

Besonders viele sanierungsbedürftige Immobilien finden sich in Städten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Insgesamt zeigt sich eine deutliche Häufung im Westen Deutschlands. Den höchsten Anteil verzeichnet Bremerhaven: Dort entfallen 61,5 Prozent der inserierten Wohnimmobilien auf die Energieeffizienzklassen E oder schlechter. Ebenfalls überdurchschnittlich hohe Sanierungsquoten weisen die folgenden Städte auf: 

  • Salzgitter: 60,4 %

  • Krefeld: 59,7 %

  • Mönchengladbach: 59,2 %

  • Solingen: 56,1 %

  • Bremen: 54,7 %

  • Lübeck: 54,4 %

  • Gelsenkirchen: 53,8 %

  • Hamm: 53,8 %

  • Herne: 53,3 %

Ostdeutsche Städte mit deutlich besserem Energiestandard

Ein anderes Bild zeigt sich in Ostdeutschland: In Chemnitz und Rostock gelten mit 9,1 % bzw. 9,5 % besonders wenige der inserierten Wohnimmobilien als sanierungsbedürftig. Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen weiterhin folgende Städte:

  • Potsdam: 14,3 %

  • Leipzig: 15,5 %

  • Dresden: 17,2 %

  • Halle (Saale): 18,4 %

  • Erfurt: 18,7 %

  • Magdeburg: 19,6 %

  • Jena: 25,4 %

Unter den zehn Großstädten mit dem geringsten Anteil sanierungsbedürftiger Wohnimmobilien befindet sich mit Erlangen (25,1 %) nur eine Stadt nicht in Ostdeutschland. Hintergrund dieser regionalen Ungleichheit sind laut Dr. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von ImmoScout24, umfangreiche Sanierungsmaßnahmen nach der Wiedervereinigung. Dadurch wurden große Teile des Wohnungsbestands im Osten Deutschlands modernisiert.

Zusammenhang zwischen Sanierungsbedarf und Zuzug

Die Auswertung legt zudem einen Zusammenhang zwischen dem energetischen Zustand des Wohnungsmarkts und der Bevölkerungsentwicklung nahe. Städte mit einem hohen Anteil sanierungsbedürftiger Immobilien verzeichnen verstärkt Zuzüge von Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Ein möglicher Grund: Unsanierte Objekte sind häufig günstiger und eröffnen insbesondere Familien die Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben, wenn sie bereit sind, selbst zu sanieren.

Dieser Effekt lässt sich statistisch beziffern: Steigt der Anteil der inserierten Wohnimmobilien mit Energieeffizienzklasse E oder schlechter um einen Prozentpunkt, erhöht sich der Wanderungssaldo der 30- bis 50-Jährigen laut Analyse um 0,185. Er misst die Differenz zwischen Zuzügen und Fortzügen in einem Gebiet.

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