Energy Sharing: Was das Stromteilen derzeit noch ausbremst
Energy Sharing soll es ermöglichen, Solarstrom auch mit anderen Haushalten zu teilen. Doch mehrere Monate nach dem Start gibt es bei der Umsetzung noch deutliche Hürden.
Das seit Juni mögliche Energy Sharing lässt sich in Deutschland bislang nur eingeschränkt umsetzen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fehlen dafür wichtige Voraussetzungen. Der Einbau intelligenter Messsysteme kommt nur langsam voran und geeignete Plattformen für die Abwicklung fehlen bislang. Die Verbraucherzentrale berichtet außerdem von Beschwerden darüber, dass Netzbetreiber das Modell nicht unterstützen oder umsetzen können.
Damit Energy Sharing in absehbarer Zeit tatsächlich genutzt werden kann und sich für die Beteiligten rechnet, fordert die Verbraucherzentrale niedrigere Netzentgelte und eine geringere Stromsteuer. Sie begrüßt das Modell grundsätzlich als Möglichkeit, Verbraucher:innen stärker an der Energiewende zu beteiligen.
Was hinter Energy Sharing steckt
Beim Energy Sharing können sich Haushalte zusammenschließen und Solarstrom gemeinsam nutzen. Der Strom wird dabei über das öffentliche Netz von der Photovoltaikanlage zu den beteiligten Abnehmer:innen übertragen. Für Erzeuger:innen kann das höhere Erlöse ermöglichen als die bisherige Einspeisevergütung, während die Abnehmer:innen den Strom günstiger als zum regulären Marktpreis beziehen können.
Damit unterscheidet sich das Modell vom klassischen Eigenverbrauch, aber auch von Mieterstrom und der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung: Der Solarstrom kann über das öffentliche Netz auch Haushalte außerhalb des eigenen Gebäudes erreichen.
Die Verbraucherzentrale sieht darin grundsätzlich eine Möglichkeit, Verbraucher:innen stärker an der Energiewende zu beteiligen. Künftig könnte Energy Sharing nach ihrer Einschätzung zudem an Bedeutung gewinnen, wenn die vom Bundeswirtschaftsministerium geplante Abschaffung der EEG-Vergütung umgesetzt wird.
Hürden bei der praktischen Umsetzung
Ein Beispiel aus dem baden-württembergischen Ladenburg zeigt, wie schwierig die Umsetzung derzeit ist. Dort hat eine Bürgerinitiative eine Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Schule gekauft, um an der Energiewende teilzuhaben. Viele Bewohner:innen der Altstadt können oder wollen aus baulichen Gründen und wegen des Denkmalschutzes keine eigene Solaranlage installieren. Teilweise leben sie zur Miete. Doch auch mehrere Monate nach dem Start des Energy Sharing konnten die Beteiligten den erzeugten Strom noch nicht gemeinsam nutzen.
Eingeführt wurde Energy Sharing aufgrund einer EU-Richtlinie zum Elektrizitätsbinnenmarkt. Diese sieht unter anderem vor, dass kleine Haushalte das Recht auf eine gemeinsame Energienutzung erhalten. Für die Umsetzung in Deutschland fehlen bislang wichtige Rahmenbedingungen. Eine Plattformlösung entwickeln derzeit die Bundesnetzagentur und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).