Energiekrise treibt Nachfrage nach grünen Technologien
Erneuerbare Technologien wie Solar und Wärmepumpen erleben angesichts des Iran-Kriegs einen Nachfrage-Boom.
Die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen ist in Deutschland zuletzt sprunghaft angestiegen. Beim Energiekonzern Eon haben sich die Anfragen für Solaranlagen zwischen Ende Februar und Mitte März im Vergleich zum Vormonat etwa verdoppelt.
Auch andere Anbieter melden starke Zuwächse: Beim Unternehmen Enpal stiegen die Solar- und Wärmepumpen-Anfragen im März um etwa 70 Prozent. 1Komma5 Grad berichtet ebenfalls von einer nahezu verdoppelten Nachfrage nach Solaranlagen. Parallel dazu wächst auch das Interesse an Wärmepumpen spürbar.
Hintergrund ist vor allem der deutliche Anstieg der Energiepreise. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Ölpreis der Nordseesorte Brent von rund 72 auf fast 110 Dollar pro Barrel gestiegen. Gleichzeitig verteuerte sich Gas um etwa 20 Euro pro Megawattstunde. Auch Strompreise zeigen eine hohe Volatilität und schwankten im März täglich stark.
Haushalte reagieren auf Unsicherheit
Viele Haushalte reagieren auf die steigenden Energiepreise, indem sie ihre Versorgung zunehmend unabhängiger gestalten. Neben Solaranlagen und Wärmepumpen wächst deshalb auch die Nachfrage nach Wallboxen für Elektroautos.
Bereits kurz nach den ersten militärischen Angriffen auf den Iran stieg zudem die Nachfrage nach neuen Gasverträgen deutlich an. Seit Beginn des Krieges haben sich die täglichen Vertragsabschlüsse bei Verivox im Vergleich zur Vorwoche mehr als verdoppelt. Auch der Preis für den günstigsten Stromtarif für Neukund:innen ist inzwischen um 9 Prozent gestiegen.
Weitere Faktoren verstärken den Trend
Wie nachhaltig der aktuelle Nachfrageanstieg ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Nach der letzten Energiekrise war das Interesse an Solaranlagen und Wärmepumpen wieder deutlich zurückgegangen, sobald sich die Preise stabilisiert hatten. Viele Anbieter waren darauf nicht vorbereitet und mussten mit wirtschaftlichen Einschnitten reagieren.
Jedoch berichten mehrere Unternehmen von einem langfristigen Trend hin zu mehr Energieunabhängigkeit: Das Interesse an nachhaltigen Technologien sei bereits vor der aktuellen Krise kontinuierlich gestiegen. Neben den aktuellen geopolitischen Entwicklungen tragen dazu auch innerpolitische Entscheidungen bei. So könnte die geplante Abschaffung der Förderung für private PV-Anlagen im kommenden Jahr zusätzliche Kaufanreize setzen. Gleichzeitig sollen Wärmepumpen im Zuge des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) weiterhin staatlich gefördert werden.
Trotz Unsicherheiten zeigt sich die Branche derzeit zuversichtlich. Der aktuelle Boom wird weniger als kurzfristiger Effekt gesehen, sondern vielmehr als Beschleunigung eines bereits bestehenden Trends hin zu erneuerbaren Energien und mehr Eigenversorgung.