Wärmepumpen-Potenzial in deutschen Großstädten: Mehr Gebäude geeignet als bislang angenommen
Aroundhome hat ausgewertet, wie viele Bestandsgebäude in den 20 größten deutschen Städten aufgrund ihrer baulichen, räumlichen und geologischen Voraussetzungen technisch für mindestens eine Wärmepumpentechnologie geeignet sind. Grundlage der Analyse sind die Daten der Wärmepumpen-Ampel der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE).
Kurzfazit: Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
Im Durchschnitt erfüllen 58,9 Prozent der Bestandsgebäude in den 20 größten deutschen Städten die technischen Voraussetzungen für mindestens eine Wärmepumpentechnologie.
Dresden erreicht mit 82,5 Prozent den höchsten Wert unter den deutschen Großstädten.
Düsseldorf (mindestens 40,9 Prozent) und Frankfurt am Main (mindestens 41,4 Prozent) bilden das Schlusslicht des Rankings.
Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser weisen mit 91 Prozent das höchste technische Potenzial auf.
Luftwärmepumpen erreichen mit durchschnittlich 65 Prozent das größte technische Potenzial aller untersuchten Wärmepumpentechnologien.
Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede. Während viele ostdeutsche Städte besonders gute Voraussetzungen bieten, begrenzen dichte Bebauung und kleine Grundstücke das Potenzial in einigen westdeutschen Großstädten.
Dresden führt das Städte-Ranking an
Unsere Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen den deutschen Großstädten.
An der Spitze liegen:
Dresden: 82,5 Prozent
Bielefeld: 78,2 Prozent
Berlin: 74,9 Prozent
Hamburg: 68,1 Prozent
Bochum: 66,1 Prozent
Am unteren Ende des Rankings liegen:
Düsseldorf: mindestens 40,9 Prozent
Frankfurt am Main: mindestens 41,4 Prozent
Köln: 44,4 Prozent
Mannheim: 45,1 Prozent
Vor allem die Bebauungsstruktur beeinflusst die Eignung. Geringe Abstände zwischen Wohngebäuden und kleinere Grundstücke begrenzen das Angebot an Umweltwärme und erschweren insbesondere den Einsatz flächenintensiver Wärmepumpentechnologien. Dennoch können nach den Daten der FfE mindestens 40,9 beziehungsweise 41,4 Prozent der Wohngebäude in Düsseldorf und Frankfurt am Main technisch mit einer Wärmepumpe versorgt werden.
Ein- und Zweifamilienhäuser bieten die besten Voraussetzungen
Neben dem Standort spielt auch der Gebäudetyp eine entscheidende Rolle für die technische Eignung.
Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser erreichen mit durchschnittlich 91 Prozent das höchste Potenzial.
Es folgen:
Kleine Mehrfamilienhäuser (3–6 Wohneinheiten): 83,4 Prozent
Doppelhäuser: 71 Prozent
Reihenhäuser: 40 Prozent
Große Mehrfamilienhäuser (ab sieben Wohneinheiten): 32,7 Prozent
Gebäudetypen mit häufig größeren Grundstücken und mehr verfügbaren Außenflächen weisen im Durchschnitt ein höheres technisches Potenzial auf als Reihenhäuser und große Mehrfamilienhäuser.
Luftwärmepumpen dominieren das technische Potenzial
Je nach Grundstück und geologischen Voraussetzungen kommen unterschiedliche Wärmepumpentechnologien infrage.
Bundesweit ergibt sich folgendes durchschnittliches Potenzial:
Luftwärmepumpen: 65 Prozent
Erdsonden: 47 Prozent
Solar-Eisspeicher: 37 Prozent
Erdkollektoren: 24 Prozent
Luftwärmepumpen benötigen vergleichsweise wenig Platz und eignen sich deshalb deutlich häufiger als Systeme, die Erdarbeiten oder größere Grundstücksflächen voraussetzen. Solar-Eisspeicher kommen aufgrund des höheren baulichen Aufwands vor allem bei Neubauten oder im Rahmen größerer Sanierungsprojekte infrage.
Auch innerhalb der Wärmepumpentechnologien gibt es große regionale Unterschiede
Die Spitzenreiter unterscheiden sich je nach Technologie.
Bei Luftwärmepumpen liegen Dresden (75,9 Prozent), Berlin (67,7 Prozent) und Bielefeld (64,2 Prozent) vorne.
Bei Erdsonden erreicht Bielefeld (55,9 Prozent) den höchsten Wert, während Dresden sowohl bei Solar-Eisspeichern (40 Prozent) als auch bei Erdkollektoren (27,2 Prozent) das Ranking anführt.
In vielen westdeutschen Großstädten fallen die Potenziale dagegen deutlich geringer aus. Besonders Düsseldorf, Frankfurt am Main, Köln oder Mannheim erreichen – je nach Wärmepumpentechnologie – die niedrigsten Werte.
Alle untersuchten Städte im Gesamtvergleich
Die vollständige Auswertung zeigt deutliche Unterschiede beim Gesamtpotenzial für mindestens eine Wärmepumpentechnologie.
Beim Gesamtpotenzial liegen an der Spitze:
Frankfurt (Oder): 90,5 Prozent
Neumünster: 85,5 Prozent
Cottbus: 83 Prozent
Am unteren Ende liegen:
Offenbach am Main: 39,6 Prozent
Düsseldorf: 40,9 Prozent
Frankfurt am Main: 41,4 Prozent
Auch bei Luftwärmepumpen zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Mit 81,6 Prozent erreicht Frankfurt (Oder) den höchsten Wert. Dahinter folgen Neumünster (76,8 Prozent) sowie Dresden und Cottbus (jeweils 75,9 Prozent). Die niedrigsten Potenziale weisen Düsseldorf (29,4 Prozent), Mannheim (30,9 Prozent) und Frankfurt am Main (32,1 Prozent) auf.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Erdsonden. Auch hier führt Frankfurt (Oder) mit 68,9 Prozent, gefolgt von Hamm (59 Prozent), Suhl (56,3 Prozent) und Bielefeld (55,9 Prozent). Am geringsten fällt das Potenzial in Köln (13,8 Prozent), Offenbach am Main (16,6 Prozent) sowie Heidelberg und Mönchengladbach (jeweils 18,2 Prozent) aus.
Bei Erdkollektoren liegt Frankfurt (Oder) ebenfalls an der Spitze. Mit 36,3 Prozent erreicht die Stadt den höchsten Wert vor Wilhelmshaven (30,5 Prozent), Brandenburg an der Havel (30,4 Prozent) und Emden (30,2 Prozent). Die niedrigsten Werte erzielen Offenbach am Main (3,2 Prozent), Köln (3,6 Prozent), Darmstadt (4 Prozent) und Nürnberg (4,3 Prozent).
Auch bei Solar-Eisspeichern führt Frankfurt (Oder) das Ranking an. Mit 53,7 Prozent liegt die Stadt vor Neumünster (48 Prozent), Cottbus (45,5 Prozent) und Brandenburg an der Havel (43,3 Prozent). Die geringsten Potenziale weisen Offenbach am Main (7,9 Prozent), Nürnberg (11 Prozent), Fürth (12,1 Prozent) sowie Heidelberg und Düsseldorf (jeweils 13,1 Prozent) auf.
Einordnung durch Aroundhome
„Die aktuellen Diskussionen und Änderungen rund um die Heizungsförderung verunsichern viele Eigentümerinnen und Eigentümer. Umso wichtiger ist es, Entscheidungen nicht von der politischen Debatte abhängig zu machen, sondern die baulichen Fakten der eigenen Immobilie zu prüfen. Unsere Analyse zeigt, dass das Potenzial für Wärmepumpen in vielen Städten deutlich größer als gedacht ist – allen voran bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Dennoch bleibt jede Immobilie individuell und es gibt bundesweit große regionale Unterschiede. Eine sorgfältige Prüfung bleibt deshalb der wichtigste Schritt vor einer Investitionsentscheidung. Dabei hilft es, mehrere Fachfirmen zu vergleichen und sich unabhängig beraten zu lassen, um die passende Lösung für das eigene Gebäude zu finden“, sagt Swen Dreßen, Experte für energieeffizientes Wohnen bei Aroundhome.
Methodik der Analyse
Für die Untersuchung hat Aroundhome die Daten der Wärmepumpen-Ampel der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) ausgewertet. Die Analyse basiert auf den öffentlich verfügbaren Datensätzen des FfE-OpenData-Portals und untersucht das technische Potenzial verschiedener Wärmepumpentechnologien nach Städten und Gebäudetypen. Berücksichtigt wurden Luftwärmepumpen, Erdsonden, Erdkollektoren und Solar-Eisspeicher sowie freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser sowie kleine und große Mehrfamilienhäuser.