Arbeitskosten im Handwerk steigen stärker als Materialpreise
Aroundhome hat die Preisentwicklung in verschiedenen Gewerken mit der von Rohstoff- und Materialgruppen innerhalb der vergangenen fünf Jahre verglichen. In fast allen Bereichen sind die Kosten für die Handwerksleistung selbst stärker gestiegen als die Materialkosten.
Kurzfazit: Das sind die wichtigsten Ergebnisse
Die Kosten für Handwerksleistungen am Eigenheim sind in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 36,0 Prozent gestiegen, die Materialkosten dagegen nur um 24,3 Prozent.
Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen verzeichnen mit plus 81,7 Prozent den stärksten Preisanstieg unter allen untersuchten Gewerken.
Energieversorgung ist mit plus 56,2 Prozent der stärkste Preistreiber unter den untersuchten Rohstoffgruppen.
Eine Dachsanierung kostet 2026 im Schnitt rund 3.490 Euro mehr als noch 2021 – ein Plus von 36,7 Prozent.
Die Auswertung zeigt, dass der Faktor Arbeit die Rohstoffe mittlerweile als größten Preistreiber im Handwerk abgelöst hat.
Wie wurde die Preisentwicklung im Handwerk untersucht?
Für die Analyse wurden die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Preisindizes für Bauleistungen am Bauwerk für Handwerksgewerke sowie die Erzeugerpreisindizes gewerblicher Produkte (Güterverzeichnis für Produktionsstatistiken) für Rohstoff- und Materialgruppen ausgewertet. Betrachtet wurde jeweils die prozentuale Preisentwicklung im Zeitraum von 2021 bis 2025.
Handwerkerkosten steigen im Schnitt um 36 Prozent
Die Kosten für professionelle Handwerksarbeiten am Eigenheim sind in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 36,0 Prozent gestiegen. Wie stark der Anstieg ausfällt, hängt stark vom jeweiligen Gewerk ab. Mit einem Zuwachs von durchschnittlich 81,7 Prozent müssen Hausbesitzer:innen vor allem bei Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen wesentlich mehr zahlen als noch vor fünf Jahren. Mit weitem Abstand folgen Gebäudeautomation (49,1 Prozent), Beschlagarbeiten (44,1 Prozent), Verglasungsarbeiten (42,6 Prozent), Dachdeckungsarbeiten (40,9 Prozent) sowie Tischler- (40,4 Prozent), Ausbau- (39,0 Prozent) und Klempnerarbeiten (38,9 Prozent). Auch die Kosten für Estricharbeiten (36,5 Prozent), Trockenbauarbeiten (35,9 Prozent), Rollladenarbeiten (35,7 Prozent), Metallbauarbeiten (35,4 Prozent), Betonwerksteinarbeiten (35,3 Prozent), Erdarbeiten (34,6 Prozent), Abdichtungsarbeiten (32,8 Prozent), Maler- und Lackierarbeiten (31,0 Prozent) und Naturwerksteinarbeiten (30,8 Prozent) sind in den vergangenen fünf Jahren merklich gestiegen.
Demgegenüber verzeichnen Gerüstarbeiten mit einem Anstieg von 20,6 Prozent den geringsten Preiszuwachs unter allen untersuchten Handwerksarbeiten. Auch Zimmer- und Holzbauarbeiten (22,4 Prozent), Maurerarbeiten (22,6 Prozent) sowie Stahlbauarbeiten (23,8 Prozent) und Betonarbeiten (24,1 Prozent) haben eine vergleichsweise stabile Preisentwicklung durchgemacht.
Auch bei den Rohstoffen zeigen sich große Unterschiede
Materialkosten sind mit durchschnittlich 24,3 Prozent zwar deutlich moderater gestiegen als die Handwerkerkosten, einzelne Rohstoffgruppen weichen davon aber erheblich ab. Der Spitzenreiter unter allen untersuchten Kostengruppen ist die Energieversorgung mit einem Zuwachs von 56,2 Prozent, gefolgt von Kohle (42,6 Prozent) auf Platz zwei – beide Werte werden als eigenständige Stufen der Wertschöpfungskette erhoben und bilden keine Teilmengen voneinander. Es folgen Steine und Erden, sonstige Bergbauerzeugnisse (41,9 Prozent) sowie Glas und -waren, Keramik, Steine und Erden (32,4 Prozent). Auch Erdöl und Erdgas (28,7 Prozent), Wasser und Dienstleistungen der Wasserversorgung (21,8 Prozent), Metallerzeugnisse (21,1 Prozent) und elektrische Ausrüstungen (20,5 Prozent) verzeichnen hohe Preisanstiege.
Zudem fallen die Preisentwicklungen bei Holz (13,3 Prozent), Gummi- und Kunststoffwaren (13,6 Prozent) sowie Kokerei- und Mineralölerzeugnissen (14,1 Prozent), Metallen (14,3 Prozent) und chemischen Erzeugnissen (19,8 Prozent) relativ moderat aus.
Was das für Hausbesitzer:innen konkret bedeutet
Wie stark sich die gestiegenen Rohstoff- und Handwerkerkosten in der Praxis auswirken, zeigen drei typische Sanierungsvorhaben, die für Hausbesitzer:innen besonders relevant sind:
Dachsanierung (Neueindeckung, ca. 100 Quadratmeter Dachfläche): Heute zahlen Hausbesitzer:innen dafür im Schnitt rund 13.000 Euro. 2021 lag der Preis für dieselbe Leistung noch bei etwa 9.510 Euro – ein Plus von rund 3.490 Euro bzw. 36,7 Prozent, getrieben von den gestiegenen Kosten für Dachdeckungsarbeiten (+40,9 Prozent) und, in geringerem Maße, für das benötigte Material (+32,4 Prozent).
Fenstertausch (10 Kunststofffenster inklusive Einbau): Aktuell kostet der Austausch im Schnitt rund 9.300 Euro. Vor fünf Jahren waren es noch etwa 6.910 Euro – ein Anstieg von rund 2.390 Euro bzw. 34,6 Prozent, bedingt durch die gestiegenen Kosten für Verglasungsarbeiten (+42,6 Prozent) sowie das Fenstermaterial selbst (+32,4 Prozent).
Fassadenanstrich (ca. 100 Quadratmeter): Kostete 2021 noch rund 8.010 Euro, zahlen Hausbesitzer:innen dafür 2025 bereits etwa 10.200 Euro – ein Aufschlag von rund 2.190 Euro bzw. 27,3 Prozent, vor allem wegen der gestiegenen Kosten für Maler- und Lackierarbeiten (+31,0 Prozent), während die Farbe als Material moderat teurer wurde (+19,8 Prozent).
In allen drei Beispielen ist damit der Anteil der Arbeitskosten am Preisanstieg größer als der Anteil der Materialkosten.
Einordnung von Aroundhome
„Die Zahlen zeigen deutlich: Die Kosten für das reine Handwerk sind in den letzten Jahren stärker gestiegen als die Kosten für Material. Um die eigene Immobilie zukunftssicher zu gestalten, kommen Hauseigentümer:innen jedoch um Investitionen nicht herum. Und gerade weil die Preise je nach Gewerk und Anbieter extrem schwanken, sollten Eigentümer:innen ihre Projekte frühzeitig planen und verschiedene Angebote vergleichen. Das gibt Sicherheit bei der richtigen Entscheidung und spart am Ende bares Geld", sagt Dagmar Faltis, Geschäftsführerin bei Aroundhome.
Methodik der Analyse
Für die Analyse hat Aroundhome die Preisentwicklung von Bauleistungen sowie ausgewählten Materialkosten-Gruppen auf Basis der vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Preisindizes für Bauleistungen am Bauwerk sowie der Erzeugerpreisindizes gewerblicher Produkte (Güterverzeichnis für Produktionsstatistiken) ausgewertet. Verglichen wurde die prozentuale Preisveränderung der einzelnen Gewerke und Materialgruppen über einen Zeitraum von fünf Jahren (2021 bis 2025).