Biomethan für Gasheizungen würde Millionen Hektar Anbaufläche erfordern
Aroundhome analysiert den potenziellen Flächenbedarf für Biomethan zur Beheizung von Wohnungen in den 150 größten deutschen Städten – anhand von vier Szenarien zwischen 10 und 100 Prozent Anteil erneuerbarer Gase.
Kurzfazit: So hoch kann die potenzielle Bedarfsfläche werden
Unsere Beispielrechnung zeigt, dass allein für die Beheizung der 150 größten Städte Deutschlands mit einem Biomethan-Anteil von zehn Prozent zwischen 209.000 und 316.000 Hektar Silomais-Anbaufläche erforderlich wären.
In den 150 größten Städten werden rund 10,3 Millionen Wohnungen mit Gas beheizt.
Bereits bei 50 Prozent Biomethan-Anteil wären bis zu 1,58 Millionen Hektar Anbaufläche nötig.
Bei 100 Prozent Biomethan für alle gasbeheizten Wohnungen in Deutschland könnte der Flächenbedarf bis zu 7,55 Millionen Hektar betragen – das entspricht rund 21 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands.
Der steigende Biomethan-Anteil würde den Flächenbedarf für Silomais erheblich erhöhen und wirft Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit auf.
Die Analyse zeigt, dass der Flächenbedarf für die Erzeugung von ausreichend Biomethan bei steigenden Anteilen des erneuerbaren Gases schnell gewaltig werden kann.
Großteil deutscher Wohnungen wird noch immer mit Gas beheizt
In den 150 größten Städten Deutschlands gibt es rund 17 Millionen Wohnungen, von denen etwa 10,3 Millionen mit Gas beheizt werden.
Der durchschnittliche Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasser liegt bei etwa zwölf MWh pro Wohnung im Jahr. Diese Kennzahl haben wir in der Analyse genutzt, um den Gesamtenergiebedarf für Gasheizungen zu bestimmen.
Zur Berechnung des möglichen Biomethan-Potenzials wurde der Energiebedarf mit dem durchschnittlichen Biomethan-Ertrag aus Silomais kombiniert. Ein Hektar Silomais liefert laut wissenschaftlichen Studien etwa 39 bis 59 MWh Biomethan pro Jahr.
Auf dieser Basis wurden vier Szenarien berechnet:
10 Prozent Biomethan-Anteil
30 Prozent Biomethan-Anteil
50 Prozent Biomethan-Anteil
100 Prozent Biomethan-Anteil
Schon zehn Prozent Biomethan erfordern mehrere hunderttausend Hektar Anbaufläche
Die Auswertung zeigt: Selbst ein relativ kleiner Anteil erneuerbarer Gase würde einen erheblichen Flächenbedarf verursachen.
Für einen Biomethan-Anteil von zehn Prozent ergibt sich für die 150 größten Städte ein potenzieller Flächenbedarf von 209.000 bis 316.000 Hektar Silomais. Das entspricht ungefähr der zwei- bis dreieinhalbfachen Fläche Berlins.
Die Hauptstadt hat dabei trotz unterdurchschnittlicher Gasheizungsquote den größten Wärmebedarf, da dort mit Abstand die meisten Wohnungen vorhanden sind.
Mehr als zwei Millionen Wohnungen befinden sich in Berlin
45,6 Prozent werden mit Gas beheizt
Durchschnitt der untersuchten Städte: 63,7 Prozent Gasheizungen
Flächenbedarf steigt bei höheren Biomethan-Anteilen stark an
Mit steigenden Anteilen von Biomethan wächst auch der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche zur Produktion deutlich.
Die Berechnungen zeigen folgende potenzielle Flächenbedarfe für die 150 größten Städte:
30 Prozent Biomethan: 627.000 bis 949.000 Hektar
50 Prozent Biomethan: 1,05 Millionen bis 1,58 Millionen Hektar
100 Prozent Biomethan: rund 2,1 Millionen bis 3,2 Millionen Hektar
Bereits bei einem Anteil von 50 Prozent würde die benötigte Fläche fast ein Zehntel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands ausmachen.
Reines Biomethan für alle Gasheizungen würde bis zu 21 Prozent der Fläche Deutschlands benötigen
Noch größer fällt der potenzielle Flächenbedarf aus, wenn nicht nur die Großstädte, sondern alle gasbeheizten Wohnungen in Deutschland betrachtet werden.
Rund 56 Prozent der Wohnungen in Deutschland werden derzeit mit Gas beheizt. Dazu zählen auch Einfamilienhäuser, die statistisch als eine Wohnung erfasst werden.
Wenn diese vollständig mit Biomethan betrieben würden, ergibt sich laut der Berechnung ein möglicher Flächenbedarf von bis zu 7,55 Millionen Hektar Silomais.
Zum Vergleich:
Gesamtfläche Deutschlands: etwa 35,8 Millionen Hektar
Möglicher Biomethan-Flächenbedarf: rund 21 Prozent der Landesfläche
Einordnung: Energetische Sanierung kann Abhängigkeit von Energieträgern reduzieren
„Die hypothetische Rechnung zeigt, dass der Flächenbedarf schnell extrem hoch werden kann. Welche Flächenpotenziale dabei realistisch sind und welche Kosten letztlich auf Erzeuger und Verbraucher zukommen, ist mehr als ungewiss”, sagt Jannis Mischke, Senior Category Manager für „Energieeffizientes Wohnen“ bei Aroundhome. „Gerade jetzt lohnt es sich für Eigentümer, in die energetische Sanierung der eigenen Immobilie zu investieren – unabhängig davon, wie sich einzelne Regelungen im Gebäudemodernisierungsgesetz entwickeln. Wer den Energieverbrauch seines Hauses durch effizientere und nachhaltige Heizungssysteme reduziert, senkt dauerhaft seine laufenden Kosten und macht sich weniger abhängig von schwankenden Energiepreisen. Gleichzeitig schafft eine moderne, effiziente Gebäudehülle die Grundlage dafür, erneuerbare Energien sinnvoll zu nutzen. Besonders in Kombination mit Photovoltaik ist und bleibt die Wärmepumpe langfristig der sicherste Anker im eigenen Zuhause.”
Methodik der Analyse
Für die Untersuchung hat Aroundhome zunächst die Anzahl der gasbeheizten Wohnungen in den 150 größten Städten Deutschlands ermittelt.
Dazu wurden folgende Datenquellen kombiniert:
Wohnungsanzahl je Stadt: Statistisches Bundesamt (Stand 31.12.2024)
Anteil Gasheizungen: Zensus 2022
Die Zahl der gasbeheizten Wohnungen wurde anschließend mit dem durchschnittlichen Energieverbrauch von 12 MWh pro Haushalt und Jahr multipliziert, basierend auf Verbrauchsdaten des Umweltbundesamts. Der daraus resultierende Energiebedarf wurde anschließend auf vier Szenarien mit unterschiedlichen Biomethan-Anteilen übertragen.
Zur Berechnung des Flächenbedarfs wurde der Energiebedarf schließlich mit dem durchschnittlichen Biomethan-Ertrag aus Silomais (39–59 MWh pro Hektar) ins Verhältnis gesetzt.
Die Analyse berücksichtigt daher jeweils:
eine optimistische Ertragsschätzung
eine konservative Ertragsschätzung
So lässt sich eine Bandbreite für den möglichen Flächenbedarf der Biomethan-Produktion darstellen.