Pflege zu Hause kann zehntausende Euro günstiger sein als ein Pflegeheimplatz
Aroundhome vergleicht die Eigenanteile für 25 Monate im Pflegeheim mit den modellierten Kosten für barrierefreie Umbaumaßnahmen und häusliche Pflege. Je nach Szenario liegen die Kosten für den Verbleib im Eigenheim deutlich unter den durchschnittlichen Pflegeheimkosten.
Kurzfazit: Das sind die wichtigsten Ergebnisse
Der durchschnittliche Eigenanteil für 25 Monate in einer stationären Pflegeeinrichtung liegt bundesweit bei 79.613 Euro.
Je nach Bundesland reichen die Pflegeheimkosten von 67.990 Euro in Sachsen-Anhalt bis 89.081 Euro in Bremen.
Im umfangreichsten untersuchten Szenario mit umfassendem barrierefreien Umbau und intensiver ambulanter Pflege bei Pflegegrad 4 entstehen über 25 Monate modellierte Gesamtkosten von 45.406,25 Euro.
Damit liegt selbst dieses kostenintensivste Szenario für die Pflege zu Hause mehr als 34.000 Euro unter dem bundesweiten Durchschnitt der Pflegeheimkosten.
Die Modellrechnung zeigt, dass ein frühzeitig barrierefrei gestaltetes Zuhause in Verbindung mit häuslicher Pflege unter den getroffenen Annahmen nicht nur ein längeres, selbstbestimmtes Leben mit höherer Lebensqualität airhein der vertrauten Umgebung ermöglicht, sondern auch finanziell günstiger sein kann als ein Pflegeheimplatz.
Wie wurden Pflegeheim und Pflege zu Hause verglichen?
Es wurden drei Szenarien für unterschiedliche Pflegebedarfe und Umbaustufen berechnet und diese den Eigenanteilen eines durchschnittlich 25 Monate dauernden Aufenthalts in einer stationären Pflegeeinrichtung gegenübergestellt.
Die angenommene Dauer von 25 Monaten basiert auf einer Untersuchung der Caritas zur durchschnittlichen Verweildauer in stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Für die Pflegeheimkosten wurden die vom Verband der Ersatzkassen (vdek) ausgewiesenen Eigenanteile einschließlich der nach Aufenthaltsdauer gestaffelten Zuschüsse zugrunde gelegt.
Für die Pflege im Eigenheim wurden drei modellhafte Situationen betrachtet:
Szenario I: grundlegende Umbaumaßnahmen, Pflegegrad 2, reine Angehörigenpflege
Szenario II: erweiterte Umbaumaßnahmen, Pflegegrad 3, ambulante Pflege (mehrfach wöchentlich Hilfe bei Körperpflege und Toilettengängen, tägliche Zubereitung einer Mahlzeit, wöchentliche Reinigung von Wohnung und Wäsche sowie wöchentlicher Einkauf)
Szenario III: umfassende Umbaumaßnahmen, Pflegegrad 4, intensive ambulante Pflege (tägliche Hilfe bei Körperpflege und Toilettengängen, tägliche Zubereitung einer Mahlzeit, tägliches Betten, wöchentliche Reinigung von Wohnung und Wäsche sowie wöchentlicher Einkauf)
Die Kosten der ambulanten Pflege wurden anhand der definierten Pflegeleistungen exemplarisch für das Bundesland Berlin berechnet. Fördermittel für den barrierefreien Umbau wurden im Rahmen der Modellkalkulation nicht von den angesetzten Kosten abgezogen.
Pflegeheimplatz kostet über 25 Monate durchschnittlich fast 80.000 Euro
Der bundesweite durchschnittliche Eigenanteil für einen 25-monatigen Aufenthalt in einer stationären Pflegeeinrichtung beträgt nach unserer Modellrechnung von Aroundhome 79.613 Euro. Wie hoch die tatsächliche finanzielle Belastung ausfällt, hängt stark vom Wohnort ab. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland der Auswertung liegen mehr als 21.000 Euro.
Am höchsten ist der summierte Eigenanteil in Bremen mit 89.081 Euro. Dahinter folgen das Saarland mit 87.689 Euro und Nordrhein-Westfalen mit 87.505 Euro. Am anderen Ende der Auswertung steht Sachsen-Anhalt mit 67.990 Euro. Auch Niedersachsen mit 71.188 Euro und Mecklenburg-Vorpommern mit 71.343 Euro liegen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Wohnort erheblichen Einfluss auf die finanzielle Belastung durch einen Pflegeheimplatz haben kann.
Pflege zu Hause ist in allen drei Modell-Szenarien günstiger
In allen drei berechneten Szenarien liegen die modellierten Kosten für barrierefreien Umbau und häusliche Pflege über 25 Monate unter dem bundesweiten durchschnittlichen Eigenanteil von 79.613 Euro für einen Pflegeheimplatz. Dabei reicht die Untersuchung von einer grundlegenden Anpassung des Eigenheims mit Angehörigenpflege bis zu einem umfassenden altersgerechten Umbau in Verbindung mit intensiver ambulanter Pflege.
Szenario I: Grundlegender Umbau und Angehörigenpflege bei Pflegegrad 2
Zu den angesetzten Maßnahmen gehören eine bodengleiche Dusche, rutschhemmender Boden, der Abbau von Türschwellen, zusätzliche Handläufe und Haltegriffe, ergänzende Beleuchtung und Bewegungsmelder sowie die Installation eines Hausnotrufs. Für dessen laufende Nutzung werden durchschnittlich 25 Euro pro Monat angesetzt.
Für diese grundlegenden Maßnahmen zur Barrierefreiheit wurden durchschnittliche Kosten in Höhe von rund 8.100 Euro kalkuliert. Dafür wurde pro Maßnahme der Mittelwert aus dem jeweils angesetzten niedrigsten und höchsten Preis gebildet. Bei Pflegegrad 2 besteht bei reiner Angehörigenpflege ein monatlicher Anspruch auf 347 Euro Pflegegeld. Über 25 Monate entspricht dies 8.675 Euro. Das Pflegegeld liegt damit rechnerisch ungefähr auf Höhe der angesetzten Kosten für die grundlegenden Umbaumaßnahmen sowie den Hausnotruf über 25 Monate.
Wichtig: Angehörigenpflege verursacht zusätzlich insbesondere einen teilweise erheblichen zeitlichen Aufwand und kann weitere Kosten mit sich bringen. Da diese stark vom Einzelfall abhängen, wurden sie in der Modellrechnung nicht monetär bewertet.
Szenario II: Erweiterter Umbau und ambulante Pflege bei Pflegegrad 3
Zusätzlich zu den grundlegenden Maßnahmen aus Szenario I wurden Türverbreiterungen, eine Rampe, ein erhöhtes WC, ein unterfahrbarer Waschtisch, eine größere Bewegungsfläche im Badezimmer sowie zusätzliche Handläufe berücksichtigt. Die modellierten Umbaukosten belaufen sich dadurch auf durchschnittlich 15.500 Euro.
Die ambulanten Pflegekosten betragen im exemplarisch für Berlin berechneten Fall 1.929,17 Euro pro Monat. Bei Pflegegrad 3 können monatlich bis zu 1.497 Euro Pflegesachleistungen geltend gemacht werden. Daraus verbleibt ein monatlicher Eigenanteil von 432,17 Euro.
Über 25 Monate ergeben sich einschließlich der Umbaumaßnahmen und für den Hausnotruf modellierte Gesamtkosten von 26.929,25 Euro.
Szenario III: Umfassender Umbau und intensive ambulante Pflege kosten rund 45.400 Euro
Das dritte Szenario umfasst zusätzlich zu den Maßnahmen der ersten beiden Szenarien einen Treppenlift, einen vollständigen Badezimmerumbau, Smart-Home-Funktionen, einen elektrischen Türöffner und weitere Türanpassungen. Die dafür kalkulierten Umbaukosten liegen bei durchschnittlich 26.050 Euro.
Die ambulanten Pflegekosten bei dem nochmals erweiterten Bedarf betragen 2.608,25 Euro monatlich. Nach Abzug von bis zu 1.859 Euro Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4 verbleibt ein monatlicher Eigenanteil von 749,25 Euro.
Über den betrachteten Zeitraum von 25 Monaten ergeben sich inklusive Umbau und Hausnotruf Gesamtkosten von 45.406,25 Euro. Gegenüber dem bundesweiten Pflegeheim-Durchschnitt von 79.613 Euro entspricht das einer Differenz von 34.206,75 Euro.
Förderungen können die Kosten für barrierefreie Umbauten zusätzlich reduzieren
Mögliche Zuschüsse für barrierefreie Umbaumaßnahmen wurden in der Modellrechnung nicht berücksichtigt und können die individuell zu tragenden Umbaukosten zusätzlich reduzieren. Für Maßnahmen im Eigenheim kommen beispielsweise Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen durch die Pflegekassen infrage. Daneben gibt es unter anderem den Investitionszuschuss Nr. 455-B der KfW. Dieser ist für das Jahr 2026 allerdings bereits aufgebraucht und nur laufende Anträge werden weiterhin bearbeitet. Welche Förderungen verfügbar sind und welche Voraussetzungen gelten, hängt vom jeweiligen Programm und Einzelfall ab.
Warum frühzeitige Barrierefreiheit relevant ist
93 Prozent der Befragten einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse möchten auch bei Pflegebedürftigkeit weiterhin in ihrem Haus oder ihrer Wohnung leben. Damit dieser Wunsch auch bei zunehmenden körperlichen Einschränkungen realisierbar bleibt, können barrierefreie Anpassungen notwendig werden. Wer solche Maßnahmen bereits bei ohnehin anstehenden Modernisierungen berücksichtigt, kann Investitionen langfristiger planen und den Zeitdruck reduzieren, falls später plötzlich ein höherer Pflegebedarf entsteht.
Einordnung von Aroundhome
„Beim altersgerechten Wohnen gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Wer Barrierefreiheit schon bei anstehenden Modernisierungen mitdenkt, kann Investitionen langfristig planen, schafft frühzeitig die Voraussetzungen, auch im Alter im vertrauten Zuhause zu bleiben und und entlastet damit gleichzeitig die Menschen, die einem nahestehen.“, sagt Caroline Genschmer, Expertin für barrierefreies Wohnen und Immobilienverkauf bei Aroundhome. „Denn steigt der Pflegebedarf plötzlich, müssen Entscheidungen oft unter Zeitdruck getroffen werden. Passende Pflegeplätze im gewünschten Umfeld sind dabei limitiert und nicht immer kurzfristig verfügbar. Unsere Modellrechnung zeigt, dass sich frühzeitige Vorsorge auch finanziell auszahlen kann.“
Methodik der Analyse
Für die Untersuchung wurden die durchschnittlichen, von Pflegebedürftigen zu tragenden Eigenanteile für einen Aufenthalt von 25 Monaten in einer stationären Pflegeeinrichtung auf Grundlage der Angaben des vdek berechnet. Die Kosten für die verschiedenen barrierefreien Umbaumaßnahmen wurden modellhaft kalkuliert. Dafür wurde pro Maßnahme der Mittelwert aus dem jeweils angesetzten niedrigsten und höchsten Preis gebildet. Zuschüsse, Kredite und sonstige Förderungen für barrierefreie Umbauten wurden aufgrund regionaler und einzelfallabhängiger Unterschiede nicht in die Modellrechnung einbezogen. Die zugrunde gelegten ambulanten Pflegeleistungen orientieren sich an Beispielen des Deutschen Pflegerings. Die monatlichen Kosten wurden auf dieser Grundlage mithilfe des Pflegekostenrechners der compass private pflegeberatung exemplarisch für das Bundesland Berlin berechnet. Der Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung von monatlich 131 Euro wurde aufgrund seiner Zweckbindung und der vom Einzelfall abhängigen Nutzung nicht berücksichtigt.
Die Szenarien stellen modellhafte Kostenbeispiele dar. Tatsächliche Kosten können je nach Wohnsituation, Pflegebedarf, regionalen Preisen und individuell in Anspruch genommenen Leistungen abweichen. Die betrachteten Leistungen der häuslichen und stationären Pflege sind nicht vollständig gleichwertig; die Berechnung stellt daher keinen direkten Vergleich identischer Versorgungsleistungen dar.